Familienreport 2011: Immer mehr Mütter sind berufstätig

FZ TT Familienreport 2011: Immer mehr Mütter berufstätig
Laut Familienreport 2011 arbeiten immer mehr Mütter. Die Väter nehmen dagegen vermehrt Elternzeit, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. © deutsche presse agentur

Rollenverständnis in Familie ändert sich

„Juhu, meine Mami geht arbeiten!“ Das Klischee der armen Schlüsselkinder, die der arbeitenden Mutter hinterher weinen können wir getrost vergessen. Und hätten Sie gedacht, dass „Vätermonate“ die Scheidungsrate senken? Das sind die Fakten des diesjährigen Familienreports 2011, den das Familienministerium in Berlin herausgebracht hat. Dabei zeichnet sich ein Trend ab: Die Rolle der Familie wandelt sich.

Von Dagmar Baumgarten

Der Familienreport beschäftigt sich vor allem mit der Elternzeit. Was hat sie gebracht? Wie wird sie überhaupt angenommen? Was haben sich viele damit schwergetan. „Vaterzeit? Das ist doch was für strickende Super-Softies.“ Gott sei Dank hat sich diese Haltung grundlegend geändert. „Wann ist ein Mann ein Mann?“ hat Herbert Grönemeyer vor fast zwei Jahrzehnten verzweifelt gefragt. Damals haben viele noch überzeugt geantwortet: „Na, wenn er das Geld nach Hause bringt!“ Ein guter Vater war derjenige, der seine Familie gut ernährte. Und eine Mutter war immer für ihre Kinder da. Basta! Und wenn die Frau daran etwas ändern wollte, und wieder in den Beruf einsteigen wollte, gab es garantiert jemanden, der ihr das Gefühl gab, eine Rabenmutter zu sein.

Und zumindest in vielen Hinterköpfen geistern diese Klischees auch immer noch herum. Jetzt können wir aber schwarz auf weiß nachlesen, dass sie falsch sind!

2010 haben sich mehr als die Hälfte der Mütter, deren Kinder zwei Jahre und älter sind, für den Wiedereinstieg ins Berufsleben entschieden. Möglich geworden ist dies, weil auch immer mehr Männer umdenken. 60 Prozent von ihnen würden gerne weniger arbeiten, um sich mehr ihrer Familie widmen zu können. Und was sagen die Kinder dazu?

Eine überwältigende Mehrheit der Kinder, nämlich 91 Prozent, ist „total froh“ bis „eher froh“ dass sie eine berufstätige Mutter haben. Und genießen umso mehr die Zeit, die sie dann nach ihrem Job mit ihr zur Verfügung haben. Wo klappt es am besten? Bei Familien, wo beide Eltern Teilzeit arbeiten. Noch gibt es das zu selten, aber optimal fänden viele Familien, wenn sowohl Mutter als auch Vater jeweils 25 bis 35 Stunden pro Woche arbeiten würden.

Scheidungsrate sinkt, wenn beide arbeiten

Damit beide Eltern arbeiten können, muss allerdings die geeignete Kinderbetreuung her. Hier gibt es noch einen kleinen Teufelskreis. Je ärmer die Familien, umso geringer ist der Anteil der Kinder, die eine Krippe besuchen. Nicht einmal ein Fünftel der Kinder von Geringverdienern besuchen Betreuungseinrichtungen. Der vermutete Grund: Bei einem Krippenbesuch fallen oft Kosten für Ausflüge, Essen oder Gruppenkassen an. Vor diesen zusätzlichen Ausgaben schrecken viele Eltern wohl zurück. Sie betreuen ihre Kinder lieber zu Hause und können selber damit auch nicht beide einem Job nachgehen. Hier gibt es also noch Handlungsbedarf.

Natürlich liegt dem Staat nicht nur am psychischem Wohl der Familien - es geht auch ums Geld. Denn eine halbe Millionen Mütter würde bei geeigneter Kinderbetreuung nach eigenen Angaben eine Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Und würde als Arbeitende natürlich dem Staat Steuern bringen, statt Arbeitslosengeld zu kassieren.

Auffällig ist, dass es immer noch einen deutlichen Unterschied zwischen Ost und West gibt. Die Ost-Mütter sind in Sachen Erwerbstätigkeit eindeutige Vorreiter. Sie gehen nicht nur häufiger arbeiten, sondern verbringen auch mehr Zeit im Beruf.

Aber der Familienreport hat noch ein erstaunliches Ergebnis zutage gebracht: Arbeitende Mütter sind gut für die Ehe! Mit der wachsenden Zahl der Väter, die weniger arbeiten und sich Kinderbetreuung und Hausarbeit mit der Mutter teilen, sinkt die Scheidungsrate. Denn je geleichberechtigter die Partner sind, umso mehr Verständnis haben sie auch füreinander. Männer und Frauen leben plötzlich nicht mehr auf fremden Planeten, sondern teilen plötzlich die gleichen Sorgen und Nöte.

Und das Elternzeit- Modell macht sich auch bei der Kinderanzahl bemerkbar. Eltern, bei denen die Väter sich durch die Elternzeit zeitlich viel mehr in den Familienalltag einbringen konnten, hatten viel öfter Lust auf weitere Kinder, als diejenigen, die dem klassischen Modell folgten.

Anzeige