Familienplanung: Wie stellen wir uns die perfekte Familie vor?

Familienplanung: Wie stellen wir uns die perfekte Familie vor?
© picture alliance / Robert Hardin, Robert Harding Productions

Familienplanung: So sieht's in Deutschland aus

Wie sieht die ideale Familie aus? Die Antwort auf diese Frage heißt "Familienleitbild" und wurde gerade vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung neu untersucht. Um schon mal das wichtigste Ergebnis vorwegzunehmen: Idealerweise kümmern sich beide um die Kinder, er arbeitet Vollzeit (aber nicht zu dolle, damit noch Zeit für die Kinder bleibt), sie Teilzeit (damit sie unabhängig bleibt, aber auf jeden Fall auch Zeit hat, um nachmittags für den Sohn das Geschichts-Referat zu schreiben).

Von Ursula Willimsky

Konkret kann man sich eine ideale Familie also zum Beispiel so vorstellen: Sie kümmert sich um Baby und Haushalt, poliert noch rasch die Silberlöffel auf oder nimmt ein paar caritative oder öffentlichkeitswirksame Termine wahr, während er nach Dienstschluss ganz schnell die Hubschrauberpiloten-Uniform in den Spint wirft und in den heimischen Palast eilt. Bloß keine Extraflüge mehr! Familie geht vor!

Kate und William sind also mit dem, was "enge Freunde" so über deren Leben erzählen, ganz nah dran an dem, was sich auch die meisten jungen Deutschen als Familienleben wünschen. Und zu dem gehören Kinder, oder ein Kind. Da ist sich die Republik mit über 80 Prozent einig: Egal ob heterosexuell oder homosexuell – sobald Leute gemeinsam Kinder haben, gelten sie als "Familie", Paare ohne Kinder bekommen dieses Label viel seltener.

Gesellschaftlich hat sich also doch einiges geändert: Nur noch wenige glauben, dass man heiraten muss, um eine echte Familie zu gründen (18 Prozent). Was aber laut Studie nicht heißen soll, dass die Ehe out ist. Im Gegenteil: Nur 35 Prozent halten sie für überholt. Der Rest hält sie einfach für nicht zwingend notwendig. Gewünscht wird aber eine gleichberechtigte Aufteilung der Bereiche Kinderbetreuung und Einkommen. Was jetzt unserer Meinung nach einen Hauch kollidiert mit dem Idealbild der halbtags arbeitenden, wirtschaftlich autarken Mutter, die nachmittags nur für die Kleinen da ist. Und abends auch noch die perfekte Gastgeberin ist.

Einig ist man sich hierzulande übrigens auch darüber, dass eigene Kinder zu haben "sehr wichtig" oder "wichtig" ist. Weil sie das Leben "bunter und vielfältiger" machen und "einfach dazugehören". Keine Kinder zu haben oder zu wollen gilt aber auch als okay, finden 59 Prozent. Frühstücks-Margarinen-Idylle gilt also auch als lebbar ohne irgendwelche Wesen, die völlig überraschend seit heute morgen nur noch Reiswaffeln mit Leberwurst essen und sonst gar nix.

Straffe Familienplanung - zumindest bei den Royals

In diesen Zusammenhang passt auch, dass man sich in Deutschland relativ einig ist, dass eigene Kinder jetzt nicht unbedingt für die Partnerschaft wichtig sind (das glauben nur 40 Prozent. Manche, das steht jetzt aber nicht in der Studie, das wird nur so erzählt, glauben sogar, dass Kinder für eine Partnerschaft eher hinderlich sind). In Sachen gute Partnerschaft zählen laut Studie statt Kindern eher Dinge wie "Liebe" (82 Prozent), dicht gefolgt von „dem anderen Freiräume lassen“ mit 75 Prozent. Und standhafte 6 Prozent sind der Meinung, dass er der Partnerschaft gut tut, wenn man „im Zweifelsfall den Mann entscheiden lässt, wo es langgeht.“ Ist auf jeden Fall bequem, vor allem, weil er dann schuld dran ist, wenn was schiefgeht, zum Beispiel mit dem Geld.

Apropos: Dass der Mann der "Ernährer sein soll", diese Forderung wird vor allem von Männern erhoben, wobei (Spagat!) die meisten sich aber schon wünschen, dass sie als Vater beruflich kürzertreten. Wie auch immer: Finanzielle Sicherheit gilt 80 Prozent der jungen Deutschen als Voraussetzung für die konkrete Familienplanung. Erst Bares, dann Baby.

Beim oben zitierten Beispiel-Fall Middleton/Windsor vermutlich eine eher zu vernachlässigende Komponente. Das Paar wünscht sich, so ließen "Freunde" jetzt die Weltöffentlichkeit wissen, noch zwei weitere Kinder, damit George kein Einzelprinz bleibt. Die Familienplanung ist straff durchorganisiert: Die beiden royalen Geschwister sollen das Licht des Palastes erblicken, bevor Kate 36 ist, und am liebsten soll zumindest eines davon ein Mädchen sein, das wünscht sich Kate angeblich. Und William auch, weil er selbst ja in einem recht männerlastigen Haushalt (Charles, Harry) aufgewachsen sei.

Drei Kinder bis 36 – das wäre flott. Besonders, weil Familie Middleton/Windsor dem deutschen Ideal ohnehin schon hinterherhinkt: Sie waren ja "schon" 31, als George zur Welt kam. Die Deutschen dagegen glauben, dass man am besten mit 27 Mutter wird, beziehungsweise mit 29 Vater. In der Realität lassen sich aber auch die Deutschen mehr Zeit: Da kommt das erste Baby am häufigsten zur Welt, wenn Mama 29 ist. Was mal wieder am Spannungsfeld richtiger Partner/Karrerie/lange Ausbildungszeiten liegen dürfte. Wie man da – und bei manch anderem Punkt – sein persönliches Leitbild möglichst genau in Deckung bringt mit der Realität, bleibt jedem selbst überlassen. Merke: Ideale gibt es wohl nur bei Leitbildern und in Hollywood-Schnulzen.

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