FAMILIE FAMILIE

Familienministerin Schwesig: Drei Monate Elternzeit für sie - ein Jahr für ihren Mann!

Gleichberechtigte Partnerschaft: Manuela Schwesig und ihr Mann Stefan
Gleichberechtigte Partnerschaft: Manuela Schwesig und ihr Mann Stefan. © dpa, Jörg Carstensen

So funktioniert das moderne Familienmodell

Im März erwartet Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig ihr zweites Kind. Jetzt verabschiedet sie sich für drei Monate nach Hause, möchte acht Wochen nach der Geburt wieder zurück auf die politische Bühne. Um das Baby kümmert sich dann ihr Mann. Ein politisch vorbildhaftes Lebensmodell? Oder Privatsache?

Von Merle Wuttke

Manuela Schwesig, 41, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie einer traditionellen Rollenverteilung – Frau bleibt zu Hause, Mann arbeitet – wenig bis kaum etwas abgewinnen kann. Auch, dass die meisten Mütter, wenn sie in den Job zurückkehren, oft nur Teilzeit arbeiten, hält sie für nicht sonderlich weitsichtig.

Immer wieder setzt sich die Bundesfamilienministerin für gelebte Gleichberechtigung und Partnerschaftlichkeit in Elternbeziehungen ein, etwa mit Hilfe einer 'Familienarbeitszeit'. Ihre Vision: Eltern arbeiten während der Hochphase der Kindererziehung maximal 32 Stunden pro Woche bei vollem Lohn, um sich so Erziehung und Erwerbsarbeit gerecht aufzuteilen.

Nun ist sie selbst in der Situation ein modernes Familienmodell vorzuleben – und tut es auch. Nachdem sie nach der Geburt ihres ersten Kindes vor neun Jahren selbst ein Jahr zu Hause blieb, übernimmt diesmal ihr Mann Stefan diese Aufgabe.

Ein Signal an Frauen - und vor allem an die Männer

Wäre man gemein, könnte man nun sagen: Was bleibt ihr auch anderes übrig! Sie ist Politikerin und kann zu Hause nicht das Gegenteil dessen leben, was sie öffentlich propagiert. Nun könnte allerdings genauso das Gegenargument gelten, dass auch Politiker ein Recht auf Privatheit haben.

Bei Manuela Schwesig hat man jedoch den Eindruck, dass ihr diese ganzen Überlegungen ziemlich egal sind, und dass sie sich einfach gemeinsam mit ihrem Mann überlegt hat, welches Modell am besten für die Familie ist. Aber natürlich ist es ein wichtiges Signal an alle Frauen und Mütter da draußen, wenn eine hochrangige und vielbeschäftigte Politikerin sagt, dass sie zwei Monate nach der Geburt wieder voll in ihren Job einsteigt.

Ein noch ein viel wichtigeres Signal an alle Männer und Väter ist es aber, dass ihr Mann nicht ebenso seine Karriere nach der Geburt vorantreibt, sondern sich ein ganzes Jahr für sein Baby nimmt und nicht die üblichen zwei Alibi-Monate, die leider in vielen Fällen das Höchste der Gefühle für die neuen Väter sind. So wie vor vier Jahren als unser heutiger Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel sich drei Monate in die 'Elternzeit' verabschiedete. Was wurde der Mann dafür gefeiert.

Seltsamerweise hörte man in diesen zwölf Wochen noch mehr politische Einlassungen von Gabriel als sonst – und das wollte was heißen. Manuela Schwesig dagegen will sich in den nächsten drei Monaten tatsächlich nur um das Baby kümmern. Und nach ihrer Rückkehr ins Ministerium wird sie sich garantiert keine Lobeshymnen dafür anhören dürfen, sondern das Urteil einiger nach wie vor Unverbesserlicher, dass sie eine Rabenmutter sei oder einfach unverantwortlich. Dass sie dafür gefeiert wird, so früh wieder zu arbeiten und die Erziehung im Mann zu überlassen, dürfte jedenfalls die Ausnahme bleiben.

Was eine Menge über den Zustand unseres Landes verrät. Weshalb es ziemlich gut ist, dass eine junge Mutter wie Schwesig sich nicht verunsichern lässt und das vorlebt, was sie unter echter partnerschaftlicher Gleichberechtigung versteht. So sehen die älteren Herren im Kabinett auch einmal, dass sich die Zeiten verändern – und dass man vor dieser Veränderung keine Angst haben muss.

Anzeige