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Familiendrama: Warum passiert das so oft?

Familiendrama: Warum passiert das so oft?
© dpa, Caroline Seidel

Fast täglich ein Familiendrama

Schon wieder hat die Polizei zwei tote Kinder und deren Eltern in einem Wohnhaus entdeckt, aller Wahrscheinlichkeit vom eigenen Vater ermordet, der sich später selbst tötete. Nur das jüngste Kind überlebte die Bluttat, der Vater brachte es wohl vorab in eine Klinik. Innerhalb von drei Wochen sind nun bereits elf Kinder durch die Hand ihrer Eltern oder deren Partner gestorben, ganze Familien wurden ausgelöscht. Warum kommt es gerade zu dieser extremen Häufung brutaler Familiendramen?

Von Merle Wuttke

Sie durften nur zwei, sechs, acht oder zwölf Jahre alt werden. Bis ein Elternteil beschloss, dass es die Familie, in der diese Kinder bislang groß wurden, nicht mehr geben soll. Deswegen wurde diese Kinder erstochen, erschossen, verbrannt. Starben durch die Hand ihrer Väter, Mütter oder Lebenspartner, die sich danach meist selbst richteten. Und man fragt sich, wie schlimm, wie belastend, wie überfordernd kann eine Lebenssituation überhaupt sein, um auf die Idee zu kommen, seine eigenen Kinder zu töten?! Wer macht so etwas und warum?

Im Moment vermelden die Nachrichten fast jede Woche ein neues "Familiendrama". Mal ist von häuslicher Gewalt die Rede, mal von Eifersucht, mal von Schulden. Aber viel zu oft kennt man die Motive nicht, lebten die Familien bislang unauffällig, schien alles normal. Auch Experten von Kinder- bzw. Opferschutzorganisationen sind ratlos, wenn es um die Frage geht, warum sich diese Taten häufen und warum sie überhaupt passieren. Liegt es an der Hitze, den Ferien, zu fordernden Kinder und gestressten Eltern? Viel zu banale Erklärungen, die dem Tod der Kinder nicht gerecht werden. Deswegen sollte man die Taten auch nicht in die Schublade "Familiendrama" stecken und als tragische, aber persönliche Angelegenheit der Opfer betrachten, sondern sich die Gründe für die Bluttaten genau anschauen, um in Zukunft früher eingreifen zu können.

Experten sprechen von "erweitertem Suizid"

Fakt ist: Menschen müssen ziemlich verzweifelt oder psychisch extrem labil sein, um solche Taten zu begehen. Kriminologen sprechen dabei von einem "erweiterten Suizid". Bei den Tätern hat sich meist eine große Aggression aufgebaut, die sich gegen die eigene Person und den Partner richtet, an dem man sich rächen will, in dem man ihm die Kinder nimmt, z.B. wegen Trennungsabsichten.

Frauen treibe eher die Wahnvorstellung, mit ihren Kindern durch den Tod in eine "bessere Welt" zu gehen. Aber auch eine starke Depression kann Menschen zu einer solchen Tat bringen. Ungeplant oder im Affekt geschehen diese Morde eher selten. Oft planen die Täter ganz genau, wie und wann sie ihre Familie auslöschen. Dass es jetzt durch die Zunahme der Gewalttaten und durch die öffentliche Berichterstattung zu Nachahmungsdelikten kommt, halten Experten dennoch für eher unwahrscheinlich. Bleibt zu hoffen, dass sie Recht behalten. Denn jedes tote Kind ist eins zu viel.

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