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Familienbett: Beim Co-Sleeping schläft das Kind durch

Beim Familienbett schlafen alle in einem Bett.
Wenn das Kind nicht allein schlafen will, muss das Familienbett eingerichtet werden © Wladimir Wetzel - Fotolia

Familiebett: Mama schläft in der Besucherritze

Wie oft ich mich schon rechtfertigen musste, weil unser knapp 2-jähriger Sohn mit in unserem Bett schläft, hab ich nicht mitgezählt. Ich kann mich aber an Sätze wie "Da habt ihr ja was angefangen!" oder "Den bekommt ihr so schnell nicht wieder raus!" erinnern. Dass Mutter, Vater und Kind im Familienbett aber deutlich besser schlafen und das Co-Sleeping, wie es neudeutsch genannt wird, die perfekte Lösung für uns ist, verstehen die Kritiker gar nicht.

Von Sabine Möller

Nichts ist mir heiliger als mein Schlaf! Seitdem wir zu dritt sind, war lange Zeit an ruhige Nächte nicht zu denken. Während Mütter in Kursen damit prahlten, ihr Kind würde schon mit zwölf Wochen durchschlafen, schaute ich mir meinen Spross an und fragte mich, warum ich nicht so ein Vorzeige-Baby hatte. Da jungen Eltern suggeriert wird, ein Kind müsse schnell im eigenen Bett schlafen, zog der Wurm mit fünf Monaten um.

Was folgte waren Nächte, in denen wir abwechselnd im Kinderzimmer saßen und schlaftrunken Fläschchen gaben. Mit einem Jahr schlief dann auch mein Kind durch. Ich war stolz wie eine Mutter nur sein kann, dass auch ich endlich sagen konnte: Mein Kind schläft im eigenen Bettchen. Drei Monate hielt das an. Danach wachte der Kleine jede Nacht weinend und schreiend auf, wir tapsten ins Kinderzimmer und fanden ein völlig aufgelöstes Kind. Er ließ sich im eigenen Bettchen nicht beruhigen, also nahmen wir ihn fortan wieder mit in unser Bett, um ihn dort weiterschlafen zu lassen.

Familienbett am besten auf zwei Metern einrichten

Irgendwann wurde mir dieses nächtliche Schreien aber zu viel und ich fragte mich, wie wir alle besser schlafen könnten. Die Konsequenz war das Familienbett. Darunter versteht man nichts anderes als ein großes Bett, in dem Vater, Mutter und Kind schlafen. Das Modewort dafür heißt Co-Sleeping. Nichts anderes praktizieren wir seit Anfang des Jahres. Sprich, das Kind schläft im großen Bett ein und wacht auch dort, zwischen Mama und Papa, auf.

Bestärkt in meiner Entscheidung, unseren Sohn zu uns ins Bett zu holen, haben mich die Bücher "Besucherritze" von Eva Solmaz und "Schlafen und Wachen" von William Sears. Anders als Schlafratgeber wie "Jedes Kind kann schlafen lernen" von Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth, unterstützen sie das Co-Sleeping. Schließlich haben unsere Vorfahren auch gemeinsam in einer Höhle und arme Bauern im Mittelalter mit ihren Kindern in einem Bett geschlafen. Warum also sollten wir in der Neuzeit unsere Kinder dazu erziehen, allein schlafen zu müssen, wenn die Evolution doch was anderes vorgehabt hat? Ich fühlte mich bestärkt - seither schlafen wir drei in einem Bett.

Wer sich von vorn herein für ein Familienbett entscheidet, sollte ein entsprechend großes Bett anschaffen oder auf ein Matratzenlager ausweichen. Ein 1,40 Meter breites Bett ist recht knapp. Am besten eignen sich Zwei-Meter-Betten, vor allem, wenn man Geschwister plant, die auch im Familienbett schlafen sollen. Wer solch einen großen Bettrahmen nicht bekommt, der kann das Schlafzimmer in ein Matratzenlager umbauen. Lattenroste und Matratzen direkt auf den Boden - so können die Kids auch einfacher aus dem Bett steigen. Wir teilen uns ein 1,60 Meter breites Bett mit zwei Matratzen. Und nun ratet mal, wer in der Besucherritze schläft? Ich natürlich! Das Kind nimmt auf seinem Platz an der Wand viel Raum in Anspruch. Der Papa schläft außen. Mir bleibt also die halbe Matratze und die Besucherritze.

Wann das Kind in seinem eigenen Bett schlafen wird, weiß ich nicht, und ich möchte mir auch gar keine Sorgen darum machen, dass er sich zu sehr daran gewöhnt. Irgendwann werden alle Kinder selbstständig und wollen dann auch nicht mehr bei den Eltern schlafen - die einen früher, die anderen eben später.

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