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Faire Mode: Nachhaltigkeit ist längst im Trend

Kristina Gust designt faire Mode
"Faire Mode ist hip" - Kristina Gust im Interview mit unserer Redakteurin. © picture alliance / Bildagentur-o

“Das ökologische Bewusstsein wächst von Tag zu Tag!“

"Faire Mode ist hip" – Immer mehr Designer erkennen die Entwicklung unserer Gesellschaft und produzieren 'grüne Mode'. Und dabei setzen sie schon lange nicht mehr auf Ökolatschen, Funktionsjacken oder Schlabberpullover. Selbst renommierte Modehäuser schaffen es mittlerweile Trendteile im angesagten Design, mit ökologisch verträglichen Materialien und zu fairen Arbeitsbedingungen zu produzieren. Auch Kristina Gust, die gerade ihr eigenes Label gründet, hat sich der fairen und nachhaltigen Mode verschrieben. Die studierte Designerin und Maßschneiderin will ihren Kunden alle Wünsche erfüllen – ohne dabei die Umwelt zu gefährden. Und dass das längst nicht so kompliziert ist, wie alle denken, hat sie uns im Interview verraten.

Von Ann-Christin Gebhardt

Du gründest gerade dein eigenes Modelabel. Wie kam es dazu und was genau ist das Besondere an deinem Label?

Meine frühe Passion für die Handwerkskunst und der Drang Neues zu kreieren brachten mich dazu, dies beruflich umzusetzen. Schon während der Zeit an der Modeschule habe ich mich stark mit den Folgen der Massenproduktion und deren Auswirkungen auf Umwelt und Natur befasst. Die Verantwortung für eine gesunde Umwelt für die jetzige und alle kommenden Generationen liegt allein an uns. Diese schlichte Erkenntnis brachte mich dazu, in meinen beruflichen Werdegang ebenfalls nachhaltig einzusteigen. Und so setzte ich mich mit dem Gedanken auseinander ein ökologisch verträgliches Umfeld bei der Produktionsentwicklung zu schaffen.

Wie wird der Produktionsprozess bei dir ablaufen?

Die Produktion wird in einem kleinen Rahmen gehalten. Qualität und Zufriedenheit des Kunden stehen an erster Stelle. Ziel ist es hierbei, den Kunden in den Prozess mit einzubeziehen. Im Klartext bedeutet dies, dass das Design und das Endprodukt speziell auf Kundenwünsche zugeschnitten sind.

"Der Verbraucher wird gut und gern in die Irre geführt"

Wie siehst du als Jungdesignerin die Situation an Stoffauswahl und den Einstieg in die Eco-Mode?

Wir sind im Aufbruch! Öko ist hip und wird immer beliebter beim Endverbraucher! Diesen Wandel lassen wir uns nicht entgehen und so wächst die Naturtextilwirtschaft unumgänglich mit! Was gibt es besseres, als die Natur selbst als Vorbild zu nehmen und in unseren Alltag zu integrieren? Vergessen sind die Zeiten, in denen der modische Aspekt bezüglich Eco-Mode ausbleibt. Das verdanken wir ausgeklügelten, biologisch verträglichen Verfahren zur Herstellung und Färbung von Naturfasern.

Wie kann ich als Verbraucher verhindern, dass Teile aus Fabriken, wie in Bangladesch zum Beispiel, in meinem Kleiderschrank landen?

Grundsätzlich ist es für uns Verbraucher nicht immer leicht, auf Anhieb einzuschätzen, aus welchem Land das gute Stück kommt. Jegliche Transparenz fehlt und der Verbraucher wird gut und gern in die Irre geführt. Wichtig ist zu wissen, dass dies nicht nur billige Marken betrifft. Insgesamt ist bei Kleidung zu beachten, dass es am verträglichsten für Umwelt und Mensch ist, wenn man möglichst wenig Kleidung verbraucht. Somit sind schnell wechselnde Moden ein gravierender Denkfehler unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Besser ist es, gezielt mehr für ein qualitativ hochwertiges biologisch korrektes Teil auszugeben, das bei normalem Gebrauch dreimal so lange hält, als eines das meist schon nach der dritten Wäsche weggeschmissen werden kann.

Gibt es Länder, in denen die Konditionen für die Beschäftigten besonders schlimm sind?

Bangladesch, Indien, Indonesien und China zählen wohl mit zu den Ländern in denen die Arbeitsverhältnische besonders katastrophal sind.

Nachhaltigkeits-Siegel helfen beim Kauf

Faire Mode ist voll im Trend
Designerin Kristina Gust produziert umweltfreundliche Mode © picture alliance / Bildagentur-o

Was sollte man grundlegend beim Kauf von nachhaltiger Kleidung beachten?

Beim Kauf kann man sich z.B. an die sogenannten Nachhaltigkeits-Siegel wie das Global Organic Textile Standard (GOTS) halten, das weltweit für Textilfasern aus kontrolliert biologischem Anbau und für ökologische sowie sozial verantwortliche Herstellung von textilen Produkten steht.

Nach welchen Kriterien wählst du die Stoffe für deine Kleidung aus?

Bei der Auswahl meiner Stoffe liegen die ökologischen Anforderungen weit oben. Die Fasern dürfen nur aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbA/kbT) stammen.

Die Weiterverarbeitung der Fasern ist genau geregelt. Es dürfen nur gesundheitlich und ökologisch unbedenkliche Substanzen zur Veredelung der Textilien eingesetzt werden. Ein weiteres sehr wichtiges Merkmal ist das Einhalten von Sozialstandards. Faire Löhne, Arbeitsschutz, keine Zwangs- oder Kinderarbeit.

Bio-Baumwolle, Seide, Bambusfasern, Hanf, Soja - welche natürlichen Fasern kann man wirklich guten Gewissens tragen und warum?

Bei der Auswahl an biologisch erzeugten Fasern/Textilien als Alternative ist für Jedermann etwas dabei! Und das ist auch gut so, denn Baumwolle wird knapp. Viele Anbieter setzen daher auf Fasern aus relativ schnell nachwachsenden Rohstoffen wie Bambus oder Hanf, die in der Ökobilanz ganz weit vorne stehen. Pestizide und chemische Düngemittel sind verboten. Selbst für Seidenliebhaber gibt es mittlerweile wunderbare Möglichkeiten in Form von Bio-Seide oder der sogenannten "Peace-Silk" die auch als vegetarische Seide bezeichnet wird. Bio-Wolle stammt aus kontrolliert biologischer Tierhaltung.

"Die junge Generation kurbelt den Aufschwung an"

Kunstfasern versus natürliche Fasern - sind Chemiefasern wirklich umweltschädigender als natürliche Fasern?

Die größte Herausvorderung bei der Herstellung von Chemiefasern und konventionellen Naturfasern ist der hohe Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung. Weitere Probleme sind Emissionen, hoher Energieverbrauch und der Einsatz von umwelt- und gesundheitsgefärdender Chemikalien. Hinzu kommt, dass die Chemiefasern aus Erdöl bestehen, einem knappen Rohstoff, der so bald nicht mehr zur Verfügung stehen wird. So müssen auch in diesem Bereich Lösungen her in Form von Recycling oder dem Upcycling. Hierbei handelt es sich um das Wiederverwerten von bereits vorhandenen Stoffen wie PET-Flaschen bzw. Abfall oder Stoffreste sowie Verschnittware oder getragene Kleidung. Ein Prinzip der Wiederverwertung ist auch Cradle to Cradle, was soviel bedeutet wie von der Wiege bis zur Wiege. Damit sind Produkte gemeint, die entweder als biologische Stoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können oder als technische Stoffe kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden.

Nun gilt die Modebranche dennoch eher als oberflächlich und steht nicht gerade für ökologisches und soziales Bewusstsein …

Der Trend tendiert immer mehr in Richtung "grüner Mode". Und über kurz oder lang werden auch die großen Konzerne sich einig sein, dass dieser nicht mehr aufzuhalten ist, da das soziale und ökologische Bewusstsein des Konsumenten von Tag zu Tag wächst! Vor allem ist es jedoch die junge Generation, die diesen Aufschwung ankurbelt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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