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Facebook, Twitter, Instagram: Wann sollte ich es meinem Kind erlauben?

Ständig online: Kind sitzt vor Computer
Facebook & Co. - Ab wann sollten Kinder soziale Netzwerke nutzen? © dpa, Jens Wolf

Facebook, Twitter, Instagram – müssen das Kinder schon mitmachen?

In jeder Familie kommt das Thema früher oder später auf den Tisch. Nein, wir meinen nicht Sex. Sondern: Facebook, Twitter, Instagram und alle Geräte, die man dafür so braucht. Sprich, Smartphones oder Tablets. Ab wann sollten Kinder diese Geräte nutzen? Welche sozialen Netzwerke eignen sich überhaupt für unter 18-Jährige? Und: Braucht eine glückliche Kindheit so viel Technik?

Von Merle Wuttke

"Der Karl hat aber eins. Und der Theo auch. Und sowieso ALLE aus meiner Klasse haben eins!“. Ein was? Ein Smartphone natürlich. Gern handelt es sich dabei um das ausrangierte iPhone vom Papa, der sich gerade wieder das Neueste vom Neusten zugelegt hat. Und mit diesem Satz geht sie wieder los, die ewige Diskussion um das eigene Handy. Nur, dass die meisten Eltern nicht mit 15-Jährigen sondern oft schon mit 7-Jährigen darüber diskutieren. Und irgendwann aufgeben. Weil sie keine Lust mehr auf das Generve haben, und weil es für eigene Zwecke ja auch ganz praktisch sein kann, das Kind mit Tablet oder Handy ruhig zu stellen...

Schauspielerin Kate Winslet spielt dieses Spiel nicht mit. In einem Exklusiv-Interview mit 'RTL' stellte sie gerade erst klar, dass sie den Zugang zu sozialen Netzwerken und Geräten für ihre drei Kinder stark einschränkt. Ihr sei wichtig, dass "die Kinder rausgehen, sich dreckig machen im Regen und Fußball spielen.“ Denn solche Erlebnisse prägten die Kindheit, nicht ob man bei Fifa 15 wieder irgendein Spiel gewonnen hat. Schon heute besitzt bereits jedes fünfte (!) Kind zwischen sechs und sieben ein Smartphone. Ab dem Alter von zwölf brechen praktisch die Dämme – hier hat fast jedes Kind eins.

Gerade bei den unter 12-Jährigen stellt sich allerdings die Frage: Wozu bitte, brauchen die ein Smartphone? In der Schule dürfen es die Meisten ohnehin nicht benutzen. Wozu dann? Um die hyperbesorgten Eltern darüber zu informieren, dass es AUF dem Weg zu Schule ist, IN der Schule angekommen oder AUF dem Weg nach Hause ist? Das hilft vielleicht den Eltern, ihre Ängste im Griff zu halten, aber nicht dem Kind. Verlässlichkeit und Eigenverantwortung lernen Kinder nicht durch einen Telefonanruf und ständige Kontrolle.

Dem Spuk ein Ende bereiten

Hinzu kommt, dass mit dem Smartphone die ständige Ablenkung lockt. Schon jetzt halten es nur noch knapp 60 Prozent der Kinder zwischen neun und zehn Jahren es, weniger als 30 Minuten offline zu sein. Das stellte die Bundesdrogenbeauftragte gerade im Sommer fest. Doch Konzentration und auch Langeweile muss man lernen. Das gelingt nicht, wenn es ständig piepst, blinkt und bimmelt. Die Frage ist, warum sich so viele Familien – oft auch trotz besseren Wissens – von den Geräten derartig vereinnahmen lassen. Ist es die Angst davor, das Kind könnte etwas verpassen? Ausgeschlossen sein? Den Anschluss an die moderne Technik verlieren?

Sicher, darin liegen mögliche Probleme. Etwa, dass Kinder, die kein Handy haben, somit nicht an Gruppen-Chats teilnehmen können. Oder vielleicht das ein oder andere Mal ein Treffen mit Freunden verpassen, weil niemand Bescheid sagt. Aber alles andere? Spielt eigentlich keine Rolle. Grundlegendes, was einen gereiften Menschen später auszeichnet, sind schließlich dessen Werte: Mitgefühl, Vertrauen in sich und andere – und nicht, ob man mit einem besonders schnellen Wisch virtuell Früchte zerschneiden kann.

Und wer seine Kinder einmal beim Umgang mit Computer, Tablet oder Handy beobachtet hat, der weiß, dass man sich keine Sorgen darüber machen muss, ob die Kinder, selbst wenn sie nur reglementierten Zugang zur Technik haben, dieser später mal nicht folgen könnten. Im Gegenteil: Kinder eignen sie sich blitzschnell an und sind anderen gegenüber, die schon mit dem Tablet in der Wiege lagen, nicht benachteiligt.

So praktisch, lustig und innovativ die ganze Technik samt sozialer Medien auch sein mag: Wir alle, besonders auch die Erwachsenen, scheinen immer mehr zu vergessen, dass sie nicht das Leben abbildet. Wer heute durch die Straßen geht oder mit dem Bus fährt, der bewegt sich einen großen Teil des Tages unter Zombies: Alle starren oder wischen auf dem Gerät herum oder stöpseln sich die Ohren zu – Kommunikation, das was uns Menschen ausmacht und zwar im direkten Kontakt – findet nicht mehr statt.

Aber genau die müssen Kinder doch lernen. Weil sie später, hoffentlich jedenfalls, im Job auf Menschen treffen und nicht auf Maschinen. Im Heft 'ZEIT Chancen' (Nr. 44) schrieb der Autor Martin Spiewak gerade erst über das ganze Dilemma und bezeichnete Smartphones und Co. Darin völlig zu Recht als "digitale Plagegeister, die unsere Kinder wollen!“. Zeit, dem Spuk etwas entgegen zu setzen.

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