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Facebook-Chefin Sheryl Sandberg gibt Frauen Karrieretipps

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Sheryl Sandberg, Top-Managerin bei Facebook, erklärt in ihrem Buch, warum wir Frauen beruflich schlecht dastehen. © picture alliance / dpa, Ian Langsdon

Sheryl Sandberg: Buch erscheint im April

Am Weltfrauentag wünschen wir Frauen uns vor allem eins: Die gleichen beruflichen Aufstiegschancen wie Männer! Wie können wir das ändern? Die Facebook-Chefin Sheryl Sandberg weiß angeblich Rat! Wir Frauen sollen endlich verhandeln wie Männer und uns nicht mit Kompromissen unsere Karriere betreffend zufrieden geben. Im April erscheint in Deutschland ihr Buch "Lean In – Frauen und der Wille zum Erfolg" und sie erklärt uns, warum wir beruflich da stehen, wo wir sind.

Von Sabine Möller

Es klingt sehr sympathisch, wenn Sheryl Sandberg als Top-Managerin bei Facebook um 17.30 Uhr das Büro verlässt, um noch Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Oder, dass sie bei Telefonkonferenzen die Milchpumpe anwarf, als ihre Tochter noch im Stillalter war. Das signalisiert: Hey, die Frau ist tough. Ihre Familie ist ihr genauso wichtig wie ihr Job und sie schafft den Spagat zwischen Kind und Karriere. Diese Anekdoten gibt Sandberg in ihrem Buch zum Besten. Gespickt sind ihre Geschichten aber auch mit Statistiken und Studien, die aufzeigen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen eben nicht selbstverständlich ist.

Und diese Statistiken machen uns immer wieder bewusst, wie tief Frauen im Job-Schlamassel stecken. Frauen, die wegen ihres Kindes, ein Jahr zu Hause bleiben, verdienen nach ihrem Wiedereinstieg 20 Prozent weniger. Berufstätige Mütter kümmern sich zu Hause doppelt so lange wie ihr Partner um den Haushalt und dreimal so oft um die Kindererziehung. Brauchen wir wirklich Statistiken, die dieses Ungleichgewicht deutlich machen? Als ob die Aussichten nicht schon düster genug seien: Schuld an diesem Karriereknick seien wir zum Teil selbst, schreibt Sandberg. Aha! Weil wir uns in Zurückhaltung üben und bei der Verteilung beruflicher Spitzenpositionen nicht die Hände hochreißen und "Hier" schreien, stehen wir uns selber im Weg. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Wir können auch ganz viel erreichen, wenn wir es denn wollen.

Aber wir müssen auch Hürden auf dem Weg nach oben nehmen. Sandberg vergleicht den Karriereweg mit einem Marathon, bei dem Männer und Frauen gleich fit und gut trainiert an der Startlinie stehen. "Der Schuss fällt. Die Männer und Frauen rennen Seite an Seite. Die männlichen Läufer werden routinemäßig angefeuert: 'Starke Leistung, du bist auf dem richtigen Weg.' Die weiblichen Läufer hören etwas anderes: 'Du weißt, du solltest das eigentlich nicht tun', ruft die Menge. Oder: 'Guter Start, aber du wirst wahrscheinlich nicht bis zum Ende durchhalten.'" Die Menge ist also der Meinung, wir müssten nicht gewinnen, weil auf uns am Ziel statt der Medaille die Endstation Familie wartet. Und irgendwann glauben wir es sogar selber: "Wir machen Karrierekompromisse, um Raum für Kinder zu schaffen, auch wenn es die noch gar nicht gibt."

Die einen wollen nur Familie, die anderen nur Karriere

Hier scheint etwas Wahres dran zu sein: Es gibt überspitzt betrachtet zwei Sorten Frauen. Die einen arbeiten vom Eintritt bis zur Elternzeit in ein und demselben Unternehmen. Sie absolvieren nur die notwendigsten Weiterbildungen und bleiben immer auf der gleichen Stufe der Karriereleiter. Lassen sie sich herunterziehen von den demotivierenden Rufen am Rand ihrer Karriere-Strecke? Oder ist es einfach der Weg des geringsten Widerstandes? "Was mache ich in der Teamleiter-Position, wenn ich Mutter bin? Ach, das würde mir dann zu kompliziert", scheint dieser Frauentyp zu denken. Um in der Metapher des Marathons zu bleiben: Diese Frauen haben ganz offensichtlich keine Lust auf Muskelkater oder ein mögliches Stolpern vorm Ziel. Daher laufen sie erst gar nicht los. Und das ist schade.

Und dann gibt es die anderen: Sie entscheiden sich konsequent gegen Kinder und Familie, weil sie genau wissen, dass das ihren beruflichen Abstieg bedeutet. Sie arbeiten von morgens bis spät abends und streben immer weiter nach oben. Sie trainieren also hart, vielleicht sogar härter als ihre männlichen Mitläufer, um es sich und allen anderen zu beweisen.

Aber warum müssen wir uns entscheiden zwischen Kind und Karriere? Warum können wir nicht beides wollen und beides gleich gut meistern? Sheryl Sandberg hat auf diese Frage eine Antwort: Kurz vorm Erscheinungstermin ihres Buches in den USA hat sie eine weltweite Community gegründet, in der sich Frauen gegenseitig stärken und unterstützen können, auch nach der Familiengründung wieder aktiv und ehrgeizig ihre Karriere zu verfolgen. Mehr davon! Das wünschen wir uns, und zwar nicht nur am Weltfrauentag!

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