Extremsport: Was wollen Männer sich damit beweisen?

Extremsport ist meist reine Männersache

Was haben Felix Baumgartner, Joey Chestnut und Darren Taylor gemein? Auf jeden Fall eins: Sie haben etwas getan, was in dieser Größerordnung noch kein Mann vor ihnen getan hat (und vermutlich nur wenige Frauen vor ihnen tun wollten). Felix Baumgartner sprang quasi vom Rand des Weltalls aus 39 Kilometern Höhe auf die Erde. Darren Tayler zum Beispiel springt auch – zwar nur aus elf Metern Höhe, dafür aber in ein nur 30,5 Zentimeter tiefes Babyplanschbecken. Und Joey Chestnut springt zwar nicht, sprengt dafür aber einschlägige Rekorde, indem er Hotdog-Brötchen im Akkord isst. Seine aktuelle Bestleistung: 68 Hot Dogs in zehn Minuten.

Extremsport: Was wollen Männer sich damit beweisen?
© picture alliance / dpa, Joerg Mitter

Ursula Willimsky

Ja, aufmerksame Userinnen werden es bemerkt haben: Das sind alles Männer. Natürlich gibt es auch genügend Frauen, die immer wieder Rekorde aufstellen. In Kategorien wie „Ich hab die längsten Fingernägel“ oder „Ich hab mit 15.000 Puppen die größte Barbie-Sammlung“ oder „Ich hab die längsten Beine“ (132 Zentimeter!) sind wir Frauen ganz weit vorne. Aber schon beim Extrem-Bügeln wird es kritisch. Zwar hat beim Unterwasser-Extrembügeln eine Frau die Atemmaske vorne. Eine Taucherin plättete in 100 Metern Tiefe Wäsche – weiter ist laut wikipedia angeblich seither niemand mit dem Bügelwäsche-Körbchen gesunken. Aber ansonsten beherrschen Männer auch diese Extremsportart.

So hält ein Kerl den aktuellen Rekord im Extrembügeln (er plättete Wäsche auf dem höchsten Berg Amerikas, dem Aconcagua). Und luchste damit seinem Vorgänger den Titel ab, der durch die Erstbebügelung (dieses schöne Wort steht wirklich so auf wikipedia) des Kilimandscharos von sich Reden gemacht hatte.

Vielleicht wär das ja eine neue Herausforderung für Felix Baumgartner. Jetzt wo´s mit dem Rekord im freien Fall nicht geklappt hat, könnte er ja das nächste Mal noch Eisen und Brett mit in die Stratosphäre nehmen – er könnte als der erste Mensch in die Geschichte eingehen, der bei Schallgeschwindigkeit im freien Fall ein Geschirrtuch bügelte.

Treibt die Midlife Crisis zum Extremsport?

Nun soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass wir uns über Baumgartner und seinen wirklich atemberaubenden, sensationellen Sprung lustig machen. Aber bei der Nachbearbeitung des Events drängte sich uns ein bisschen der Eindruck auf, dass im allgemeinen die Herren der Schöpfung etwas mehr Einsatz zeigen, sobald es um extremen Körpereinsatz geht. Es mag eine recht subjektive Einschätzung sein, aber irgendwie scheint es so, dass Frauen halt joggen gehen, während Männer immer gleich auf den extraharten Marathon trainieren.

Dass Frauen mit ner Flasche Sekt eine Ballon-Fahrt machen und Männer lieber in einer Helium-Ballonkapsel ganz hoch hinaus wollen. Dass Frauen sich zum Badminton-Spielen treffen, während Männer sich zum erbitterten Duell herausfordern. Dass Frauen ein generelles Tempo-Limit eigentlich ganz okay fänden, und Männer eher nicht. Weil, wofür hat man sich denn dann den teuren superschnellen Wagen überhaupt angeschafft?

Und hopplahopp gingen unsere Gedanken weiter – Richtung midlife-crisis-bedingte Aktivitäten (von denen Extremsportler wie Baumgartner stratosphärenweit entfernt sind). Der eine kauft sich nen schicken Sportwagen, der andere fängt an, Marathon zu laufen. Und der dritte sucht sich irgendeine andere neue Bestätigung aus dem weiten Themenfeld „Größer! Höher! Mehr! Abgefahrener!“.

Modelleisenbahnanlagen, deren Schienenstränge rasch alle Zimmerböden überwuchern, das perfekte Zwergkaninchen, die 168-Kilometer-Etappe auf einer „entspannten“ Fahrradtour ohne nennenswertes vorheriges Training – es gibt da ja ungezählte Möglichkeiten, sich zu beweisen.

Frauen können oft nur mit einem schlappen „Hörma, dafür hab ich jetzt endlich mal einen Pulli zu Ende gestrickt, mit allen zwei Ärmeln und sogar ´nem Bündchen am Halsausschnitt; und im Fitness-Studio war ich auch drei Mal hintereinander “ kontern.

Was ist Ihre Meinung? Neigen Männer tatsächlich zu mehr Extremen? Sind Frauen tatsächlich schlapper, oder netter gesagt: durchschnittlicher orientiert? Oder fehlt uns einfach die Zeit, weil wir ständig so viele andere Dinge erledigen müssen und deshalb nicht dazu kommen, unsere privaten Rekorde aufzustellen? Wird es Zeit, dass auch wir uns mal aufraffen zu Höchstleistungen, zum Beispiel im „Extrem-Schweinhunde-Überwinding?“

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