LIEBE LIEBE

Ewige Brieffreunde: Liebe nur auf dem Papier

Ewige Brieffreunde: Liebe nur auf dem Papier

Manchmal brauchen Frauen eben mehr als nur Worte

Ich habe einen Brieffreund, mehrere sogar. Was heißt „Brieffreund“? Wir sind moderne Menschen, wir schreiben keine Briefe. Mit einem Mann maile ich mir. Schon seit zwei Jahren. Mit den anderen Herrn kommuniziere ich per Whats App, zum Teil seit Monaten.

Meine Lieblingskollegin hat auch einen Whats App-Freund, das heißt: Sie hatte. Und meine Lieblingsfreundin hatte ebenfalls einen. Die beiden sind kluge Frauen, sie haben sich dieser Männer durch ein beherztes Löschen der jeweiligen Kontakte entledigt. Weil sie die Nase voll hatten von diesem Getippsel und Geschreibsel! Sie wollten Menschen sehen, Männer, sie wollten sie fühlen, riechen, schmecken. Die natürlichste Sache der Welt!

Sie haben es sich nicht leicht gemacht, sie haben ihre Bekanntschaften mehrfach schriftlich gefragt, ob es denn nicht zu einem weiteren Treffen kommen könnte. Ein Date hatte es immer gegeben, immer ein nettes, vielversprechendes. Und dann – Worte, nur Worte, viele Worte. Geschwafel.

Frauen beschweren sich manches Mal, dass Männer zu wenig reden, doch wer ausschließlich mit Schriftgut versorgt wird, der verkümmert emotional. Und sexuell natürlich auch. Früher hat man noch mal telefoniert, konnte sich vielleicht wenigstens am Telefonsex erfreuen. Ich selbst bin es genauso leid wie meine Kollegin und meine Freundin, ich werde sämtlichen Briefpartnern kündigen. Das Thema ist durch. Die sollen andere Frauen belästigen, diese Plaudertaschen, sie haben meinen Weg gepflastert, ich gehe weiter.

In meiner Funktion als Liebesexpertin möchte ich aber herausfinden, was diese Männer treibt, sich in Worten zu verheddern und zu verlieren. Fangen wir bei Adam und Eva an. Bei dem Funken, der zwischen Mann und Frau sprühen kann, wenn sie sich begegnen. Da alle oben skizzierten Dates aufregend waren, kann es sich bei der Reaktion der Männer nicht um Desinteresse handeln. Desinteressierte Männer gehören in die Kategorie der Nicht-Melder. Ganz üble Spezies, auch diffizil, denn: Manche Nicht-Melder sind durchaus interessiert an einer Frau, haben jedoch Angst vor dieser. Angst – das große Stichwort. Angst des Tormanns vorm Elfmeter, so hieß ein Buch von Peter Handke. Meine Freundinnen und ich sind wohl Elfmeter. Nur-Schreiber sind Tormann-Angsthasen!

Was für eine alte Hutschachtel, tausend Mal haben wir das gelesen und gehört und wollen es nicht mehr lesen und nicht hören: Dass Männer Angst vor toughen Frauen haben, sich zwar hingezogen fühlen, sie schließlich doch wieder abstoßen. Ein einziges Hin und Her.

Frauen wollen nicht nur reden - sie wollen auch Sex

In diese Schwäche passt das dann wunderbar mit dem Getippsel, das ist wie ein Symbol für kleine Eier, Pardon. Kleine Eier, kleine Buchstaben. Das ist die kausale Kette. Ich will keinen Mann beleidigen, ich muss das Kind aber beim Namen nennen. Wer Eier hat, wer ein Mann ist, ein männlicher Mann, der keine Angst vor einer Frau hat, dem tun bald die Fingerlein weh vom Tippen, das geht einem Kerl mit Testosteron fürchterlich auf die Nerven, der kommt einfach vorbei, legt einen flach, alles. Nur nicht nur schreiben.

Es kann allerdings vorkommen, dass er sich danach, nach dem Sex nicht mehr meldet. Weil er kein Interesse mehr hat? Weil er Angst hat?

Wir drehen uns hier mit den Angsthasen im Kreis herum. Vergessen wir diese armen Kreaturen.

Bauen und hoffen wir auf die tüchtigen Männer, die sich nach dem ersten Date melden, um sich dafür zu bedanken, ein neues Date vereinbaren und zu diesem pünktlich zu erscheinen. Die mit uns Sex haben, sich anschließend melden, um uns zu übermitteln, dass sie sich verliebt haben. Und von Herzen unsere richtigen Freunde im richtigen Leben sein wollen.

Im Kampf gegen die banale Brieffreundschaft und im Vertrauen auf die Liebe mit Saft und Kraft verbleibe ich mit den herzlichsten Grüßen!

Eure Birgit

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