Essure: Wie gefährlich sind moderne Verhütungsmittel?

Essure: Wie gefährlich sind moderne Verhütungsmittel?
So wird "Essure" implantiert.

Wie schädlich sind Verhütungsmittel wie Essure?

Die legendäre US-Aktivistin Erin Brockovich fordert den Bayer-Konzern heraus. Das permanente Verhütungsmittel „Essure“ soll gefährliche Nebenwirkungen haben, darüber berichten Frauen in den USA. Es ist ein Mittel für Patientinnen, die keine Kinderwunsch mehr haben. Wie sieht es eigentlich mit der populären Pille und deren unangenehmen Begleiterscheinungen aus?

Von Christiane Mitatselis

Wer an Erin Brockovich denkt, hat Julia Roberts vor Augen. Im Jahr 2000 verkörperte der Hollywood-Star die frühere Anwaltsgehilfin in ihrem Kampf gegen Grundwasser-Verschmutzung. Damals war "Pacific Gas and Electric" Brockovichs Gegner, jetzt fordert die 53-Jährige den Bayer-Konzern heraus. Der kaufte 2013 die Pharma-Firma Conceptus auf – und damit offenbar ein Problem, nämlich das Verhütungsmittel "Essure", das auch in Deutschland auf dem Markt ist.

Es handelt sich um eine angeblich schonende, permanente Verhütungsmethode für Frauen, die keinen Kinderwunsch mehr haben. Dabei werden Mikro-Einsätze in beide Eileiter implantiert. Laut Hersteller ist das Verfahren sanft und sicher und wird vor allem Frauen empfohlen, die eine Vollnarkose, die bei einer Sterilisation notwendig ist, nicht vertragen oder wollen.

In den USA berichten Patientinnen allerdings von schweren Nebenwirkungen wie inneren Blutungen, Perforation von Organen, Schmerzen, Allergien und chronischer Müdigkeit. Brokovich bezweifelt, dass die angebliche Unbedenklichkeit des Mittels einer unabhängigen Überprüfung stand halten würde. Sie reiste deshalb am Dienstag nach Köln zur Bayer-Aktionärs-Verhandlung, um mit den Konzernchefs über "Essure" zu sprechen und sie möglichst zu einem Umdenken zu bringen.

"Essure" ist ein Mittel für die begrenzte Gruppe von Frauen, eben diejenigen, die keine Kinder mehr wollen. Aber wie sieht es mit Anti-Baby-Pille aus, dem populärsten aller Verhütungsmittel?

Es gibt – zumindest in Deutschland – immer mehr Frauen, die die Pille nicht mehr nehmen wollen, denn auch sie hat unerwünschte Nebenwirkungen. Es beginnt mit harmlosen Dingen wie Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen und reicht bis Thrombose, also Gerinnung des Blutes im Gefäßsystem (besonders bei Raucherinnen), oder gar einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos.

Vorsicht bei neueren Pillen

Besonders über neuere Pillen, die den Wirkstoff Drospirenon enthalten, liegen erschütternde Berichte vor. Diese Präparate, die so klangvolle Namen wie Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida oder Petibelle tragen, sollen das Thrombose-Risiko sogar extrem steigern, es soll bereits zu einigen Todesfällen gekommen sein.

Perfiderweise werden Pillen, die Drospirenon enthalten, auch noch als Beauty-Produkte angepriesen. Sie sollen für bessere Haut und schönere Haare sorgen, werden in Deutschland weiterhin von Frauenärzten verschrieben und bescheren den Pharmafirmen Milliarden-Umsätze.

Es gibt also viele gute Gründe zur Skepsis, und man braucht dringend einen guten, unabhängigen Arzt, der seinen Patienten nicht kritiklos verordnet, was die Konzerne anpreisen. Zum Glück gibt es solche Mediziner, nicht viele zwar. Doch wenn man lange genug sucht, wird man fündig.

Und zum Glück gibt es Frauen wie Erin Brockovich, die immer wieder große und mächtige Unternehmen herausfordern – und sich nicht einschüchtern lassen.

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