GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Essstörungen: Mit ihrer App 'Jourvie' will Ekaterina Karabasheva Betroffenen helfen

Essstörungen: App 'Jourvie' soll mit digitalen Essprotokollen Therapie verbessern
Die App 'Jourvie' soll die Therapie-Erfolge bei Patienten mit Essstörungen erhöhen. Die Idee zur App kam Ekaterina Karabasheva während der Therapie ihrer eigenen Magersucht.

Therapie-App gegen Essstörungen

Ob Magersucht, Bulimie oder Esssucht (Binge Eating): Für Menschen, die an einer Essstörung leiden, ist es extrem schwer, dem Teufelskreis aus Essen und Hungern zu entkommen. Ekaterina Karabasheva litt selbst an Magersucht. Sie hatte die Idee zur App ‚Jourvie‘: Die digitalen Ess-Protokolle sollen essgestörten Menschen beim Kampf gegen ihre Krankheit helfen.

Von Nora Lohner

In Deutschland sind etwa 2,3 Millionen Menschen von einer Essstörung betroffen. Ein Fünftel der Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren zeigen Symptome einer Essstörung, wie das Robert-Koch-Institut im Rahmen einer lang angelegten Studie ermittelt hat. Betroffen sind hauptsächlich Mädchen und junge Frauen. In der Therapie von Magersucht, Bulimie und Esssucht kommen häufig Essprotokolle zum Einsatz. Darin sollen die Betroffenen erfassen, wann und mit welchem Gefühl sie etwas gegessen haben. „Dabei geht es nicht um die Kalorien, den Fett- oder Proteingehalt des Essens, sondern vorwiegend um die Stimmung und Gedanken rund ums Essen“, erklärt Ekaterina Karabasheva.

Die 25-Jährige hatte selbst jahrelang mit Magersucht zu kämpfen. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich wieder ein gesundes Verhältnis zum Essen entwickeln konnte“, berichtet sie. Im Rahmen ihrer Therapie musste sie Essprotokolle ausfüllen. Mit Hilfe dieser könne man bestimmte Denkmuster und wiederkehrende Verhaltensmuster besser erkennen. „Wenn jemand beispielsweise immer wieder freitags Essanfälle hat, kann das darauf hindeuten, dass derjenige Angst vor dem Wochenende hat. Und das wiederum kann bedeuten, dass die Person Angst vor Einsamkeit hat. Das wäre eine der möglichen Erklärungen, die es dann in der Therapie zu erarbeiten gilt“, erklärt sie. Da könne man dann in der Therapie ansetzen und diese Angst gemeinsam mit dem Therapeuten aufarbeiten.

Digitale Protokolle erleichtern diskretes Ausfüllen

Beim Ausfüllen der Protokolle ist Ekaterina Karabasheva schließlich die Idee zur App gekommen. Das Ausfüllen des DIN A4-Protokolls in der Öffentlichkeit oder gar vor Freunden sei für sie unvorstellbar gewesen. „Ich habe mir schon damals immer Notizen auf dem Handy gemacht und sie später übertragen“, erinnert sich Karabasheva . Die App ‚Jourvie‘ solle eine Erleichterung für die Patienten sein. „So ist das Protokoll auf dem Handy immer dabei. Das Ausfüllen dauert so lang wie das Schreiben einer SMS, es ist diskret und man kann es im Anschluss direkt an den Therapeuten schicken“, zählt sie Vorteile der App auf.

Die App wurde von dem von ihr gegründeten, gleichnamigen Unternehmen entwickelt. Unter fachlicher Beratung der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Berliner Charité hat das Team des Berliner Unternehmens die App konzipiert. Neben den digitalen Essprotokollen zeigt die App Strategien zur Stressbewältigung auf und bietet die Möglichkeit, dass Patienten eigene Motivationsstrategien hinzufügen können. Die Entwickler hoffen, damit die Therapie-Abbruchrate der Patienten senken zu können.

Die App ‚Jourvie‘ für Android-Endgeräte ist seit dem 12. Januar 2015 erhältlich – kostenlos. „Wir wollten im Therapieprozess nicht noch eine Hürde stellen“, erklärt Karabasheva. Ihre Hoffnung: Die Jourvie-App soll Patienten in ihrem Weg raus aus der Essstörung unterstützen und dazu beitragen, dass mehr Betroffene ihre Therapie erfolgreich abschließen.

Den Namen Jourvie habe sie übrigens mit Bedacht gewählt: Die Zusammensetzung aus den französischen Begriffen für Tag (jour) und Leben (vie) solle den Weg zum Ziel der meisten Menschen, die an einer Essstörung leiden, verdeutlichen: „Jeden Tag muss man etwas machen auf dem Weg zu einem gesunden und glücklichen Leben. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist wichtig, und wenn er noch so klein ist“.

Anzeige