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Essstörungen: Leben mit Bulimie

Frau mit Bulimie erbricht sich in Toilette.
Bulimie sieht man Betroffenen kaum an, dennoch ist diese Krankheit gefährlich. © Getty Images/iStockphoto, vadimguzhva

Ess-Brech-Sucht: Wenn der Blick in den Spiegel zur Qual wird

Die Zahl der Patienten mit Essstörungen in Deutschland steigt seit Jahren. Etwa 600.000 Menschen allein leiden an Bulimie - der Ess-Brech-Sucht, 85 Prozent davon sind Frauen.

Die Bulimie (Ess-Brech-Sucht) gehört zusammen mit der Anorexie (Magersucht), der Binge-Eating-Disorder und der Esssucht zu den sogenannten Essstörungen. Ihnen allen ist die ständige emotionale und gedankliche Beschäftigung mit dem Thema Essen gemein – sei es mit dessen Aufnahme oder Verweigerung.

Der Psychologe Uwe Berger sagt dazu: "Mädchen sind von einer Essstörung deshalb mehr betroffen, weil wir ein Schönheitsideal haben, das Superschlankheit propagiert." Wenn sich der Körper entwickelt, fangen viele Mädchen an, sich darüber Gedanken zu machen und sich zu vergleichen. Dann löst jeder Bissen ein schlechtes Gewissen aus - der Blick in den Spiegel wird zur Qual.

Betroffene fühlen sich unwohl in ihrem Körper, fressen den Kummer regelrecht in sich hinein. Und dann kommt der Zwang, das Essen wieder loszuwerden. Und wer erstmal die Kontrolle verloren hat, kommt aus diesem Kreislauf nur schwer wieder raus. Nur etwa die Hälfte der Bulimie-Erkrankten schafft es, ihre Sucht dauerhaft in den Griff zu bekommen.

Diese Symptome sind typisch für Bulimie

Anders als bei Magersucht lässt sich Bulimie äußerlich kaum erkennen. Oft sind Betroffene normalgewichtig und scheinen alles unter Kontrolle zu haben. Das macht es so schwierig, als Angehörige die Essstörung zu bemerken. Stutzig sollte machen, wenn jemand trotz häufiger Essanfälle und kalorienreicher Nahrung nicht zunimmt. Doch auch das ist manchmal nicht einfach zu erkennen. Oft essen Menschen mit Bulimie in der Öffentlichkeit eher fettarme Lightprodukte. 

Bei der Bulimie unterscheidet man zwischen dem sogenannten 'Purging-Typ' und 'Nicht-Purging-Typ'. Purging ist ein englisches Wort und steht für 'Säuberung'. Während der erste Typ also nach einer Essattacke Erbrechen herbeiführt und Abführ- oder Entwässerungsmittel nimmt, hält der zweite Typ sein Gewicht durch extremen Sport oder anschließende Diäten.

Kennzeichnend für eine Ess-Brech-Störung sind folgende Symptome:

  • die Einteilung der Lebensmittel in verboten und erlaubt
  • (oft heimliche) Essanfälle, bei denen das Essen hinunter geschlungen wird und darauffolgende Schuld- und Schamgefühle
  • Erbrechen, strenge Diät oder extreme sportliche Betätigung nach den Essattacken
  • unregelmäßige Mahlzeiten
  • Depressionen, emotionale Schwankungen
  • Ekel vor sich selbst
  • gestörtes Hunger- und Sättigungsgefühl
  • übermäßige sportliche Aktivitäten

Mögliche Folgen der Ess-Brech-Störung

Wie bei vielen Essstörungen betreffen die Folgen sowohl den Körper als auch die Psyche und die Seele. Zu den körperlichen Symptomen gehören in erster Linie die Schäden an den Zähnen - hervorgerufen durch die Magensäure, die beim Erbrechen in den Mund kommt. Auch Verätzungen an den Fingern können die Folge sein, wenn sich Betroffene zum Erbrechen den Finger in den Hals stecken. Auch Schäden an der Speiseröhre sind zu befürchten, denn der saure Mageninhalt greift die empfindliche Schleimhaut an. 

Nierenschäden und Herz-Rhythmus-Störungen können ebenfalls die Folge sein. Denn durch das ständige Erbrechen kann der Mineralstoffhaushalt gestört werden. Durch den Mangel an Nährstoffen und Vitaminen kommt es außerdem zu Schwäche, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Außerdem leiden Betroffene oft unter Haarausfall. Bei Frauen kann außerdem die Regel ausbleiben.

Zu den seelischen Folgen gehören Angststörungen, Depressionen und mangelndes Selbstvertrauen bis hin zu Selbsthass. 

Nicht selten haben Betroffene auch Geldprobleme, weil die großen Mengen an Lebensmitteln für die Essanfälle das ganze Budget aufbrauchen.

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