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Essstörung steigt in der Pubertät: Was können Eltern tun?

Essstörung
Neue Studie über Essstörung in der Pubertät

Neue Studie zu Essstörung bei Teenager

Die Zahlen sind deutlich: In Deutschland zeigen bereits 30 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Jungen ein gestörtes Essverhalten. Das hat die Kindergesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts ergeben. Bei Kindern ist Magersucht und Bulimie noch selten, mit der Pubertät steigt die Kurve aber steil an. Man fragt sich: Was kann man dagegen unternehmen – und was genau läuft hier falsch?

Von Christiane Mitatselis

Das Schlankheitsideal, nach dem Mädchen schon dick sind, wenn sie Konfektionsgröße 36/38 tragen, ist allgegenwärtig. Heidi Klum und ihre Kolleginnen tragen dazu bei, dass junge Menschen krank werden und wahlweise das Essen verweigern (Magersucht) oder sich vollstopfen und danach übergeben (Bulimie).

Es wird nun einmal vorgelebt: Wer hip ist, der ist gertenschlank. In vielen Modegeschäften ist die Große M (medium) inzwischen schon so klein, dass etwas kräftigere Mädchen sie nicht tragen können.

Dass die Essstörungszahlen auch bei den Jungs ansteigen, ist kein Wunder. Sie werden schließlich auch mit Bildern terrorisiert, in ihrem Fall sind es Sixpack-zeigende Supertypen, die als Ideal propagiert werden. Diese Vorbilder sind zwar unrealistisch, aber überall zu sehen. Auch die besten und aufmerksamsten Eltern können in unserer digitalen Medien-Welt nicht verhindern, dass ihre Kinder mit ihnen konfrontiert werden.

Es gibt tausende von Studien über die Entstehung von Essstörungen. Der Wunsch perfekt zu sein, kann krank machen, erlittene sexuelle Gewalt oder andere sehr belastende Lebensumstände. Es ist ein weites Feld. Meist wird das Selbstbewusstsein eines Menschen erschüttert, bevor er immer dünner wird und jedes Körpergefühl verliert.

Was können Eltern bei einer Essstörung tun?

Eltern können frühzeitig positiv auf ihre Kinder einwirken, indem sie ihnen vorleben, dass es eine andere, bessere Welt gibt, in welcher der Wert eines Menschen nicht durch Aussehen oder Taillenmaß bestimmt wird. Sondern durch Bildung, Intelligenz, durch Werte wie Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Eine sportliche Erziehung trägt zudem dazu bei, Kindern ein gesundes Körpergefühl zu vermitteln.

Es ist keine leichte Aufgabe, da Präsenz und Kraft der Bilder groß sind. Auch ältere Menschen können noch krank werden, hier steigen die Zahlen ebenfalls. Die Barmer Ersatzkasse stellte bei einer Studie in Sachsen sogar einen Zuwachs der Essstörungen bei den Über-50-Jährigen fest – und zwar um 20 Prozent. Vermutet wird als Grund die Angst vor dem Älterwerden. Alle wollen alt werden, niemand darf aber alt sein. Selbst in der Werbung für Schmerzgels gegen Arthrose sehen die Menschen blendend aus.

Glücklich ist, wer über diesen Unfug laut lachen kann. Doch zu einer solch entspannten Haltung muss man erst einmal kommen, ohne vorher krank zu werden.

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