SCHWANGERSCHAFT SCHWANGERSCHAFT

Essstörung in der Schwangerschaft - Mutter und Kind hungern für das Schönheitsideal

Pregorexie - Die Gesellschaft trägt Mitschuld

Schwanger – und gleichzeitig magersüchtig? Hört sich fürchterlich an – und ist es auch. „Pregorexie“ heißt diese relativ neue Form der Krankheit, die auf dem Vormarsch zu sein scheint. Schwangere fühlen sich offenbar zunehmend durch prominente Vorbilder unter Druck gesetzt; besonders dann, wenn sie schon vorher mit Magersucht zu kämpfen hatten.

Essstörung in der Schwangerschaft - Mutter und Kind hungern für das Schönheitsideal
© detailblick - Fotolia

Von Christiane Mitatselis

Der Begriff stammt aus dem Englischen und ist eine Zusammensetzung aus „pregnant“ und „anorexia“ - eingedeutsch: „Pregorexie“. Die Vorstellung, in der Schwangerschaft mehr als zehn Kilogramm zuzunehmen, macht manche Frauen krank. Zumal das Fitness-Programm heruntergefahren werden muss, tägliches Kalorienverbrennen auf dem Ergometer oder Jogging nicht mehr drin sind.

Das „SZ-Magazin“ berichtete am Wochenende über diese Form des Schlankheitswahns, bei Twitter gibt es seitdem den Hashtag ‚#alsichschwanger‘ war. Dort klagen Frauen darüber, wie sie während der Schwangerschaft als dicke Walrösser gemobbt wurden.

Denn Schwangere dürfen längst nicht mehr rundum drall sein. Eine Kugel vorn ist erlaubt, der Rest des Körpers sollte aber auf keinen Fall dicker werden – das heißt: Die ideale Schwangere bleibt gertenschlank, sie trägt hautenge Kleidung, außer dem Bauch zeichnet sich nichts ab – Models wie Heidi Klum oder Adriana Lima haben es vorgemacht. Kurz nach der Schwangerschaft waren diese prominenten Damen sofort wieder in Bestform. Dank Personal Trainer und eiserner Diät. Die Zeiten, in denen Frauen die Kilos, die sie in neun Monaten ansammeln in einem ebenso langen Zeitraum wieder loswerden dürfen, sind vorbei – zumindest in der Hochglanzpresse.

Natürlich vergisst die frustrierte Normal-Schwangere gern, dass diese Idealfrauen in einer anderen Welt leben. Ihr gutes Aussehen ist ihr Kapital, sie müssen nicht lohnabhängig schuften, haben in der Regel Personal für alles – und können sich somit tagaus, tagein mit nichts anderem als der Form des Bodys beschäftigen. Und das müssen sie auch, denn sonst ist es schnell vorbei mit den hohen Gagen.

Auch wer als geheilt gilt, kann in der Schwangerschaft rückfällig werden

Aber natürlich auch, wer sich all diese Dinge vergegenwärtigt, kann krank werden. Selbstbewussten, physisch gefestigten Frauen passiert es allerdings nicht so leicht. Gefährdet sind vor allem Schwangere, die schon einmal mit Magersucht zu kämpfen hatten. Darüber schrieb der „Tagesspiegel“ bereits vor zwei Jahren. Auch wenn ehemals essgestörte Frauen als geheilt gelten, kann die Krankheit im Laufe der Schwangerschaft wieder auftreten. Der Gedanke, dick zu werden, führt häufig zu erneutem, krankhaftem Kalorienzählen. Ärzte und Psychologen raten betroffenen Frauen deshalb, sich bereits zu Beginn der Schwangerschaft therapeutisch begleiten zu lassen, um gut durch dieselbe zu kommen.

Wer weniger labil ist und während der Schwangerschaft mit blöden Kommentaren konfrontiert wird, der sollte vielleicht einfach mal zum verbalen Gegenschlag ausholen, anstatt an sich selbst zu zweifeln – zum Beispiel könnte man kontern: „Besser rund als runzelig wie du!“ Man findet immer etwas, denn wer ist schon perfekt?

Anzeige