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Essen im Dunkeln: Wie alltagstauglich ist die Diät "Schlank im Dunkeln"?

Essen im Dunkeln
Essen im Dunkeln

Essen im Dunkeln: Leichter gesagt als getan

Ich sitze am Tisch. Um mich herum ist alles schwarz. Ich sehe rein gar nichts. Jetzt soll ich auch noch essen - klingt wie in einem schlechten Horrorfilm? Falsch! Ich teste gerade das neue Diät-Konzept "Schlank im Dunkeln" von Dunkelrestaurant-Betreiber Ralf Mechlinski und Fitness- und Ernährungsexperte Sascha O. Martin.

Von Anna Petra Tieke

Die beiden Autoren haben ein Abnehm-Konzept entwickelt, dass die Ernährung grundlegend umstellen soll und das Leben "dauerhaft zum Guten verändern kann." Das klingt sehr vielversprechend und meine Erwartungen sind hoch. Aber was genau steckt hinter dem Konzept?

Schlank im Dunkeln - das Prinzip klingt sehr einfach: Durch das Essen in völliger Dunkelheit werden wir nicht mehr durch optische Reize abgelenkt und achten mehr auf unser Essen. Wir essen also gezwungenermaßen bewusster. Der Effekt: Was wirklich schmeckt und gesund ist, realisieren wir so viel schneller. So kann ein ganz normaler Erdbeerjoghurt aus dem Supermarkt zum scheußlich-süßen Albtraum werden. Und der fade Naturjoghurt mit frischen Erdbeerstückchen zu einem Genuss-Highlight.

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Ein einfaches Prinzip ohne Regeln, wann man was genau essen soll, klingt verlockend. Doch lässt sich das Essen im Dunkeln auch gut in den Alltag integrieren? Genau das habe ich einen Tag lang getestet.

Um erfolgreich Gewicht zu reduzieren, muss man sich an einen genauen Plan halten.

Der sogenannte "Ernährungsführerschein" gliedert sich in drei Phasen. Das Versprechen: Man soll selbst verinnerlichen, welche Ernährung gesund ist und von welchen Lebensmitteln wir in Zukunft die Finger lassen sollten. In der ersten Phase, der Power-Reduktion, muss eine Woche lang auf Kohlenhydrate und Zucker verzichtet werden. Nur Gemüse, mageres Fleisch und ein paar magere Milchprodukte sind erlaubt. Die zweite Phase gestaltet sich etwas lockerer. Während der "sanften Reduktion" darf mehr Obst gegessen werden und auch mal eine leckere Entenbrust oder Krabben. Danach folgt von der dritten bis zur siebten Woche die "Stabilisationsphase". Hier kann man von Woche zu Woche wieder mehr Kohlenhydrate, Obst und fetteres Fleisch zu sich nehmen. Ziel dabei ist es, ein Gefühl für eine gesunde Ernährung zu erlangen. Das Buch liefert einen detaillierten Speiseplan mit Rezepten und hilfreichen Zusatzinfos für die ersten zwei Wochen. Danach zeigt ein Übersichtsplan, was wann genau gegessen werden darf.

Das klingt erst mal super, aber die erste Hürde muss ich schon bei der ersten Umsetzung des Plans auf mich nehmen.

Essen im Dunkeln: Alltagstauglich?

Ich soll mir morgens Rührei zubereiten, weil es sättigend ist und viele wertvolle Nährstoffe enthält. Ich stelle ich mir den Wecker extra eine halbe Stunde früher, damit die Zeit reicht, um den Kochlöffel zu schwingen. Nur widerwillig schlage ich die Eier in die Pfanne. Als mir der Duft von leckerem Rührei in die Nase steigt, meldet sich auch das Hungergefühl - die Umsetzung scheint also doch nicht so schwer zu sein, wie ich anfangs dachte. Der Haken kommt noch: Laut Konzept soll ich mir auch mittags etwas kochen.

Aber: Da ich berufstätig bin (und koch-faul), ist es für mich unmöglich, den vorgeschlagenen gebackenen Zitronenkabeljau auf grünen Bohnen zuzubereiten. Also was tun? Ich entscheide mich dafür, einfach einen Salat zu essen. Grünzeug kann ja nicht schaden: Maske auf und los geht’s! Die Blicke der Mitarbeiter in der Kantine spüre ich sehr deutlich. Kommt ja auch nicht alle Tage vor, dass jemand mit Schlafmaske isst. Einen Unterschied beim blinden Zerkauen der einzelnen Salat-Bestandteile ist deutlich spürbar. Die Konsistenz und der Geschmack der Zutaten ist viel intensiver und das Essen wird zu einem Erlebnis. Mission geglückt!

Nach Feierabend verspüre ich erneut ein Hungergefühl: Zeit für das Abendessen. "Schlank im Dunkeln" schlägt mir vor, eine einfache Minestrone zu kochen. Gemüse schnippeln, Brühe anrühren - Kochen ist ja doch gar nicht so schwer. Zum Glück sind die Rezepte einfach gehalten, so dass auch Kochfaule wie ich keine Probleme bei der Zubereitung haben. Als die duftende Mahlzeit endlich vor mir steht, greife ich schon fast routinemäßig zu meiner Maske. Das Buch rät mir zu einem lustigen Ratespiel: Schmecke die einzelnen Gemüsesorten heraus! Ziel dabei ist es, sich komplett auf die Mahlzeit zu konzentrieren, um bewusst zu essen. Und ich hätte niemals gedacht, wie schwierig es ist, Schalotten von Rucola zu unterscheiden.

Der Tag geht zu Ende, mein "Schlank im Dunkeln"-Experiment auch.

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Mein Fazit ist eindeutig: Das Konzept lässt sich gut in den Alltag integrieren - vorausgesetzt, man hat einen Büro-Job oder ist zuhause. Auch die neugierigen Blicke sollten einen nicht stören, sobald die Schlafmaske auf der Nase sitzt. Aber: Allein durch das Essen im Dunkeln nimmt man natürlich nicht ab. Gesunde Ernährung ist der Schlüssel für jedes erfolgreiche Abnehm-Konzept, da kommt auch die "revolutionäre Sinnesformel" nicht drumherum. Die blinde Nahrungsaufnahme hilft dabei, bewusster zu essen und schärft die Sinne - so lässt es sich leichter auf Fertigprodukte und Fast Food verzichten, allein schon des Geschmackes wegen. Die Idee ist gut, die Umsetzung im Alltag kann problematisch werden, muss aber nicht. Für eine Revolution in Sachen Ernährung reicht das Konzept aber nicht aus.

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