LEBEN LEBEN

Esoterik: Sind wir Frauen gutgläubiger als Männer?

Esoterik: Warum fallen so viele Frauen auf Wunderheiler rein?
Wahrsager, Hellseher, Wunderheiler: Die meisten Esoteriker arbeiten mit miesen Tricks © picture-alliance / Brexendorff_M, Brexendorff Michael

Viele Frauen glauben an die Macht der Esoterik

Die RTL-Undercover-Reporter haben gezeigt, mit welch dumpfen Tricks angebliche Wahrsager, Hellseher und Wunderheiler arbeiten. Gutgläubige Menschen werden auf simple Art veräppelt – und zahlen dafür ordentlich Geld. Die Opfer scheinen vor allem Frauen zu sein. Warum ist das so – und gibt es auch seriöse Esoteriker?

Von Christiane Mitatselis

Es ist ein Gemeinplatz: Frauen gehen eher als Männer zu einer Wahrsagerin, lassen sich die Karten legen – und am Besten erzählen, dass der Traummann, Reichtum oder andere wünschenswerte Dinge auf sie warten. Frauen gelten dafür als anfälliger, da die Hellseher-Branche aber keine Zahlen dazu veröffentlicht, lässt sich der Eindruck nicht belegen. Sicher scheint nur zu sein, dass Frauen religiöser sind als Männer. In einer Erhebung des "World Value Survey", die in 57 Staaten durchgeführt wurde, bezeichneten sich 74 Prozent der Frauen und 65 Prozent der Männer als religiös.

Davon lässt sich ableiten, dass Frauen eher bereit sind, an etwas glauben, das sich nicht mit harten Fakten belegen lassen: also an Gott, ein Leben nach Tod, das Wirken höherer Mächte und so weiter. Oder positiv ausgedrückt: Dass Frauen häufiger als Männer versuchen, ihr Leben mit einem höheren Sinn zu erfüllen.

Warum sollte man sich nicht außerhalb der eingetretenen Pfade der Religion umsehen? Natürlich gibt es die Betrüger, die in der RTL-Reportage gezeigt wurden. Doch es ist ungerecht, alle Heiler, Seher oder Gurus, die sich im nicht offiziell-wissenschaftlichen Bereich betätigen, über einen Kamm zu scheren.

So gibt es astrologische Berater, die sich ernsthaft mit Sterndeutung befasst haben; einer Wissenschaft, die es schon seit der Antike gibt. Seriöse Astrologen liefern ihren Kunden kein schnelles Horoskop, das Allgemeinplätzen besteht, sondern eine ausführliche Analyse einer Sternkonstellation und deren mögliche Auswirkungen auf das Leben. Anders als die Astro-Betrüger wird man von ihnen keine debilen Voraussagen hören – nach dem Motto: "Das Glück wartet auf dich, es wird dir im Dunkeln begegnen."

Dem Esoterik-Vorwurf sind oft auch Ärzte ausgesetzt, die jenseits der schul-wissenschaftlichen Methoden Erfolge erzielen – zum Beispiel durch Akupunktur. Obwohl diese alte Lehre der chinesischen Medizin gerade in der Schmerzbehandlung viel ausrichten kann, wird sie im Westen immer noch skeptisch beäugt, ihre Wirksamkeit gar bestritten. Zu unrecht.

Es gibt auch seriöse Heiler und Homöopathen

Ich selbst wurde einmal, nachdem ich mit einen Nerv im Rücken eingeklemmt hatte, mit Akupunkturnadeln behandelt. Der Schmerz war sofort weg. Es war kein Zufallserfolg, der betreffende Arzt hatte viele Menschen durch Akupunktur von Schmerzen befreit. Sogar Migräne-Patienten, die als austherapiert galten.

Von den Scharlatanen der Wunderheiler-Fraktion unterschied er sich dadurch, dass er keine Heilung versprach. Er sagte nur, man könne dies oder das ausprobieren. Auch Homöopathie kann hilfreich sein, und sie ist nicht nur Einbildung, wie ihre Kritiker gern behaupten. Für mich das beste Argument: Auch Tiere lassen sich gut mit Homöopathie kurieren, zum Beispiel bei Allergien. Und einem Pferd geht es nicht besser, weil ihm das eingeredet wurde.

Man wäre also schön blöd, wenn man sich all diese interessanten Felder außerhalb der im Westen offiziell anerkannten Wissenschaften als geisteskranken, esoterischen Quatsch abtun würde. Scharlatane leben von der Gutgläubigkeit der Menschen. Man entlarvt sie schnell, indem man kritisch bleibt – und bei Heils- oder Glücksversprechen sofort das Weite sucht. Auch wenn sie noch so verlockend klingen.

Anzeige