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ESBL-Keim resistent gegen 15 Antibiotika: 'Super-Erreger' in den USA entdeckt

Ist das der Beweis, dass Antibiotika an Wirkung verlieren?
Ist das der Beweis, dass Antibiotika an Wirkung verlieren? 'Super-Erreger' bei US-Amerikanerin festgestellt 00:00:40
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Antibiotika verlieren zunehmend an Wirkung

In den USA wurde zum ersten Mal ein multiresistentes Bakterium mit dem MCR-1-Gen entdeckt. Dieser sogenannte Super-Erreger, den eine 49-Jährige in sich trägt, ist gegen ganze 15 Antibiotika unempfindlich - darunter auch eines, das sonst als Notlösung dient. Experten zufolge könnte das für die Zukunft gravierende Folgen haben.

Die betroffene US-Amerikanerin litt unter einer Harnwegsinfektion, die durch - normalerweise relativ harmlose - E-Coli-Bakterien ausgelöst wurde. Während der Untersuchung wurde dann das multiresistente Bakterium festgestellt. Das teilte die Gesundheitsbehörde 'Centers for Disease Control and Prevention‘ (CDC) mit. Bei dem Erreger handelt es sich um ESBL-bildende Keime. Das bedeutet, dass die Bakterien Enzyme produzieren, durch die sie gegen Antibiotika unempfindlich werden. Dieser Erreger wurde zuvor noch nie in Amerika festgestellt, in China und Europa aber schon.

Das Erschreckende an diesem Fund: Antibiotika, die als eine der stärksten Waffen der Medizin gelten, verlieren anscheinend zunehmend an Wirkung. Im Video sehen Sie, wie Dr. Bernd-Alois Tenhagen vom 'Bundesinstitut für Risikobewertung' die Situation einschätzt.

Antibiotikaresistenz birgt viele Gefahren

Selbst ein altes Antibiotikum namens Colistin, das bei dieser Art Bakterien zuvor immer wirke, habe bei dieser Patientin versagt, erklärte CDC-Chef Thomas Frieden. Colistin war 1959 auf den Markt gekommen, um Infektionen mit Salmonellen, E-Coli-Bakterien und Lungenentzündungs- und Blutvergiftungserregern zu behandeln. Da Colistin aber die Nieren schädigt, wird es seit den 80er Jahren nur noch ganz selten verabreicht. Laut 'Robert Koch-Institut' dient es heutzutage nur noch als "eine letzte verbliebene Therapieoption". Umso besorgniserregender ist die Erkenntnis, dass auch dieses Notfallinstrument der 49-Jährigen nicht helfen konnte.

Warum gibt es überhaupt eine Antibiotikaresistenz?

Der Fall in Pennsylvania macht erneut auf das Problem aufmerksam, das Mediziner weltweit fürchten: Antibiotika verliert an Wirkung! Denn immer häufiger entwickeln Erreger Abwehrmechanismen gegen Substanzen, die früher zuverlässig behandelt werden konnten. Aber warum?

Antibiotikaresistenzen entstehen laut Medizinern dann, wenn Antibiotika übermäßig eingesetzt wird. Das sei zwar besonders in der Tierzucht der Fall, aber eben auch in der Humanmedizin. Denn dort gibt es momentan die Entwicklung, die Allzweckwaffe Antibiotikum auch in Fällen zu verschreiben, in denen eine weniger intensive Behandlung ebenfalls erfolgreich wäre. Auch eine unsachgemäße Einnahme der Medikamente fördere Resistenzbildungen. Mediziner fordern daher, Antibiotikum nur in wirklich ernsten Fällen zu verschreiben.

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