LIEBE LIEBE

Es ist vorbei: Liebeskummer trifft Frauen härter als Männer

Warum Frauen nach dem Ende der Beziehung länger leiden
Und Männer sich schnell wieder auf die Jagd begeben

Liebeskummer eher Frauensache

Es gehört zu meinem täglich Brot, mich mit Studien über die Liebe zu befassen. In der Regel kommt dabei nicht viel herum, aber manchmal bin ich wirklich erfreut, weil ich mit Ergebnissen konfrontiert werde, die mich – und damit hoffentlich auch Euch – weiterbringen. Brandneu ist eine Studie der New Yorker Binghamton-Universität mit dem etwas verstaubten Arbeitstitel "Quantitative Geschlechterunterschiede in der Reaktion auf eine gescheiterte Liebesbeziehung". Die Rede ist von Liebeskummer.

Die Wissenschaftler haben 5.705 Personen aus 96 Ländern befragt. Dabei kam heraus: Männer trifft das Scheitern einer Liebe weniger heftig als Frauen, für die meistens eine Welt zusammenbricht. Zwar werden Männer kurzfristig seelisch aus der Bahn geworfen, sie betrinken sich einige Tage lang bis zur Besinnungslosigkeit und leiden wie ein Hund. Doch dann gehen sie zur Tagesordnung über. Und das heißt: Die Herren begeben sich auf die Jagd und suchen sich eine neue Freundin.

Frauen dagegen stürzen sich nicht kopflos in die nächste Beziehung, allein und gemeinsam mit ihren treuen Freundinnen analysieren sie über Monate, warum die Liebe gescheitert ist, ob es einen Weg zurück gibt, was sie dafür tun können. Der Schmerz der Frauen ist also wirklich komplett anders gelagert. Gerade für mich als Liebesforscherin ist es interessant, wie sich die Teilnehmer der Studie dazu geäußert haben, wie sie ihren Kummer in seinen Ausdrucksformen erfahren.

Sie wurden gebeten, ihre bisher erlebten Trennungsschmerzen auf einer Skala von null bis zehn zu beschreiben. Bei den Frauen lag der Schnitt bei 6,84 Punkten, bei den Männern bei 6,58 Punkten. Den körperlichen Schmerz (dieses fiese Ziehen in der Brust) gaben die Frauen mit durchschnittlich 4,21 und Männer mit 3,75 Punkten an. Die Frauen sagten, dass sie nach dem Liebes-Aus in erster Linie Angst und Verzweiflung und Wut empfinden. Die Männer hingegen fühlen sich vor allem verloren und/oder wütend. Der Grund für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern soll biologischer Natur sein, so die Wissenschaftler. Denn Frauen investieren deutlich mehr in eine Beziehung als Männer, weil sie schwanger werden können und dann die große Verantwortung der Mutterrolle ein Leben lang tragen, im schlechten Fall ohne jede Unterstützung. Denn der Mann kann sich direkt nach dem Beischlaf ohne weiteren Aufwand aus dem Staub machen. Das Risiko der Frau führt seit Höhlenmenschenzeiten dazu, dass Frauen wählerischer bei der Partnerwahl sind, sein müssen. Und genau deshalb verletzt sie der Verlust einer Beziehung eben mehr.

Liebeskummer muss sein und er muss auch richtig weh tun

Für den Mann dagegen stellt das Ende der Partnerschaft vor allem einen Verlust an Prestige dar, an dem er über einen längeren Zeitraum zu knabbern hat. Deshalb muss er sein ramponiertes Selbstwertgefühl blitzschnell mit einer neuen Eroberung aufpeppen. Das ist nichts Neues für mich. Was mich an der Sache mit dem Liebeskummer am meisten interessiert, ist, wie man ihn möglichst klein halten kann, mit welchen Psycho-Tricks ihm beizukommen ist, so dass es nicht allzu lange weh tut.

In dieser Hinsicht haben die Wissenschaftler eine Erkenntnis parat, die ich tröstlich finde. Die weise Mutter Natur hat schon alles richtig eingerichtet: Tricks helfen nicht, der Liebeskummer muss sein und er muss auch richtig weh tun. Der Grund: Er soll im Idealfall in Gleichgültigkeit enden. Hat man diesen Zustand erreicht, ist man erst bereit für eine neue Liebe. Das ist ähnlich wie bei einer Krankheit, die muss man auch „ausfiebern“, anschließend ist man gründlich durch mit dem Thema. Deshalb machen wir Frauen das wirklich besser mit dem Liebeskummer, wenn wir uns mit jeder Faser in das Leid hineinknien, anstatt es zu verdrängen – wie die Männer es tun. Unser Leiden ist in dem Sinne eine Art Therapie.

Vielleicht liest der eine oder andere Mann diesen Text und überlegt sich, ob er sich nicht auch einmal traut, den Liebeskummer zuzulassen und sogar das Wagnis eingeht, eine Weile allein zu sein, ohne sich mit irgendeiner Frau, die ihm nichts bedeutet, abzulenken. Das könnte sich emotional auszahlen, denn nur das Hinnehmen des Schmerzes öffnet das Herz für eine ernste und erfüllende neue Partnerschaft. Liebesleid macht am Ende die Liebe wieder leicht.

Alles Liebe, Eure Birgit

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