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Erziehung von Jungen: Unsere Geschlechterbilder sind veraltet

Werden Jungs zu Weicheiern erzogen?
Werden Jungs zu Weicheiern erzogen? Erziehung 00:02:01
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"Jungs dürfen nicht zu Luschen erzogen werden"

Schauspieler Henning Baum (42), Star im RTL-Film 'Götz von Berlichingen' (Donnerstag, 20.15 Uhr), hat seine ganz eigene Vorstellung von der Erziehung seiner Söhne: "Geben Sie Ihrem Sohn ein Schwert! Üben Sie Schwertkampf mit ihm, das macht den Kindern Spaß. Jungs dürfen nicht zu Luschen erzogen werden, sie sollen Jungs bleiben dürfen." Ein Erziehungskonzept von vor-vorgestern?

Erziehung von Jungen: Unsere Geschlechterbilder sind veraltet
Müssen Jungs wirklich zu Machos erzogen werden? © katharina neuwirth - Fotolia

Von Jutta Rogge-Strang

"Jungs müssen auch im Kampf zivilisiert werden, dabei lernen sie Regeln, Fairness und Körperbeherrschung." Henning Baum (42) ist selbst ein ganzer Kerl, und damit lässt er die Frauenherzen höher schlagen. Der 1,84 Meter große Hüne trieb selbst als Junge viel Sport, nahm Karate-Unterricht, boxt heute gerne: "Ich wollte Power haben", erklärte er in einem Interview. Ein ganzer Kerl eben.

Aber ist das heute noch zeitgemäß? Oder träumt Henning Baum eigentlich noch von früheren Zeiten, wo der Mann das Sagen hatte, das Geld nach Hause brachte und die Frau den Haushalt in Schuss hielt? Welche Jungs sind denn eigentlich Weicheier, und welche werden die Machos von morgen sein? Brauchen Jungen eine Schulhof-Schlägerei, um später im Leben ihren Mann stehen zu können?

Jungen und auch Mädchen definieren ihre Rollen heute neu. Eine schwierige Zeit haben sie sich ausgesucht, denn die klassischen Männer-Macho-Rollen verschwinden langsam im Lauf der Geschichte. Früher waren Jungen laut, selbstbewusst, wild und durften nicht weinen. Mädchen waren nett, fleißig und hilfsbereit. Das klappt heute aber nicht mehr. Und je mehr die Mädchen aus ihren traditionellen Rollen ausbrechen, desto mehr verändern auch die Jungen ihr Verständnis. Die Geschlechterrollen sind in Bewegung geraten und verändern sich.

Macho-Sein ist anerzogen

In dieser Phase der gesellschaftlichen Veränderung haben beide - Jungen und Mädchen - mehr Freiheiten als früher. Aber eben diese Freiheiten bringen auch Probleme mit sich: Mädchen können sich nicht mehr darauf verlassen, dass der Mann der Familienernährer ist. Und tatsächlich leiden immer mehr Jungen darunter, nicht mehr schön und gepflegt genug zu sein. Werden die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen kleiner? "Innerhalb der Geschlechter gibt es weit größere Unterschiede als zwischen den Geschlechtern", so Biopsychologe Markus Hausmann, der an der Universität Bochum Forschungen zu beiden Geschlechtern betreibt.

Ein paar biologische Unterschiede gibt es schon: So sind die meisten Forscher davon überzeugt, dass Männer stärker zu Gewalt und Aggression neigen als Frauen. Gewisse Verhaltensunterschiede bei den Geschlechtern werden auch auf das Zusammenspiel von "männlichen" und "weiblichen" Hormonen zurückgeführt. Der Rest ist schlicht erlernt und anerzogen. Für viele Jungen und Männer ergibt sich da aber ein Problem: Einerseits haben sie traditionelle Rollen gelernt, andererseits wollen sie die gewohnten Muster abstreifen zugunsten eines modernen Rollenbildes.

Oft sehen Eltern in ihren Söhnen noch den "Sohnemann", stark, durchsetzungsfähig und selbstbewusst. Sogar im Fernsehen oder im Kino zeigen sich die männlichen Helden von ihrer starken Seite – und kommen damit durch. Im wahren Leben jedoch stoßen die modernen Männer mit den alten Rollenklischees auf massive Schwierigkeiten. Aber damit ein Junge nicht immer nur den Rambo spielen muss, braucht er neue Vorbilder. Ob das tatsächlich Schwert schwingende Mittelalter-Helden sein sollten, darf bezweifelt werden.

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