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Erziehung: Sind Strafen für Kinder noch zeitgemäß?

Lernen Kinder nur durch Bestrafung?

Räum dein Zimmer auf! Ab ins Bett! Mach deine Hausaufgaben! Das sind Sätze, die Eltern ständig sagen. Oft ohne Erfolg. Und dann? Hausarrest oder Fernsehverbot sind regelmäßig die Folge. Aber sind solche Strafen noch zeitgemäß? Familiencoach Dörte van Benthem Favre erklärt, wie Eltern die lieben Kleinen zeitgemäß und richtig erziehen.

Pädagogik: Kinder richtig erziehen
Kinder richtig zu erziehen, ist harte Arbeit. Oft lassen sich Probleme nur durch gemeinsame Aktionen zwischen Kind und Eltern lösen.

Unpünktlichkeit

Die Mutter ist besorgt, weil ihre Teenie-Tochter immer noch nicht zu Hause ist. Ausgemacht war 22 Uhr. Das Kind kommt aber erst eine Stunde später heim. Als Strafe gibt’s den Klassiker: Hausarrest! Eine Umfrage zeigt: 41 Prozent der Befragten Eltern erteilen schon mal Hausarrest. 59 Prozent sind dagegen, halten die Zwangsmaßnahme für veraltet. Auch die Familientherapeutin hält nichts von Hausarrest. "Mein Tipp ist oft, die Zeit, die zu spät gekommen wird, beim nächsten Mal abzuziehen. Denn Kinder, die eine Woche Hausarrest bekommen, hätten am Ende der Woche oft schon den Grund für die Strafe vergessen."

Nörgelei am Esstisch

Nicht nur die Großen, auch kleine Kinder können ganz schön quengeln: Das Kind will nicht am Tisch sitzen und aufessen, sondern lieber spielen. Der Teller bleibt voll. "Kein Problem", sagt Mama, "aber dann bekommst du als Strafe auch später kein Essen mehr." Ist das die Lösung? 63 Prozent der Befragten lehnen diese Strafe ab. Nur 37 Prozent halten das Essensverbot für eine gute Idee. Die Familienexpertin kennt eine simple Alternative: Das Kind muss nicht mitessen, bekommt später aber nur eine Kleinigkeit - etwa eine Banane oder einen Apfel. Wichtig ist, dass das Elternteil keinen Aufwand mit der Zubereitung hat.

Kinderzimmer ist nicht aufgeräumt

Gefühlte hundert Mal hat man das Kind darum gebeten, aufzuräumen. Doch im Kinderzimmer herrscht das pure Chaos. Also stopft Mutti alles in einen Müllsack und sperrt das Spielzeug weg - wer nicht hören will, muss schließlich fühlen, oder? "Ich finde, das geht zu weit. Denn das greift die Integrität meines Kindes an", sagt Dörte van Benthem Favre. Ihre Lösung: "Kinder machen gerne Dinge zusammen. Also, stellen Sie die Musik an und starten Sie eine gemeinsame Aufräum-Aktion." Aber nicht einfach daneben stehen und nur das Kind aufräumen lassen - dann entsteht eine Kampfstimmung und die löst keine Probleme, sondern schafft nur neue. Übrigens waren bei der Umfrage 63 Prozent der Befragten ebenfalls gegen das Wegsperren der Spielsachen.

Ärger in der Schule

Das Kind hat keinen Bock auf Schule und bringt schlechte Noten mit nach Hause. Damit die nächste Klassenarbeit besser ausfällt, beschließen die Eltern: Es gibt erstmal kein TV mehr und das Smartphone, das lenkt auch ab - also, Handy weg! Ein Medienverbot halten 67 Prozent der Umfrageteilnehmer für angemessen, zumindest während des Lernens oder der Hausaufgaben. 33 Prozent sagen nein, das ist nicht die Lösung! Das sieht die Expertin ähnlich. Denn Verbote schaffen oft neue Probleme statt einer Lösung. "Sie können das Handy wegnehmen, nur dürfen Sie nicht erwarten, dass sich das Problem Schule damit löst", sagt Dörte van Benthem Favre. Erledigen Sie die Hausaufgaben zusammen mit dem Kind. So kommen Sie wieder ins Gespräch und können herausfinden, wieso der Nachwuchs keine Lust auf die Schule hat.

Generell gibt es immer wieder verschiedene Trends in Erziehungsfragen und aktuell heißt es: Strafen sind out. Wer straft, geht aus der Beziehung, aus der Augenhöhe. Deshalb rät Familientherapeutin: Reden Sie auf Augenhöhe mit Ihrem Kind. Besprechen Sie gemeinsam, zu welchen Konsequenzen das Fehlverhalten führt. Und übrigens: Eltern dürfen auch ruhig mal ein Auge zudrücken!

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