LIEBE LIEBE

Erwartungen in der Liebe: Darum können Ansprüche an den Partner Beziehungskiller sein

Liebesexpertin Birgit Ehrenberg
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg kennt sich aus.

Die Crux mit den Erwartungen an die Liebe

Wenn ich an das Thema 'Liebesglück' denke, kommt mir sofort eine Freundin in den Sinn, die einmal tief seufzend zu mir sagte: „Ich bin erst dann mit einem Mann glücklich, wenn mit ihm wirklich alles genau so ist, wie ich es mir immer vorgestellt habe.“

Das ist natürlich in der Tat atemberaubend, zu erleben, dass sich die Liebe jedem Wunsch beugt, den man an sie hatte und hat. Die meisten Menschen gehen auf diese idealistische und romantische Weise an die Liebe heran und erträumen sich, dass ihre Erwartungen komplett erfüllt werden.

Geschieht das, kommt jemand mit einem Erwartungs-Erfüller oder einer Erwartungs-Erfüllerin zusammen, soll der galaktische Zustand ewig halten, man wird ja regelrecht süchtig nach dieser Harmonie. Die Beziehung soll stets unter dem Stern der Erfüllung aller Erwartungen stehen, eine hohe Messlatte. Lohnt sich aber, diese Messlatte anzupeilen – das dachte ich bis jetzt.

Pustekuchen, man kann sich die Anstrengungen sparen. Eine neue Studie der amerikanischen Florida State University belegt: Wer in einer ohnehin perfekten Beziehung ist, der hat die Möglichkeit, sich produktiv mit den eigenen Erwartungen und denen des Partners zu beschäftigen. Das heißt: Wer richtig glücklich ist, kann es bleiben und noch glücklicher werden. Tolle Aussicht!

Glücklich kann ein Paar auch sein, wenn es gerade unglücklich ist

Wer dagegen in einer eher schwierigen Beziehung lebt, kann sie durch hohe Erwartungen vollends zerstören. Das heißt: Wer in seiner Beziehung manchmal unzufrieden ist, der vergrößert das Leid, wenn erwartet, er könne es verringern oder gar ganz ausschalten. Er muss es aushalten, mit seinen nicht erfüllten Erwartungen zu leben, zu lieben. Keine tolle Aussicht.

Wie kommt man raus aus der Nummer? Die Frage ist von großem Interesse, schließlich ist das ein Problem, das viele Frauen und auch Männer haben: Man liebt den Partner durchaus, doch irgendwie hatte man sich einiges anders gedacht und gewünscht. Ist Trennung die einzige Lösung?

Die gute Nachricht: Nein! Paare, die einander in Liebe zugetan sind und dennoch mit der Beziehung hadern, können sehr wohl an ihrer Partnerschaft arbeiten. Aber nicht indem sie den Erwartungen hinterherhecheln. Sie sollten eher einen realistischen Blick auf die Beziehung werfen. Jede Beziehung ist anders. Glücklich kann ein Paar auch sein, wenn es gerade unglücklich ist, wenn es Probleme hat. Einige Beziehungen haben einfach größere Hindernisse zu bewältigen als andere.

Ich nenne ein Beispiel: Der Partner verliert den Job, er findet keinen neuen. Das hat keiner erwartet, erwartet hat man, dass es läuft mit dem Job, dass man vielleicht eine Eigentumswohnung kauft, dass man Reisen plant und macht. Vernichtet der Arbeitsmarkt diese Erwartungen, wird das Liebesleben nicht besser, wenn man stur weiter vom Eigenheim und von Bali träumt. Stattdessen geht die Reise dahin, einzuschätzen, was man sonst noch von der Beziehung erwarten kann. Und da gibt es gewiss eine Menge – Vertrauen, Zärtlichkeit, Spaß an kleinen Freuden, Zusammenhalt, Hoffnung auf bessere Zeiten, Dankbarkeit, dass man sich hat.

All das sind Bausteine einer Beziehung die aus meiner Sicht die höchste Erwartung erfüllt: Dass ihr Fundament Liebe ist, jenseits von Erwartungen. Lieben, das ist – das ist die Parole der Liebe. Wer nur will, dass alles so ist, wie er es sich vorstellt, der liebt nur sich selbst und seine Erwartungen.

In dem Sinne: Alles Liebe, Eure Birgit

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