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Erstes PID-Zentrum Deutschlands in Lübeck: Hoffnung für Paare mit Kinderwunsch

Mit der Präimplantationsdiagnostik genetische Defekte feststellen

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ermöglicht die Untersuchung von befruchteten Eizellen auf Erbkrankheiten – und zwar bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt werden und die eigentliche Schwangerschaft einsetzt. Eigentlich ist das Verfahren in Deutschland verboten. Eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes ermöglicht allerdings Ausnahmen. In Lübeck hat daher jetzt das erste PID-Zentrum Deutschlands eröffnet.

Präimplantationsdiagnostik ist umstritten
Bei der Präimplantationsdiagnostik werden Embryonen im Labor auf Erbkrankheiten hin untersucht, bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt werden. © dpa, Frank May

In Deutschland ist die PID sehr umstritten: Viele Menschen sehen darin einen Eingriff in die Natur. "Gerade viele Behindertenverbände sind gegen eine solche Diagnostik“, erklärt Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach, Leiterin des Instituts für Humangenetik. Denn viele Behinderte argumentierten, dass sie nicht am Leben wären, wenn es eine solche Diagnostik früher schon gegeben hätte. Zudem gebe es auch religiöse Gründe dagegen, da die Frage "wo beginnt Leben" je nach Religion unterschiedlich beantwortet werde.

Doch wie genau funktioniert das Verfahren eigentlich? "Im ersten Teil der Untersuchung wird eine künstliche Befruchtung durchgeführt", so Gillessen-Kaesbach. In einem zweiten Schritt würden dann die befruchteten Eizellen genetisch untersucht. "Die Eizelle, die den genetischen Defekt nicht trägt, wird dann praktisch ausgewählt und in die Gebärmutter eingesetzt“, fährt Gillessen-Kaesbach fort. Die Untersuchung geschieht also vor der eigentlichen Schwangerschaft.

Präimplantationsdiagnostik hilft einigen Paaren mit Kinderwunsch

Vorgenommen werden darf die Untersuchung des Embryos nur, wenn einer oder beide Elternteile an einer genetischen Erkrankung leiden und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass diese an das Kind vererbt wird. "Zu diesen Erkrankungen zählen beispielsweise schwere Muskelerkrankungen wie Multiple Sklerose, geistige Behinderung oder Fehlbildungserkrankungen“, erläutert Gillessen-Kaesbach. Mithilfe der Präimplantationsdiagnostik lassen sich auch schwere Schädigungen des Embryos, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen würden, feststellen.

"Die Präimplantationsdiagnostik soll Eltern mit Kinderwunsch helfen, die bereits ein behindertes Kind haben und von sich aus sagen, dass sie nicht in der Lage sind, ein weiteres Kind mit einer so schweren Erkrankung zu betreuen“, sagt die Expertin. Nach mehreren Schwangerschaftsabbrüchen stelle die PID eine geeignete Maßnahme dar, um doch noch ein gesundes Kind zu bekommen.

"Betroffene Paare kommen zuerst zu einer genetischen Beratung. Dort wird ihnen erklärt, wie ein solches Verfahren abläuft“, erläutert Gillessen-Kaesbach das Vorgehen. Anschließend müssten die Eltern einen Antrag an die Ethikkommission stellen. "Diese bestimmt dann darüber, ob dieses Krankheitsbild Indikation für eine solche PID-Diagnostik ist."

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