LIEBE LIEBE

"Ersatzreligion" Liebe? Vom Fehler, in der Liebe das Paradies zu suchen

Liebeskolumne: Liebe
Liebe bedeutet auch Schmerz

Ist die Liebe eine Mogelpackung?

Heute widme ich mich einem sehr gewichtigen Thema. Um genau zu sein geht es nahezu um die Wurst. Es geht darum, ob wir mit der Liebe so viele Probleme haben, weil wir die die Liebe schlichtweg überbewerten. Das behauptet ein Kollege von mir, der einen Artikel darüber geschrieben hat, dass wir die Liebe wie eine Ersatzreligion behandeln und uns damit selbst ganz fürchterlich ein Beinchen stellen. Alles steht und fällt mit der Liebe. Das sei eine Zumutung für die arme Liebe.

Da ist was dran. Von Kindesbeinen an werden wir damit konfrontiert, dass es die Liebe ist, die uns glücklich machen wird. Wir suchen sie, wir vertrauen auf den Zufall oder wir suchen sie im Internet. Wir schauen sie uns im Kino an, wir machen uns ein Bild vom Paradies der Liebe. Und dann kommt die Liebe und macht einen unglücklich. Ist Liebe also eine Mogelpackung? Ich denke nun seit Jahrzehnten über die Liebe nach und habe mich in der Tat schon oft gewundert, warum die Menschen ihr Seelenheil in die Liebe setzen. Es gibt wahrlich aussichtsträchtigere Optionen.

Der Hauptgrund für die Unwägsamkeiten: In der Liebe sind wir eben von einem Du abhängig, dieses Du kann uns doof finden, unsere Gefühle nicht erwidern, uns betrügen, uns verlassen. Selbst wenn es zu einer Beziehung kommt zwischen einem Ich und einem Du ist nicht gesagt, dass beide „Teilnehmer“ glücklich werden. Ich kenne einige Paare, die in Liebe verbunden sind, die aber im Alltag einfach nicht zusammenpassen. Alternative: Es passt, doch nach 15 Jahren passt es nicht mehr, weil sich einer oder weil sich beide verändert haben.

Insofern bin ich auch skeptisch, was den Liebeswahn angeht. Wenn ich Liebe leicht mache, fange ich gern schon im Vorfeld an und bereite die Leute darauf vor, dass Liebe, wie es so schön heißt, nichts für Feiglinge ist.

Liebe bedeutet gleichzeitig auch Schmerz

Es geschieht, dass die Liebe über einen kommt, und man weint sich die Augen aus, weil das Objekt der Begierde zum Beispiel verheiratet ist. Vom Schmerz der Liebe muss man wissen, den muss man aushalten wollen oder können. Wer von Liebe spricht, spricht auch vom Schmerz. An diesem Punkt setze ich an, auf diese Weise verstehe ich meine Aufgabe als Liebesexpertin. Ich gebe in meinen Texten und mündlich weiter, dass Liebe durchaus Sinn im Leben stiftet, dieser Sinn kann allerdings auch Unsinn sein. Das beste Buch dazu hat Eva Illouz geschrieben. Titel: „Warum Liebe weh tut: Eine soziologische Erklärung.“ Das ist einfach die Wahrheit über die Liebe: Sie tut oft weh.

Mein Kollege irrt sich insofern. Es stimmt, dass wir uns etwas vormachen, wenn wir die Liebe als allein seligmachend verstehen. Es ist aber richtig, dass sie eine der ganz großen Mächte und Energien ist. Den Umgang damit kann man lernen. Auf diese Weise wird Liebe nicht per se ein Leichtgewicht, sie wird leichter. Das ist schon viel! Im besten Fall wird sie sehr leicht. Das will ich hier am Ende betonen: Das gibt es: Dass alles gut ist zwischen zwei Menschen, dass es ein Leben lang gut bleibt mit der Liebe.

Danach kann man streben, darauf kann man hoffen, leise hoffen, denn das ist selten. Das ist es eigentlich schon. Es gibt keinen Grund, die Liebe zu überhöhen, sie klein zu machen, bringt allerdings auch nichts. Wer bereit ist, sich ernsthaft mit der Liebe auseinanderzusetzen, der hat die besten Karten im Spiel.

In dem Sinne, alles Liebe, Eure Birgit

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