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Erika Berger wird 75: Was die Liebesexpertin für die deutsche Sexualaufklärung erreicht hat

Sie ist die Sex-Expertin der Nation

Erika Berger – wenn man den Namen hört, was geht einem dabei spontan durch den Kopf? Dieses perlende, ansteckendes Lachen, ihre Wahnsinns- Energie aber vor allem natürlich: "Eine Chance für die Liebe!" Die Frau ist längst eine Marke! Sie steht für Sex, Liebe und Toleranz. Heute wird sie 75! Wir gratulieren zum Geburtstag, feiern aber auch, dass die Grand Dame der Erotik uns in Sachen Aufklärung immer noch die besten Tipps gibt!

Erika Berger wird 75: Was die Liebesexpertin für die deutsche Sexualaufklärung erreicht hat
© dpa, Frank May

Von Dagmar Baumgarten

Auch ohne das berühmte rote Telefon hat sie diesen ganz besonderen Draht zu Menschen. Auch deshalb wird sie immer noch beim Einkaufen oder auf der Straße angesprochen. "Äh, Entschuldigung, ich hab da mal eine Frage. Wissen sie, mit meinem Mann, da hab ich ein Problem, also im Bett, wieso ist er nicht zärtlicher, es fällt mir so schwer, da in Stimmung zu kommen." Bestimmt ist das manchmal nervend, aber das lässt sie sich nicht anmerken. Sie interessiert sich für Menschen und sie will ihnen helfen, insbesondere in Sachen Erotik.

Aufklärungsbedarf gibt es noch immer, denn man kann theoretisch zwar bei You Porn und Co. nahezu alles über Sex sehen, aber wie ich es schaffe, eine erfüllte Sexualität zu erleben, das lerne ich dabei nicht. Oder wie Erika sagt: "die Leute sind in der Theorie viel aufgeklärter und weiter als vor 20 Jahren, aber in der Praxis hapert es immer noch."

Genau da kommt Erika Berger ins Spiel. Angefangen hat das vor 25 Jahren. Da hat bei RTL eine Couch und das besagte Telefon als Deko gereicht, um eine der erfolgreichsten Fernsehsendungen zu produzieren. Das simple Konzept: Menschen mit Sex-Problem rufen an, und Erika sitzt einfach da, schlägt ihre endlos langen Beine grazil übereinander und versucht zu helfen bei unerfüllter Lust, ungewollten Ladehemmungen und geheimen Lastern. Obwohl das eigentlich auch alles Zutaten sein könnten für einen gnadenlosen Sex-Trash, schaffte sie es, dass sie nie billig wirkte.

Sie führte Oswalt Kolles Werk weiter

Der große Oswalt Kolle persönlich hat ihr damals geraten, diese Sendung zu machen - klar: Sex war ja auch irgendwie sein Ding, er hat ihr allerdings auch gesagt, dass sie das Image der Sex-Tante nie wieder loswird. Gott sei Dank war ihr das egal. Denn das, was Oswalt angefangen hat, führte sie mit Leichtigkeit und Eleganz weiter: nämlich Deutschland aufzuklären.

Ihr Rezept: Ihr ist selber nichts peinlich, und mit ihrer natürlichen Art schafft sie eine Atmosphäre, in der man auch die pikantesten Themen von Anal-Spielen über Pornos bis zu Zerrung beim Kamasutra völlig unpeinlich besprechen kann. Sie will gar nicht groß erklären, wie welche Stellung genau geht, sie will, dass die Paare miteinander reden. Ein großes Problem dabei seien die Männer und ihre Versagens-Ängste, sagt sie. Auch heute noch würde es den Männern unglaublich schwer fallen, darüber zu reden, dass sie im Bett nicht immer so können, wie sie glauben, dass es ihre Partnerin verlangt.

Auch wenn sie immer so charmant und freundlich ist, will sie nicht Everybody’s Darling sein. Mit ihren Meinungen bewegt sie sich auch gerne in Grenzbereiche und verletzt Tabus. Zum Beispiel beim Thema Fremdgehen: Ausgerechnet dabei weicht sie nämlich ausnahmsweise mal von ihrem Lieblingstipp "Mensch Leute, bitte redet doch ganz offen miteinander!" ab. Denn für sie heißt es beim Seitensprung: 'Klappe halten!': Bloß nicht erzählen, wenn es passiert ist! Wer dadurch sein Gewissen erleichtert, verletzt seinen Partner nur unnötig!

Das bedeutet aber keinen Freibrief für eine offene Beziehung. Affären und zweigleisig fahren sind für sie ein No-Go!

Sie weiß nicht nur theoretisch viel über die Liebe, praktisch war sie in ihrer zweiten Ehe mit Richard Mahkorn 33 Jahre lang glücklich. Als er vor sieben Jahren durch einen plötzlichen Herztod starb, war das für sie ein schwerer Schock. Auch darüber hat sie immer offen gesprochen. Mittlerweile ist sie, wie sie selber sagt, wieder neugierig aufs Leben.

Warum sie immer noch so unverschämt gut aussieht, wird sie oft gefragt. Sie halte sich jung, weil es noch so viel zu entdecken gibt. Ja, ok, gesunde Ernährung und Sport sind auch dabei. "Ich bin halt immer noch ein bisschen eitel!" sagt sie und lacht wieder. Dieses schöne perlende, ansteckende Lachen.

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