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Erfolgsfaktor Familie: Was macht Familienfreundlichkeit in Firmen aus?

Das sind die familienfreundlichsten Unternehmen

Führungskräfte, die in Teilzeit arbeiten - eine naive Illusion? Extra eingerichtete Eltern-Kind-Büros - ein Wunschdenken? Arbeitszeiten, die sich an die Stundenpläne der Kinder anpassen - das Paradies? Nein, das ist Realität in Unternehmen, die jetzt vom Familienministerium und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft als familienfreundlichste Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet wurden.

Erfolgsfaktor Familie
Familienfreundlichkeit in Unternehmen: Was ist der Erfolgfaktor Familie? © deutsche presse agentur

Gewonnen haben dabei die Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungssozietät Döcker Wigger Lührmann aus Rheine als Kleinunternehmen, die Aeron AG aus Mainz als mittleres Unternehmen sowie die Robert Bosch GmbH in der Kategorie Großunternehmen. Die Sonderpreise für Familienbewusste Arbeitszeiten gingen an die Globus SB-Warenhaus Holding GmbH, die GP Grenzach Produktions GmbH sowie das Bauunternehmen Krieger und Schramm. In der Kategorie ‚Beruf und Pflege‘ wurden Siemens und der Medizinische Dienst der Krankenkassen Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Was macht die ausgezeichneten Unternehmen aus? Bei Bosch wird beispielsweise der Zeitraum, in dem die Mitarbeiter Kinder betreuen oder Angehörige pflegen als 'Familienzeit' gewürdigt. Diese Zeiten können sie auch als Karrierebaustein einbringen, wenn sie eine neue Hierarchiestufe erreichen wollen. Zahlreiche Unternehmens-Netzwerke unterstützen die Mitarbeiter in ihrer jeweiligen Situation. Die Firma Aeron ermöglicht es, sich in Sonderfällen bis zu sechs Wochen ohne Lohnkürzungen freistellen zu lassen. Die fehlende Arbeitszeit kann dann innerhalb von 12 Monaten nach der Freistellung nachgeholt werden. Beim Steuerberater Döcker Wigger Lührmann wird die Zahl der Wochenstunden individuell auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst, auch die Zeitspanne der Tagesstunden kann individuell angepasst werden, zum Beispiel an die Stundenpläne der Kinder.

Familienfreundlichkeit wird immer wichtiger

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nimmt einen zunehmend größeren Stellenwert ein. Für über 90 Prozent der Beschäftigten mit Kindern sind familienfreundliche Angebote des Arbeitgebers mindestens so wichtig oder sogar wichtiger als das Gehalt, so Zahlen des Familienministeriums.

Dabei haben auch die Unternehmen etwas von familienbewussten Arbeitszeiten, von entspannten Eltern durch Betriebs-Kitas. Die Arbeitgeber profitieren von einer hohen Attraktivität für den Mitarbeiter – wer von der Firma in vielen Dingen den Rücken freigehalten bekommt, der wird sicher nicht murren, wenn es mal zu Überstunden kommt und qualifizierte Mitarbeiter lassen sich auf diese Art und Weise langfristig halten. Eine Win-Win-Situation also für alle – und doch wirken Beispiele der Firmen oben leider immer noch wie Exoten.

Nur eine Ausnahme – oder erkennt so langsam ein größerer Teil der Firmen die Wichtigkeit des Themas? Betrachtet man den „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010“, eine repräsentative Unternehmensbefragung, die Auskunft zum Stand der Familienfreundlichkeit der deutschen Wirtschaft gibt, scheint es ein Umdenken zu geben: Fast 80 Prozent der Unternehmen schätzen Familienfreundlichkeit heute als wichtig ein. 2006 waren es noch 72 Prozent und 2003 nicht mal jedes zweite Unternehmen. Für fast 60 Prozent der Unternehmen sind familienfreundliche Maßnahmen mittlerweile zentrale Bestandteile der Personalwirtschaft.

Sind das nur Lippenbekenntnisse? Immerhin haben sich 530 Unternehmen für den Preis ‚Erfolgsfaktor Familie‘ beworben. „Die eingegangenen Bewerbungen haben gezeigt, dass die Unternehmen von den Vorteilen einer familienbewussten Personalpolitik absolut überzeugt sind. Viele Teilnehmer haben erfolgreich Maßnahmen eingeführt, die den Beschäftigten auf innovative Weise neben den beruflichen Pflichten Raum für Verantwortung in der Familie lassen“, sagt Stefan Becker von ‚berufundfamilie‘. Becker und andere unabhängige Juroren von ‚berufundfamilie‘ bewerteten die Bewerbungsbögen für den Preis.

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