LIEBE LIEBE

Er will nicht mit mir schlafen: Warum manche Männer es uns nie recht machen können

Liebeskolumne: Liebe oder Sex?
Wollen Frauen Liebe oder Sex?

Wollen wir Liebe oder Leidenschaft?

Wir Frauen ärgern uns über die einseitige Ausrichtung von Männern, um es harmlos auszudrücken. Mit einseitiger Ausrichtung ist gemeint: Wir sind enttäuscht darüber, dass Männer häufig von uns nur das sogenannte 'Eine' wollen, nämlich Sex. Dabei möchten wir doch so gern mit Leib und Seele lieb gehabt werden.

Nun höre ich aber in letzter Zeit vermehrt auch ganz andere Klagen. Frauen berichten mir mit zittriger Stimme, dass sie sehr wohl mit Leib und Seele geschätzt und durchaus begehrt werden. Doch die begehrenden Männer halten sich sexuell zurück, sie wollen das 'Eine' dezidiert nicht.

Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Meistens haben sie damit zu tun, dass die betreffenden Männer nicht wirklich mit der Frau, die sie seelisch-geistig-körperlich toll finden, zusammen sein können oder wollen. Weil sie gebunden sind, weil sie sich gerade nicht binden wollen oder können. Sie mögen der Frau nicht zumuten, dass sie sich sexuell benutzt fühlt. Deshalb streben sie eine platonische Beziehung an.

Dieses Gebaren kenne ich aus dem Film 'Dornenvögel', da hat ein Priester seine Triebe ständig unterdrückt, obwohl er eine Frau sehr liebte. Das ging ein Leben lang so. Einmal hat er sich vergessen. Folge: Die Frau bekam ein Kind von ihm. Die Zurückhaltung dieses Priesters ist nachvollziehbar, schließlich geht es in diesem Fall um eine ernste Sache, um ein ernstes Versprechen. Trotzdem hat die Frau aus dem Film immer gehofft, dass der Mann sich seiner Fleischeslust hingibt. Sie war gekränkt, dass er es geschafft hat, nicht über sie herzufallen. Das ist der Punkt: Es verletzt eine Frau gewaltig, wenn ein Mann, der behauptet, sie zu begehren, ihr nicht umgehend die Kleider vom Leib reißt. Selbst wenn er es aus den hehrsten Gründen tut.

Wollen wir auf das Sexuelle reduziert werden?

Ich kann verstehen, wie es sich anfühlt, wenn man vor einem Mann steht, man will ihn verführen, man streckt die Hand nach ihm aus, und er macht nicht mit. Ich verstehe diese Kränkung. Dennoch muss ich hier ganz deutlich sagen, dass man es irgendwie den Frauen nicht Recht machen kann. Ich nehme mich dabei nicht aus. Auf der einen Seite sind wir beleidigt, dass ein Mann uns auf das Sexuelle reduziert. Auf der anderen Seite, drehen wir durch, wenn er das nicht tut. Also wollen wir vielleicht genau das: Dass ein Mann uns derart hot findet, dass er alles vergisst, dass er zum Tier wird? Vergisst er nichts, wird er kein Tier, findet er uns nicht hot. Das ist die weibliche Formel. Mit der stellen wir uns ein Beinchen.

Wir missachten damit all die redlichen Versuche von Männern, uns zartfühlende Verehrung entgegenzubringen. Wir respektieren ihre Gründe für ihre sexuelle Zurückhaltung nicht. Wir nehmen sie nicht ernst. Nicht nur ein Priester hat ernste Gründe! Okay, man könnte einwenden, dass diese Männer dann eben über ihren Schatten springen müssen, einfach eine richtige Beziehung zulassen lassen sollen, wenn sie einen schon so großartig finden in jeder Hinsicht. Augen zu und durch. Nach mir die Sintflut – so sollen die Männer performen.

Mit dieser Haltung trampeln wir auf den Wünschen der Männer herum, rollen wie eine Walze über sie hinweg. Mein Vorschlag: Wir einigen uns gütlich und nehmen auf einander Rücksicht. Wir akzeptieren, dass ein Mann keinen Sex will, obwohl er uns sexy findet. Wir glauben, dass er uns sexy findet. Und die Männer akzeptieren, dass wir in der Regel nicht nur Sex wollen und uns das 'Eine' nicht vorrangig und dauerhaft interessiert. Und glauben uns das.

Ist das ein Deal im Sinne von 'Liebe leicht gemacht'?

Ich denke ja.

Eure Birgit

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