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Equal Pay: Verdienen Frauen erst 2075 so viel wie Männer?

Equal Pay: Gleichberechtigung liegt noch weit in der Ferne
Frauen werden nach wie vor schlechter bezahlt als Männer

Gehaltsunterschied in Deutschland liegt bei etwa 22 Prozent

Sie machen die gleiche Arbeit, sind genauso qualifiziert, leisten die gleichen Überstunden – dennoch werden Frauen immer noch schlechter bezahlt als Männer. Und wenn die Anpassung der Gehälter weiter so langsam voran schreitet, dauert es bis 2075 bis wir überhaupt mal ähnlich viel verdienen...

Von Merle Wuttke

Jedes Jahr im März dasselbe Spiel: Dann müssen Frauen aller Altersgruppen der Welt wieder einmal erklären, warum sie immer noch nicht so viel verdienen wie ihre männliche Kollegen. Denn dann ist "Equal Pay Day", der Tag an dem auf die Ungerechtigkeit auf dem Lohnzettel hingewiesen wird. Zurzeit liegt dieser sogenannte "Gender Pay Gap", also der Gehaltsunterschied in Deutschland bei ca. 22 Prozent. Viel geändert hat sich an dieser Zahl in den letzten Jahren nichts, und wenn man einer aktuellen Studie der Hilfsorganisation Oxfam glaubt, dauert es noch sehr, sehr lange bis es das tut. Ganze 61 Jahre nämlich. Und anderen Studien zufolge sind die Unterschiede beim Gehalt in manchen Branchen besonders hoch: etwa bei Architekten oder bei Köchen. Ein männlicher Koch verdient im Schnitt ein Viertel mehr als seine weibliche Kollegin.

Equal Pay als Menschenrecht

Die Forscher dieser Studie haben nun untersucht wie es um die gerechte Bezahlung in den G20-Staaten aussieht und dabei festgestellt, dass in fast allen großen Wirtschaftsländern erhebliche Unterschiede bei der Bezahlung von Frauen und Männern bestehen, die nur sehr langsam abgebaut würden. Dabei würde ein gleiches Lohnniveau beider Geschlechter wesentlich zum Wirtschaftswachstum der Länder beitragen – für die Eurozone etwa prognostizieren die Forscher 13 Prozent mehr Wachstum. Dabei geht es aber nicht nur darum, den Konsum anzukurbeln.

Gleiche Bezahlung von Frauen ist ein Menschenrecht, das auch als solches eingefordert werden müsse, so Oxfam. Nur so lasse sich das Leben aller in armen sowie reichen Staaten verbessern. Aber natürlich gibt es auch Gegenstimmen. So wird immer wieder bezweifelt, ob der durchschnittliche Gender Pay Gap von 25 Prozent tatsächlich stimmt. Die Forscher des konservativen US-Think Tank 'American Enterprise' behaupten etwa, diese Zahl sei überzogen. Dazu muss man aber wissen, dass sich dieser konservative Politik-Zirkel auch gern mal von Ölkonzernen bezahlen lässt, um später etwa die Zahlen zum Klimawandel anzuzweifeln...

Fest steht: Die Zahl von 22 Prozent Unterschied in Deutschland, die das Statistische Bundesamt herausgibt, steht für den sogenannten unbereinigten Lohnunterschied, dabei wird – egal, welche Position, Qualifikation oder Branche – der durchschnittliche Frauenlohn mit dem eines Mannes verglichen. Schaut man dann genauer hin, kommt man auf die bereinigte Differenz. Bei der vergleicht man die Jobs auf Augenhöhe, also dieselbe Branche, Position, Ausbildung. Hier kommen die Statistiker immerhin noch auf sieben Prozent Unterschied. Wirtschaftsnahe Institute halten diese Zahl zwar immer noch für zu hoch. Sie behaupten lediglich, der Unterschied läge höchsten bei zwei Prozent. Eins bleibt bei allen Zahlenspielereien aber gleich: die Ungerechtigkeit.

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