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Equal Pay Day 2015 : 79 Tage haben Frauen umsonst gearbeitet!

Frau selbstbewusst im Berufsleben.
Equal Pay Day 2015 © goodluz - Fotolia

Equal Pay Day: Was zählt, ist ein starker Auftritt!

Stell dir vor, du hast 79 Tage umsonst gearbeitet, während deine männlichen Kollegen in der Zeit für die gleiche Arbeit bezahlt werden! Zählt man die Tage ohne Gehalt ab dem 1. Januar, sind diese 79 Tage am 20. März vorbei: Dann ist der Equal Pay Day – für eine faire Bezahlung von Frauen.

Von Jutta Rogge-Strang

Liebe Frau,

da gehst du jeden Tag zur Arbeit und machst deinen Job so gut wie möglich. Genauso wie dein Kollege, der exakt dieselbe Arbeit tut wie du. Und am Monatsende gibst du dich zähneknirschend damit zufrieden, dass dein Kollege nebenan mehr Gehalt bekommt als du. Der hat das ja auch verdient, ist schon länger in der Position und hat immer in Vollzeit gearbeitet. Schon okay. Aber tröste dich: Wenn du verheiratet bist, verdient dein Mann ja wahrscheinlich auch etwas mehr als seine Kolleginnen, und dann gleicht sich das wieder aus.

Was sagst du? Doch nicht alles gut? Du bist mit der Gesamtsituation unzufrieden? Du glaubst, die Welt ist schlecht zu dir und du ein Opfer der Umstände? Dann schau doch mal in den Spiegel. Musste es denn unbedingt ein Studium der Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften sein? Warum bist du nicht Ingenieurin geworden oder hast Elektrotechnik oder Maschinenbau studiert? Oder Jura?

Und selbst wenn du kein Orchideenfach studiert oder einfach einen frauentypischen Beruf wie Erzieherin oder Krankenschwester gelernt hast: Reden wir über deine letzte Gehaltserhöhung, dein letztes Gespräch mit deinem Chef (oder deiner Chefin). Bist du da selbstbewusst aufgetreten, hast gezeigt, was du kannst und verdienst? Oder warst du wieder mal die Bittstellerin, die sich nicht traut, weil ihr verhandeln und der starke Auftritt nicht liegen – anders als bei deinen männlichen Kollegen?

Equal Pay Day: Jetzt krempel die Ärmel hoch!

Ach, und hattest du mit deinem Mann nicht verabredet, dass ihr euch beide um die Kinder kümmern wolltet? Und, wie klappt das? Ziehst du das knallhart durch, oder bist du doch auf einmal die Mutterglucke – und das womöglich auch noch gerne? Hast du nicht auch sehenden Auges auf die Karriereleiter verzichtet, weil du deinen Kindern das Bestmögliche mit für den Start ins Leben geben willst?

Obwohl dir völlig klar war, dass hinter deinem Rücken andere im Job an dir vorbeiziehen, hast du jahrelang deine Kinder bei Krankheiten gepflegt, sie bekocht und betütelt, hast dir ihre großen und kleinen Sorgen angehört und versucht, ihnen immer und überall zu helfen. Du hast deinen Kindern bei den Hausaufgaben geholfen, sie mit dem Mama-Taxi regelmäßig durch die halbe Stadt gefahren, damit sie pünktlich zum Klavier-, Ballett-, Fußball- oder Schwimmunterricht kommen, du hast sie getröstet, wenn andere gemein waren, bist mit ihnen regelmäßig zum Arzt und Kieferorthopäden gegangen. Du hast dir unzählige Theater- und Tanzaufführungen angeschaut und dich gefühlte Jahre auf Tennis-, Fußball- oder Hockeyplätzen herumgetrieben. Du hast deinen Kindern Mut gemacht, sie gelobt und geliebt.

Mal ganz ehrlich: Bravo, da hast du einen tollen Job gemacht. Aber hast du dich auch schon mal um dich selbst so intensiv gekümmert? Warum eigentlich nicht? Du hast dich doch schon so oft mit Kinderärzten, Trainern und der Kita-Leitung angelegt, um die Interessen deiner Kinder zu vertreten. Jetzt ist es an der Zeit, deine eigenen Interessen zu vertreten – mit demselben Engagement! Du kannst doch was: Du machst bessere Schulabschlüsse als die Männer und schneidest im Studium besser ab. Du hast wirklich allen Grund, selbstbewusst zu sein. Im Privatleben hast du es doch auch geschafft, deine Meinung zu sagen. Das geht bei deinem Chef genauso gut. Und zwar nicht schüchtern, sondern souverän.

Natürlich ist es schwer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Aber da hilft kein Heulen und Zähneklappern: Krempele die Ärmel hoch und suche nach Lösungen. Vielleicht kannst du ja deinem Chef erzählen, dass dir die Betriebs-Kita damals sehr geholfen hat – deine Kinder aber jetzt in die Schule gehen und ein Betriebshort keine schlechte Idee wäre. Für deine Familie denkst du jeden Tag voraus – tu es auch mal für dich selbst.

Und denke immer daran, dass du nicht allein bist mit diesem Problem. Lass dich nicht entmutigen. Gewöhne dir an, deine Wünsche zu äußern und Bedürfnisse einzufordern. Sei nicht immer so schüchtern, das kann man üben! Sei offensiv und selbstbewusst, du hast es dir redlich verdient. Es ist völlig normal, Fehler zu machen. Aber stecke die Kritik ein, steh wieder auf und versuche es nochmal. Habe keine Angst davor, deine Meinung zu vertreten. Das ist dein gutes Recht. Auch kleine Schritte bringen dich voran: Jammere nicht, sondern mache. Los geht`s!

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