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Entlastung für Mütter in der Rushhour des Lebens

SO wenig Zeit haben junge Eltern wirklich
SO wenig Zeit haben junge Eltern wirklich Rushhour des Lebens 00:00:29
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Burnout der Mütter durch mehr Unterstützung vermeiden

Rund 61 Stunden in der Woche sind Mütter von kleinen Kindern mit Haushalt, Kinderbetreuung, Job und Pendeln beschäftigt. Das ist eindeutig zu viel: Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung fordert nun eine bessere Entlastung in der 'Rushhour des Lebens'.

Von Jutta Rogge-Strang

Eltern sind im Stress, und besonders die Mütter mit Kindern bis neun Jahren haben eine extreme Arbeitsbelastung: Rund 61 Wochenstunden verbringen sie mit Haushalt (23 Stunden), Kinderbetreuung (17), Job (15) und Pendeln (7). Männer arbeiten ähnlich viel, verbringen jedoch mehr Zeit im Job als mit Haushalt und Kinderbetreuung.

In dieser Lebensphase sollen Eltern besser entlastet werden, fordert das Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Die Arbeitszeit sollte sich stärker dem Familienzyklus anpassen, so Forschungsdirektor Martin Bujard. Denn Stress macht krank: Krankenkassen haben schon längst auf die Zunahme psychischer Erkrankungen hingewiesen. Im Lebensalter zwischen dreißig und fünfzig Jahren seien Menschen besonders gefährdet, bis hin zum Burnout.

Mütter haben maximal zehn Stunden Freizeit pro Woche

Kein Wunder, denn innerhalb weniger Jahre müssen wichtige Lebensentscheidungen gleichzeitig getroffen werden: Einen Partner finden, den Berufseinstieg schaffen, Kinder bekommen, ein Haus bauen und eventuell die Eltern pflegen. Die Kinder sollen glücklich sein und die Chefs zufrieden - eine fast übermenschliche Aufgabe.

Am deutlichsten wird diese Rushhour des Lebens bei berufstätigen Müttern. Laut Statistik schlafen sie weniger, duschen seltener, essen schneller, zerrissen zwischen Familie und Beruf. Nur drei bis zehn Stunden pro Woche haben junge Eltern für sich allein, erst im Kindergartenalter lässt das Hausarbeitsvolumen etwas nach. Eine spürbare Entlastung zeigt sich aber erst, wenn das jüngste Kind im Grundschulalter ist.

Dabei ist vor allem bei Frauen die Arbeitsbelastung über das gesamte Erwerbsleben hinweg sehr ungleich verteilt. Mütter von kleinen Kindern müssen sehr viel organisieren und planen, um Familien- und Erwerbsleben möglichst unter einen Hut zu bekommen. Oft bedeutet die Entscheidung für die Familiengründung auch Verzicht auf die eigene Karriere. Später finden viele dann jedoch keinen angemessenen Job mehr, der ihrer Qualifikation entspricht. Krankenkassen weisen zudem auf die Zunahme psychischer Erkrankungen während der Rush-Hour des Lebens hin, bis hin zum Burnout.

Das muss der Arbeitsmarkt berücksichtigen, findet das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Denkbar wären wechselnde Arbeitszeiten im Verlauf des Lebens: Zum Beispiel eine erste, arbeitsintensive Phase des Berufseinstiegs, anschließend eine Reduzierung der Arbeitszeit während einer Familienphase und eine späte Phase mit der Möglichkeit einer reduzierten Wochenarbeitszeit, zum Beispiel als Altersteilzeit. Eine lebensorientierte Arbeitszeit soll die individuelle Work-Life-Balance fördern und der betrieblichen Gesundheitsförderung dienen.

Bis es aber soweit ist, müssen wir uns selbst helfen. Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse und bauen Sie sich kleine Pausen in den Alltag ein. Da hilft auch mal der schnelle Espresso auf dem Weg von der Arbeit zur Kita, der Spaziergang in der Mittagspause oder zehn Minuten bewusstes Nichtstun. Denn wir haben keine Wahl: Das Warten auf ruhigere Zeiten dauert einfach zu lange.

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