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Entbindung: Soll der Mann im Kreißsaal dabei sein?

Wenn der Mann im Kreißsaal sitzt

Früher waren Geburten reine Frauensache, heute gehören Männer genauso dazu. Richtig so, finden die meisten werdenden Mütter. Allerdings tut man sich nicht immer einen Gefallen, wenn der Partner mit in den Kreißsaal kommt. Zumindest, wenn dieser besonders an Anatomie interessiert ist.

Entbindung: Soll der Mann im Kreißsaal dabei sein?
© Kati Molin - Fotolia, Kati Molin

Von Merle Wuttke

Männer im Kreißsaal - das ist eigentlich mittlerweile das Normalste der Welt. Die werdenden Väter von heute begleiten ihre Frauen ganz selbstverständlich zum Hechelkurs, sprich zur Geburtsvorbereitung, kennen sich mit Dammmassage aus und wissen, ab welchem Wehenabstand man in die Klinik fahren muss. Vor ein paar Jahrzehnten noch war das undenkbar. Damals kamen die baldigen Papas irgendwann ins Krankenhaus gefahren, meist, wenn die ganze Sache sowieso schon gelaufen war. Danach zündeten sie sich eine teure Zigarre auf das Wohl ihres neugeborenen Kindes an und verabschiedeten sich kurz darauf wieder nach Hause - erst einmal Ausschlafen nach der ganzen Aufregung. Ja, danke für Hilfe, Schatz.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei, dafür haben manche junge Mütter und Väter ein paar neue Probleme. Die Männer, weil von ihnen heute wie selbstverständlich erwartet wird, dass sie bei der Geburt dabei sind - auch wenn sie das in Wirklichkeit gar nicht wollen, das aber nicht sagen dürfen, weil quasi politisch unkorrekt. Die Frauen, weil sie ihre Partner nicht vor den Kopf stoßen möchten, aber eigentlich lieber eine Freundin als den nervösen Mann an ihrer Seite hätten. Beide, weil sie nicht wissen, wie das gemeinsame Geburtserlebnis sich auf ihr Vertrauensverhältnis und ihre Beziehung, insbesondere auf ihr Sexleben, auswirken wird.

Bei der Geburt zeigen wir unser wahres Gesicht

Jede Frau, die schon ein Kind entbunden hat, weiß nämlich: Erst im Kreißsaal lernt dein Mann dich kennen. Hier macht man sich so richtig nackig und kehrt sein Innerstes nach Außen - und zwar im wahrsten Sinne. Und die Frage ist tatsächlich: Hält das der Partner aus? Hält man sich selbst aus? Für eine Geburt braucht man verdammt viel Vertrauen - in die eigene Stärke, den eigenen Körper, in den Liebsten. Damit man sich fallenlassen und sich voll auf diese irre, manchmal Furcht einflößende und wunderbare Erfahrung einlassen kann.

Wenn man jedoch die ganze Zeit daran denkt, was wohl der Partner über einen denkt, wenn er einen so stöhnend und schreiend mit dem Becken kreisend oder auf allen vieren durch das Geburtszimmer wandernd sieht, hat man ein Problem. Eine Geburt ist nicht gerade ein Schönheitswettbewerb und eröffnet ganz neue Einblicke in den weiblichen Körper - manche Männer halten das eher schlecht aus und bleiben ihr Leben lag traumatisiert vom Blick in den Geburtskanal.

Deswegen gilt im Kreißsaal immer die Devise: ab nach hinten! Der Mann sollte im Rücken der Frau sitzen und nicht mitten ins Geschehen gucken. Ist für die Erotik garantiert förderlicher. Sicherlich gibt es aber auch unter Vätern Kandidaten, die alles ganz genau wissen wollen und jeden Moment dokumentieren - der blanke Horror in Zeiten der digitalen Vernetzung.

Hat Schauspieler Jason Biggs ('American Pie') ja gerade erst vorgemacht, als er die Geburt seines ersten Kindes übers Netz verbreitete. Ich weiß noch, wie der Mann einer Bekannten mal zum Filmabend lud und plötzlich alle Gäste zwischen die Beine seiner Frau schauten: "Guckt mal, da kommt das Köpfchen!", lautete sein fröhlicher Kommentar zu der Szene. Zum Glück gab es damals weder YouTube, Instagram oder Twitter. Die beiden wären schon vor dem ersten Geburtstag des Kindes getrennte Leute gewesen.

Also, auch im Kreißsaal gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser und das Smartphone bleibt zu Hause. Wie auch manchmal lieber mancher Mann.

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