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Engpässe bei Narkosemittel für ambulante OPs und Kinder: Teilweise nur noch Vorräte für zwei Wochen

Operationen sollen aber nicht ausfallen
Narkosemittel wird knapp © iStockphoto, istock, yokhub

Ärzte schlagen Alarm

Wenn operiert wird, brauchen die Patienten ein Narkosemittel, damit sie während des Eingriffs keine Schmerzen empfinden. Aktuell wird aber ein bestimmtes Präparat für ambulante Operationen und Kinder knapp. Mancherorts reicht der Vorrat nur noch für zwei Wochen.  

Wichtiges Narkosemittel mit dem Wirkstoff 'Remifentanil' kann nicht geliefert werden

In Deutschland geht den Ärzten gerade ein wichtiges Narkosemittel aus. Die Vorräte reichen in manchen Kliniken nur noch für zwei Wochen. Schuld daran sind Lieferschwierigkeiten. Betroffen sind Präparate mit dem Wirkstoff Remifentanil, die bei ambulanten Operationen und bei Kindern eingesetzt werden. Der Wirkstoff wird unter dem Namen 'Ultiva' vertrieben und von nur sechs Pharmafirmen weltweit hergestellt.


Die Knappheit ist so bedenklich, weil das Mittel einen Marktanteil von rund 80 Prozent hat. Das liegt daran, dass der Wirkstoff entscheidende Vorteile gegenüber anderen Narkosemitteln hat. Der Patient kann schnell in eine tiefe Narkose versetzt werden, das Aufwachen ist schneller und es wirkt gezielt. Diese Aspekte sind besonders bei den ambulanten OPs und bei Kindern essenziell. Denn bei Kindern ist ein schneller und punktgenau einstellbarer Abbau des Wirkstoffs nach der Operation besonders wichtig. Bei ambulante OPs ebenso, damit der Patient nach dem Eingriff nach Hause gehen kann.


Laut einem Bericht der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' sind 3.500 niedergelassene Anästhesisten und die Abteilungen in Krankenhäusern, die ambulante Operationen durchführen, von den Lieferschwierigkeiten betroffen.

Wie kommen die Lieferschwierigkeiten zustande?

Warum es zu den Engpässen kommt, ist bisher nicht bekannt. Spekuliert wird über Verunreinigungen bei den Grundstoffherstellern oder auch, dass die Produkte aus wirtschaftlichen Gründe in andere Märkte geliefert würden. Das 'Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte' (BfArM) weiß über die Misere Bescheid und das schon seit Ende 2016. Im März wurden Gespräche mit allen Akteuren gesucht, jetzt steht eine weitere Abstimmungsrunde an. Der Sprecher des BfArM Maik Pommer sagte dazu: "Ziel ist es, möglichst schnell die Versorgung aller Patienten sicherzustellen". Der Wirkstoff wird angeblich wieder produziert, aber Engpässe bleiben durch die Verzögerungen dennoch bestehen.

Müssen Operationen verschoben werden?

Nein, Operationen müssen nicht verschoben werden. Ärzte versuchen die Engpässe mit anderen Narkosemitteln aufzufangen. Nur die Abläufe müssten angepasst werden, da die Patienten durch die längere Aufwachphase auch länger beobachtet werden müssen. Auch haben andere Narkosemittel andere Nebenwirkungen, auf die sich die Ärzte einstellen müssen.

Nicht nur Narkosemittel, auch einige Impfstoffe und Medikamente sind knapp

Auf der Seite des 'Paul-Ehrlich-Instituts' informiert die 'Ständige Impfkommission' (STIKO) über Lieferschwierigkeit bei humanen Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten. Zuletzt vermeldeten sie die Knappheit der Kombiimpfung 'Diphtherie- Tetanus- Pertussis'. Diese Impfung schützt unter anderem vor Keuchhusten. Schon seit Wochen gibt es Lieferengpässe, aber ab Mitte Mai soll der Impfstoff laut STIKO wieder erhältlich sein.
Auch das BfArM veröffentlicht alle aktuellen Informationen zu Lieferengpässen von Medikamenten auf ihrer Webseite.

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