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Endometriose: Unerträgliche Regelschmerzen

Endometriose: Erste Warnzeichen erkennen
Endometriose: Erste Warnzeichen erkennen Schlimmstenfalls droht Unfruchtbarkeit 00:02:52
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Endometriose: Jede zehnte Frau betroffen

„Probleme hatte ich oft. Aber an mindestens zwei Tagen im Monat war es so schlimm, dass ich nur noch schmerzgekrümmt im Bett liegen konnte.“ Die 34-jährige Claudia blickt auf eine lange Leidensgeschichte zurück. Die Ursache: Endometriose - eine Krankheit, die häufig lange unentdeckt bleibt.

Endometriose: Unerträgliche Regelschmerzen
Wenn die Tage unerträglich schmerzhaft sind, könnte es Endometriose sein

Von Daniele Erdorf

Kurz vor und an den ersten Tagen der Monatsblutung war es für Claudia immer besonders schlimm. "Starke Bauchschmerzen hatte ich seit meiner ersten Menstruation, aber mit den Jahren wurde das immer schlimmer". Sie sprach mit ihrem Frauenarzt darüber. Der konnte bei einer Routineuntersuchung nichts feststellen und tippte auf prämenstruelles Syndrom in Verbindung mit Regelschmerzen. Die Therapie: Schmerztabletten und Wärmflasche. Mit Anfang Zwanzig wechselte Claudia den Arzt, der riet ihr zur Antibabypille und siehe da, es wurde dank der Hormongaben besser.

Unfruchtbar durch Endometriose

"Als ich dann mit 30 ein Baby wollte und die Pille absetzte, ging das monatliche Drama von vorne los". Tapfer hielt Claudia ein Jahr lang durch, nur schwanger wurde sie nicht. Die psychische Belastung war enorm. Und dann hatte sie neuerdings immer wieder Blut im Urin. Der Hausarzt, der sie wegen Blasenentzündung behandelt hatte, gab ihr schließlich den entscheidenden Tipp: Claudia wechselte erneut den Gynäkologen und wandte sich an einen Spezialisten für Frauen mit Kinderwunsch. Eine Bauchspiegelung brachte die Klärung: Claudia hatte eine ausgeprägte Endometriose mit Zystenbildung, die bereits an Teilen der Blase und des Darms wucherte.

"Fälle wie diesen erleben wir leider häufig", berichtet Professor Thomas Römer, Chefarzt der Gynäkologischen Abteilung des Evangelischen Krankenhauses Köln-Weyertal - eines von zehn Endometriose-Zentren in Deutschland. Liegt Endometriose vor, wuchert die Gebärmutterschleimhaut in den Bauchraum hinein. Das Tückische an der Krankheit: Sie wird oft erst spät richtig diagnostiziert. "Statistisch vergehen sechs Jahre vom ersten Auftreten der Symptome bis hin zur Feststellung der Erkrankung", so Römer. Das dauert zu lange, vor allem wenn die betroffenen Frauen Kinder möchten.

Häufig Ursache für Unfruchtbarkeit

Die Ursache für die Auswucherung der Gebärmutterschleimhaut ist bis heute nicht eindeutig geklärt. "Etwa 10 Prozent aller Frauen zwischen 15 und 50 Jahren leiden an Endometriose", so Römer. "Ein Viertel aller Fruchtbarkeitsstörungen gehen auf diese Erkrankung zurück. In machen Fällen ist die Endometriose so schlimm, dass die Betroffenen bis zu 45 Arbeitstage im Jahr krankgeschrieben sind."

Aber warum dauert es so lange, bis die Endometriose entdeckt wird? Thomas Römer: "Viele Frauen meinen, starke Schmerzen seien bei der Menstruation normal und müssten einfach ausgehalten werden." Mütter geben ihren Töchtern das heute noch mit auf den Weg. Erst wenn die Symptome immer schlimmer werden, kommen die Frauen zum Gynäkologen. "Es kann bis zu drei Jahre dauern, bis das Problem von den Betroffenen überhaupt angesprochen wird", so Römer.

Hinzu kommt, dass Endometriose schwer zu diagnostizieren ist und die Symptome nicht selten falsch interpretiert werden. "Es gibt keine Marker im Blut, die es ermöglichen, die Endometriose per Blutentnahme festzustellen", so Römer weiter. Und: "Eine Ultraschalluntersuchung kann Hinweise geben, muss sie aber nicht." Der einzig sichere Weg ist die Bauchspiegelung (Laparoskopie) unter Vollnarkose. Dabei wird durch einen winzigen Schnitt hindurch ein Blick in den Bauchraum geworfen.

Für Claudia hat die Bauchspiegelung vor drei Jahren die endgültig Klärung gebracht. Die Wucherungen wurden entfernt und sie wurde tatsächlich einige Monate später schwanger." Heute frage ich mich, warum ich nicht schon früher auf einer gründliche Abklärung meiner Schmerzen bestanden habe."

Wucherungen an der Schleimhaut

Untersuchung beim Arzt
Endometriose bleibt häufig lange unerkannt © Alexander Raths - Fotolia, Alexander Raths

Der Name Endometriose ist abgeleitet von Endometrium, der medizinischen Bezeichnung für Gebärmutterschleimhaut. Diese Schleimhaut kleidet die Innenseite der Gebärmutter (Uterus) aus. Sie verändert sich im Lauf eines jeden Monatszyklusses. Kommt es zur Schwangerschaft, nistet sich das befruchtete Ei in der Schleimhaut ein. Erfolgt keine Befruchtung, wird das Endometrium größtenteils mit der Monatsblutung abgestoßen und neu gebildet.

Bei der Endometriose kommt es zu Wucherungen der Schleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Solche Endometrioseherde können sich überall im Körper ansiedeln, am häufigsten jedoch auf den Haltebändern der Gebärmutter, den Eierstöcken, dem Bauchfell und im so genannten Douglasraum. Der Douglasraum liegt hinter dem Uterus und ist der tiefste Punkt in der Bauchhöhle. Auch Blase und Darm sind gelegentlich von Wucherungen betroffen. In sehr seltenen, aber besonders schlimmen Fällen kann es zu Ablagerungen der Endometrioseherde am Zwerchfell oder in Narben kommen.

Vielfältige Symptome

Wird gegen die Wucherungen nichts unternommen, breiten sie sich immer weiter aus. Die abgesiedelten Endometrioseherde reagieren fast genau so auf die monatlichen hormonellen Veränderungen wie die Schleimhaut in der Gebärmutter. Sie werden gebildet und abgebaut und auch sie bluten zyklisch. Anders als beim Uterus, kann das Blut jedoch nicht abfließen und es kommt beispielsweise zu Zystenbildung in den Eierstöcken. Diese werden, wegen der dunklen Farbe, auch Schokoladen- oder Teerzysten genannt. Außerdem sind schmerzhafte Verwachsungen der Organe möglich.  

Folgende Symptome können für eine Endometriose sprechen:

- Schmerzen kurz vor oder während der Periode, die so stark sind, dass regelmäßig Schmerzmittel gebraucht werden

- Chronische Unterbauchschmerzen, die durch entzündliche Prozesse oder Verwachsungen ausgelöst werden

- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

- Schmerzen bei Wasserlassen und/ oder beim Stuhlgang

- Blut in Urin und/ oder Stuhl

- Unerfüllter Kinderwunsch

 

Thomas Römer vom Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal und Chef des Endometriose-Zentrums rät: "Sobald Sie kurz vor oder während der Monatsblutung regelmäßig Schmerzmittel nehmen müssen, sollten Sie mit Ihrem Gynäkologen über die Möglichkeit einer Endometriose sprechen. Falls der Verdacht erkrankt zu sein tatsächlich besteht, sollten Sie nicht vor einer Bauchspiegelung zurückschrecken. Sie erfolgt unter Narkose und ist oft auch ambulant möglich."

Ursachen ungeklärt

Bauchschmerzen
Bauchschmerzen können ein Hinweis sein © absolutimages - Fotolia

Ursachen und Entstehungsprozesse der Endometriose sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Im Wesentlichen werden zwei Theorien vertreten:

- Implantations-Theorie: Diese These geht davon aus, dass Endometriumzellen zu anderen Körperstellen übersiedeln. Dieser Prozess erfolgt entweder durch Tiefenwachstum, also Eindringen der Schleimhaut in die Gebärmuttermuskulatur, oder durch Austreten des Menstruationsblutes in die Bauchhöhle hinein. Es wird auch Verschleppung der Endometriumzellen über die Blutwege diskutiert.

 

- Metaplasie-Theorie: Hierbei wird angenommen, dass die Endometriose durch Veränderungen bestimmter Zellen ausgelöst wird, die aus der gleichen Zelllinie kommen, wie die Gebährmutterschleimhaut.

Beiden Erklärungsmodellen gemeinsam ist die Annahme, dass Endometriose nicht durch die Lebensweise oder Umwelteinflüsse begünstig wird.

Hauptrisikofaktor für das Entstehen ist die Menstruation selbst, da mit dem Bluten die Ablösung der Schleimhaut und Zelltransporte einhergehen. Frauen, deren Regelblutung früh und deren Menopause spät einsetzten, sind stärker gefährdet. Frauen, die hormonell verhüten und die Periode dabei unterdrücken - beispielsweise mit der Antibabypille - haben ein geringes Endometriose-Risiko. In der Menopause bildet sich die Endometriose nahezu vollständig zurück.

So lässt sich Endometriose behandeln

Endometriose ist eine chronische, aber therapierbare Erkrankung. Folgende Therapien sind derzeit möglich:

- Operative Therapie

Mit der Bauchspiegelung, der Laparoskopie, wird zum einen der Befund gesichert, zum anderen werden die Endometrioseherde direkt entfernt. Durch winzige Schnitte in der Bauchdecke werden zunächst die Wucherungen oder Zysten mit der Kamera lokalisiert, dann werden sie - sofern sie operabel sind - entfernt.

- Hormonelle Therapie

Sie wird zur Langzeitbehandlung leichterer Endometrioseverläufe sowie zu Behandlung nicht operabler Herde und zur Nachbehandlung eingesetzt. In dem durch Hormone die Blutung unterdrückt wird, sinkt das Risiko des Aufflackerns oder der Ausbreitung der Erkrankung.

- Akupunktur

Akupunktur wird häufig zur Schmerzbehandlung eingesetzt.

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