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Emotionales Fremdgehen: Wenn der Partner eine seelische Geliebte hat

Birgit Ehrenberg
Birgit Ehrenberg gibt Tipps in Sachen Liebe

Geist, Witz und Herz statt Bauch, Beine, Po

Für die meisten Frauen ist es eine Katastrophe, wenn sie betrogen werden. Allein die Vorstellung, dass der Partner eine andere Frau berührt, ihre Haut streichelt, sie küsst, sie umarmt, schmerzt kolossal. Fremdgehen, das ist bei den meisten Menschen sexuell konnotiert und ruft schon in der Fantasie Eifersuchtsattacken und Verlustängste hervor. Kommt es dann wirklich zum Betrug, bedeutet das oft das Ende der Beziehung, sexuelle Exklusivität gilt als der Parameter schlechthin für wahre Liebe.

Was aber, wenn man gewissermaßen seelisch hintergangen wird, wenn der Partner nicht den Körper einer anderen Frau begehrt und berührt, sondern ihre Seele? Was macht das mit einem? Wo tut das weh? Tut das überhaupt weh, wenn der Mann gewissermaßen emotional fremdgeht? Oder kann man das großzügig verarbeiten und akzeptieren, weil der Körper nicht mit im Spiel ist?

Auf die Idee, über dieses total spannende Thema nachzudenken, hat mich der Hamburger Paarberater und Autor Eric Hegmann gebracht. Er erlebt in seiner Praxis, dass mehr und mehr innige Verbindungen außerhalb der bestehenden Beziehung entstehen, die ohne jede Erotik auskommen und trotzdem "heiß" sind.

Hegmann nennt das eine emotionale Affäre, die "Rivalin" lockt und verführt in dieser Konstellation mit Geist, Witz und Herz – und nicht mit Bauch Beine Po. “Amour Fou“ mit Kopf und Seele, ein spirituelles Dreiecksverhältnis, das die Partnerschaft ernsthaft gefährden kann, so Hegmann.

Schlimmer noch als ein One-Night-Stand

"In dem Moment, wo ein Mann denkt 'darüber kann ich mit meiner Frau nicht reden, sie versteht das nicht, aber meine Kollegin, sie ist meine Seelenverwandte' schließt das die Partnerin aus. Die geistig-seelische Nähe mit einer anderen Frau kann früher oder später dazu führen, dass die Sehnsucht entsteht, diese Intimität körperlich umzusetzen. Und das trägt einen ganz anderen Zündstoff in sich, als wenn der Mann einen One-Night-Stand hat, der ihm nichts bedeutet, weil er die Frau zwar sexy, aber ansonsten bedeutungslos findet.“

Wer mit einem anderen Menschen nach bestem Wissen und Gewissen eine emotionale Affäre führt, in dem Glauben, dass er doch treu ist im konventionellen Verständnis, lebt gefährlich. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob das heißt, dass Frauen und Männer nicht befreundet sein können, die vielzitierte platonische Freundschaft also unmöglich ist. Hegmann unterscheidet die emotionale Affäre von der platonischen Freundschaft. Er hat beobachtet, dass die Gefühle für die emotionale Geliebte durchaus schwärmerisch sind, die Züge von Verliebtheit tragen und insofern ganz anders "gelagert" sind als Gefühle in einer kumpelhaften Freundschaft.

Wenn man so will, ist in der emotionalen Affäre der erotische Keim bereits gelegt. Besonders brisant: Wenn die emotionale Affäre geheimgehalten wird. Das verstärkt die Anziehung noch.

Wie schützt man sich gegen die Versuchung, eine emotionale Affäre anzufangen? Eric Hegmann: "Man kann davon ausgehen, dass hinter dieser Form des Betrugs unbefriedigte Bedürfnisse stecken. Vielleicht ist eine Veränderung in der Partnerschaft der Anlass, die Geburt eines Kindes, Stress im Beruf, eine allgemeine Sinnkrise, vielleicht fühlt man sich zu kurz gekommen. Wer seine Beziehung erhalten will, dem rate ich zu Offenheit, zur Transparenz.

Wünsche müssen auf den Tisch, auch wenn sie "nur" geistig-seelischer Natur sind, jede Art von Unterdrückung und Geheimniskrämerei ist ein Vertrauensbruch, der den Anfang vom Ende bedeuten kann.“

Dem kann ich nichts hinzufügen. Liebe leicht gemacht, Danke, Herr Hegmann!

Alles Liebe, Eure Birgit

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Wann er dir am ehesten fremdgeht Seitensprung-Alarm! 00:01:31
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