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Emma Watson hält UN-Rede: "Feminismus ist kein Männer-Hass"

Emma Watson: Bewegende Feminismus-Rede

Die britische Schauspielerin Emma Watson (24) ist hauptsächlich durch ihre Rolle als Hermine in den Harry-Potter-Filmen bekannt geworden. Aber die zierliche Stil-Ikone hat noch mehr drauf: Seit Juli ist sie UN-Sonderbotschafterin und hielt nun eine bewegende Rede für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Dafür gab es viel Applaus – und Drohungen.

Emma Watson räumt mit dem Emanzen-Klischee auf: "Feminismus ist kein Männer-Hass"
UN-Botschafterin Emma Watson setzt sich für Frauenrechte und Gleichberechtigung ein. © picture alliance / landov

Von Jutta Rogge-Strang

"Männer, die Gleichberechtigung der Geschlechter ist auch eure Angelegenheit“, erklärte Emma Watson vor den Vereinten Nationen in New York: "Kein Land der Welt kann bislang behaupten, eine Gleichberechtigung der Geschlechter erreicht zu haben." Dabei profitierten auch Männer davon, denn sie seien genauso Opfer von Rollenklischees wie die Frauen. Niemals dürften sie eine Schwäche zeigen und Hilfe suchen, wenn es ihnen schlecht gehe.

"Tatsächlich ist Selbstmord Todesursache Nr. 1 für Männer zwischen 20 und 49 in Großbritannien", so Watson in ihrer Rede. "Sowohl Männer als auch Frauen sollten sich sensibel fühlen dürfen, sowohl Männer als auch Frauen sollten sich stark fühlen dürfen. Wir wollen nicht darüber sprechen, dass Männer in geschlechtstypischen Stereotypen gefangen sind, aber ich kann sehen, dass sie es sind." Da gibt es allerdings noch viel zu tun, besonders auch für die Frauen.

Das Image des Femininsmus ist in den letzten Jahren mehr und mehr negativ besetzt: Männer-Hasserinnen und Kampf-Emanzen prägen heutzutage das öffentliche Bild einer Feministin. Dabei haben unsere „Schwestern“ schon viel erreicht im letzten Jahrhundert: Ja, wir Frauen dürfen heute wählen und arbeiten gehen, ohne unseren Mann fragen zu müssen. Wir leben in Patchworkfamilien, bringen mit größter Anstregung Familie und Beruf unter einen Hut, kümmern uns um die Kinder, treiben Sport und achten auf unsere Figur. Aber hat uns der Feminismus wirklich mehr gebracht als irre viel Arbeit und Stress?

Der Kampf für Gleichberechtigung & Frauenrechte ist noch lange nicht am Ende

Ich kenne junge Frauen, die mit Feminismus absolut nichts am Hut haben: Warum auch, offiziell sind sie gleichberechtigt. Sie haben noch keine Ahnung davon, dass sie bei gleicher guter Arbeit schlichtweg weniger Geld verdienen als ihre männlichen Kollegen. Und wenn es einen besseren Job zu besetzen gilt, zieht der männliche Bewerber kalt lächelnd an ihnen vorbei. Es sei denn, die Position soll bevorzugt – also unter Druck von oben – mit einer weiblichen Bewerberin besetzt werden. Das bedeutet natürlich, dass sie im Grunde genommen für die Position nicht besser geeignet sind, sondern nur eine Quote erfüllen. Toll für das Selbstbewusstsein.

Aber auch das hat Emma Watson erkannt: "Je mehr ich über den Feminismus spreche, desto mehr merke ich, dass der Kampf für Frauenrechte zu einem Synonym für Männer-Hass geworden ist." Feministinnen würden oft als zu stark, zu aggressiv, unattraktiv und Männer-hassend wahrgenommen: "Das muss aufhören." Wenn auch Männer von Stereotypen befreit würden, würde sich automatisch auch die Lage der Frauen verbessern. Es lohne sich, weiter dafür zu kämpfen.

Um dieses Ziel zu erreichen, stellte Emma die neue UN-Kampagne „HeForShe“ vor, die für Gleichberechtigung der Geschlechter in der Welt werben soll. Einer der ersten Unterzeichner war UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: "In den vergangenen sieben Jahren habe ich mehr Frauen in hohe Posten befördert als in den vergangenen sechs Jahrzehnten der UN-Geschichte davor." Emma Watson ist überzeugt, dass davon alle profitieren werden: "Denn dann können wir alle freier leben und darum geht es schließlich bei der 'HeForShe'-Kampagne: Um Freiheit."

Für diese schlaue Rede bekam Emma Watson von den versammelten UN-Botschaftern Standing Ovations und einen langen Applaus. In der Internet-Community hagelte es hingegen wüste Beschimpfungen und die Drohung, auch von ihr Nackt-Bilder ins Netz zu stellen. Es gibt wirklich noch viel zu tun!

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