Emma Watson hält erneut flammende Feminismus Rede - "Männer, ihr dürft weinen!"

Emma Watson sprach zum Weltfrauentag über Gleichberechtigung, im Live-Chat mit ihren Fans
Zum Weltfrauentag sprach Emma Watson über Gleichberechtigung, im Live-Chat mit ihren Fans © Jon Furniss/Corbis

Die erstaunliche Emma

Emma Watson hat es wieder getan. Anlässlich des Weltfrauentages sprach das ehemalige „Harry-Potter-Girl“ über die Themen Feminismus und Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Diesmal nicht vor der UN in New York, sondern in der Londoner Facebook-Zentrale. Die 24-Jährige war dabei wieder überzeugend, klug – und erstaunlich weitsichtig für ihr Alter.

Von Christiane Mitatselis

Die britische Schauspielerin ist Botschafterin der UN-Kampagne ‚He for She‘, und hier sagt der Name schon, worum es geht: Um harmonisches und gleichberechtigtes Zusammenleben von Frauen und Männern, um Solidarität. Nicht um Ausgrenzung von Männern, die oft mit dem Feminismus alter Schule aus den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts assoziiert wird.

„Feminismus hat nichts mit Männerhass zu tun“, sagte Emma Watson schon vor einem halben Jahr, als sie in New York sprach. In London, wo sie am Sonntag via Facebook gestellte Fragen beantwortete, bekräftigte sie diese Haltung. Und erläuterte ihr grundsätzliches Anliegen mit einer hübschen Anekdote.

„Ich fragte meine kleine Schwester, was sie in ihrem Leben von den Jungs erwarte“, erzählte Watson. „Und sie antwortete: Dass sie mit mir spielen! Ich glaube, das drückt es in jeder Beziehung aus: Wir wollen einfach eingeschlossen werden.“ Aber auch Männer und Jungen sollten zu ihren Rechten kommen, vor allem aus ihren Rollen ausbrechen dürfen, findet Watson – ihre Botschaft: „Männer, ihr dürft weinen! Es ist wichtig, Gefühle zu haben und sie zu zeigen.“

Adressiert an alle Menschen, die dennoch ein Problem mit dem Begriff Feminismus haben, sagte sie: „Wenn du an Gleichberechtigung glaubst, wenn dir die gleiche Bezahlung der Frauen am Herzen liegt, dann bist du schon Feminist. Sorry, dass ich dir das sagen muss.“ In New Yorker hatte sie dargelegt, dass sie selbst privilegiert sei, dass sie gleich bezahlt werde, ihr keine Zwangsverheiratung drohe, dass sie tun und lassen könne, was sie wolle. Und dass sie sich wünsche, dass Frauen dies eines Tages überall auf der Welt von sich sagen könnten.

"Meine Mutter wollte, dass ich immer ich selbst bin"

Und wer Emma Watson, die am 15. April 25 Jahre alt wird, zusieht und zuhört, der staunt irgendwann darüber, dass sich eine junge Schauspielerin so unaufgeregt, uneitel und besonnen mit diesem Thema befasst. Die Britin wurde schon mit elf Jahren ein Star, der frühe Ruhm scheint sie nicht verwirrt, sondern vielmehr reif und klug gemacht zu haben. Ihr Engagement wirkt jedenfalls nicht wie der Teil einer Ich-PR, die sonst oft bei Schauspielern zu beobachten ist. Nach dem Motto: Ich tue etwas für arme Kinder, das erhöht meine Sympathie-Werte. Charity-Engagements dieser Art erkennt man unter anderem daran, dass Stars in auswendig gelernten Phrasen darüber reden.

Ganz anders als die erstaunliche Emma Watson, die in London auch knifflige Fragen exzellent meisterte. Wie sie es mit „chivalry“ halte, wurde sie gefragt. Darf ein Kavalier ihr die Tür aufhalten oder sie zum Essen einladen? Oder sei das schon Sexismus? „Natürlich darf er das“, antwortete sie, „das ist nur höflich.“ Die Sache müsse aber einvernehmlich ablaufen: „Ich denke, der Schlüssel ist: Hättest du etwas dagegen, dass ich auch dir die Tür aufhalte oder dich einlade?“

Als Vorbild nannte sie ihre Mutter Jacqueline, die alleinerziehend war, nachdem sich die Eltern getrennt hatten, als Emma Watson fünf Jahre alt war. „Meine Mutter wollte, dass ich immer ich selbst bin und sie sagte mir, dass ein bisschen Rebellion gut ist.“ Das Erziehungskonzept scheint perfekt aufgegangen zu sein.

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