LIEBE LIEBE

Emma Holten im Interview: Mit Nacktfoto-Kampagne gegen die Verletzung der Intimsphäre

Plötzlich war sie eine öffentliche Frau

Emma Holten hat einen Alptraum hinter sich. Sie wurde ausgelacht, verhöhnt, beschimpft. Ihre intimsten Momente wurden öffentlich gemacht. Nacktbilder, die für ihren damaligen Freund bestimmt waren, tauchten plötzlich im Internet auf. Emma wurde zum unfreiwilligen Sex-Star. Doch jetzt schlägt die junge Frau zurück – und wurde mit ihrer Kampagne weltweit bekannt.

"Es war einfach sehr schwer für mich, mich nicht dauernd zu schämen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich jemals glücklich sein sollte, nachdem das passiert war", sagt die Journalistin. Jetzt wehrt sich die 23-jährige Dänin, wie es keine Frau zuvor getan hat. Mit einer Nacktfoto-Kampagne geht sie an die Öffentlichkeit - gegen die Verletzung ihrer Privatsphäre. Ihre spektakuläre Offensive sorgt weltweit für Schlagzeilen. Denn keine Frau sollte ungefragt zum Sexobjekt degradiert werden: "Es fühlt sich an wie ein Angriff auf deine Identität. So viele Leute missbrauchen deine Identität und deinen Namen. Missbrauchen, was du bist."

Die Auswirkungen für die meist jungen Opfer sind unvorstellbar, so Beate Krafft-Schöning. Sie schreibt seit über 10 Jahren Bücher zum Thema und gründete die Initiative Netkids. Vor allem der Vertrauensbruch kann traumatische Folgen haben. Mittlerweile verbreiten 81 Prozent der jungen Männer intime Aufnahmen, so eine österreichische Studie. In den USA drohen ihnen inzwischen Gefängnisstrafen.

Bei der Weitergabe von Fotos folgende Regeln beachten:

Emma Holten hat jetzt ihren eigenen Weg gefunden, sich gegen den Foto- und Videoterror zu wehren. Sie will nicht länger Opfer sein und geht mit einem Video in die Offensive, in dem sie jetzt ganz absichtlich neue Nacktbilder von sich präsentiert – so wie sie will und nicht irgendwelche Männer. "Ich bekomme extrem viele Unterstützungs-Emails. Viele andere Opfer aus der ganzen Welt sagen mir, dass sie sehr glücklich sind, dass eine Frau sich nicht dadurch fertigmachen lässt und zeigt, dass man etwas wert ist, auch wenn man nackt im Internet ist. Es hätte für mich nicht mehr schlimmer werden können. Es war so schlimm, dass es nur besser werden konnte. Und das tat es."

Emma will mit ihrer Aktion vor allem Männer für das Unrecht sensibilisieren. Wer trotz allem private Fotos von sich weitergeben möchte, sollte sich an einige einfache Regeln halten:

Weniger ist mehr: Nicht alle intimen Stellen abbilden, am besten auch das Gesicht nicht zeigen.

Fotos im Zweifel lieber zeigen statt senden. So behält man die Kontrolle. Wer doch Bilder verschickt, sollte den Empfänger sorgfältig auswählen und klarstellen, was mit den Bildern geschehen darf.

Alte Nacktbilder sollte man schnell löschen, falls das Handy einmal in falsche Hände gerät.

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