Emanzipation: Wie emanzipiert sind wir in Bett, Beruf und Familie?

Emanzipation
Wie emanzipiert sind Frauen wirklich? © carlosseller - Fotolia, Klaus Tiedge

Emanzipation im Bett: Sind One-Night-Stands tatsächlich akzeptiert?

Wir sind emanzipiert! Jawohl! Wir lassen uns in Beruf und Familie nicht reinreden und erst recht nicht im Bett. Zumindest sagt das eine Studie von 'Secret': 78 Prozent der 1.000 befragten Frauen zwischen 18 und 30 Jahren finden es selbstverständlich, offen mit ihrem Partner über ihre Sex-Wünsche zu sprechen. Außerdem sind Single-Frauen in dem Alter eher für einen One-Night-Stand bereit. Und auch im Job stehen die jungen Frauen für ein selbstbestimmtes Leben, dass sich nicht wie in den Generationen davor um den Mann dreht. Aha! Klingt soweit gut, aber entspricht es auch der Wirklichkeit? Mir stellt sich zumindest die Frage, wie emanzipiert die Gesellschaft mit offener Sexualität und der Karriere bei Frauen tatsächlich umgeht? Und wo stößt die Emanzipation an ihre Grenzen?

Von Sabine Möller

Alle, die „Feuchtgebiete“ für Schmuddelei hielten, sollten jetzt besser weghören! Ja, es gibt Frauen, die auf sexuelle Natursektspiele stehen. Natürlich würde da kaum jemand offen drüber sprechen, weil unsere Gesellschaft das nicht als Emanzipation definiert. Das ist es aber! Meist halten wir unsere sexuellen Vorlieben unter Verschluss, weil wir abgestempelt werden. Frauen, die davon träumen, mit mehreren Männern Sex zu haben, gelten als nymphoman. Single-Frauen, die einen One-Night-Stand nicht abschlagen, sind Schlampen. Wer auf Anal-Sex steht, ist „krank“. So ist das in unserer Gesellschaft: Wer emanzipiert ist, bekommt einen Stempel verpasst. Wer sich nach außen hin nicht emanzipiert zeigt, gilt als schwach und in alten Rollenmustern gefangen.

Wo bleibt die Emanzipation im Job?

Und das ist nicht nur im Bett so: Beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist das ganz ähnlich. Gibt es Studien, die belegen, dass sich Frauen auch dort behaupten können? Ich habe leider noch nie lesen dürfen, dass zwei Drittel der deutschen Frauen, die Mutter werden, mit ihrem Partner überein gekommen sind, sich die Elternzeit aufzuteilen oder ganz dem Vater zu überlassen. In der Realität sieht es nämlich anders aus: Da bleiben gerade mal 27,3 Prozent der Männer im ersten Jahr zwei Monate daheim. Lobenswert ist natürlich, dass immer mehr Väter in Elternzeit gehen. Aber nur zwei Monate! Nur sieben Prozent der deutschen Väter sind ein Jahr zu Hause geblieben! Dagegen stehen 95 Prozent der jungen Mütter, die das erste Jahr nach der Geburt zu Hause bleiben. Wo bleibt denn da die Emanzipation – sprich Gleichberechtigung?

Wir tönen immer, dass Familie beide Partner etwas angeht und beschweren uns, wenn wir ein Jahr unserer Karriere einbüßen. Aber wir ändern nichts dran. Es liegt doch nicht allein an den Vätern, sondern zum Teil auch an uns! Wir müssen von unserem Gluckendasein abrücken und eingestehen, dass Väter einen mindestens genauso guten Job in der Familie machen. Aber wie würden wir von der Gesellschaft verurteilt, wenn wir es anders machen. Wir müssten uns anhören, dass wir „Rabenmütter“ sind und zudem auch „karrieregeil“. Und schon haben wir wieder den Stempel! Dabei müsste sich in so vielen Lebensbereichen so viel ändern, damit es normal werden würde, wirklich gleichberechtigt in allen Bereichen zu Leben. Angefangen in der Politik bis zu den Unternehmen. Am einfachsten ist aber, wir fangen bei uns an!

Kinderlose Frauen haben es aber nicht leichter! Wer sich für den Beruf entscheidet und nicht für Familie, gilt in unserer Zeit nicht als emanzipiert, sondern als geldgeil. Frauen, die offen sagen, dass sie keine Kinder wollen, weil es ihrer Karriere schade, ernten Kopfschütteln. Auf einem Chefposten landen wirklich nur die wenigsten. Gelten diese Frauen dennoch als emanzipiert? Nein, denn wirklich gleichgestellt mit ihren männlichen Kollegen sind sie dennoch nicht. Die Lohndebatte ist ja hinlänglich bekannt.

Das ist die Krux an der Sache: Unsere Definition von Emanzipation lässt eben nicht viel Spielraum zu. Es gibt also noch viel zu tun!

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