Emanzipation: 40 Jahre Frauenbewegung

Emanzipation: 40 Jahre Frauenbewegung
© picture-alliance / dpa, Manfred Rehm

40 Jahre Frauenbewegung: Was hat sie gebracht?

"Frauenbewegung? Ach, das sind doch diese blöden Kampflesben!", rümpfen ausgerechnet oft junge Frauen die Nase. "Was? Ohne die Emanzen müsstest Du Dich heute noch in der Ehe vergewaltigen lassen!" entgegnen andere. Das Thema Frauenbewegung weckt viele Emotionen. Wie sieht es denn aus mit Fakten? Was ist in den 40 Jahren passiert? Immer noch verdienen Frauen deutlich weniger als Männer! In den Chefetagen sind sie immer noch Mangelware. Was also hat uns die Frauenbewegung gebracht?

Von Dagmar Baumgarten

Nicht mit brennenden Bh’s, sondern mit drei knallroten Tomaten, die die wütende Studentin Sigrid Rüger dem verdutzten Hans Jürgen Krahl an den Kopf knallte, fing vor rund 40 Jahren alles an. Es war die Zeit der sozialistischen Bünde, und Diskussionsgruppen.

Die 68er wollten die Welt verbessern. Aber leider nicht die der Frauen, denn selbst die "Love and Peace"- Brüder hatten von der Frau das klassische Bild im Kopf: Kochen, Kinder erziehen; Klappe halten! Flugblätter abtippen und belächelt zu werden reichte den Genossinnen aber nicht mehr. Und genau diese lang aufgestaute Wut brauchte es auch, um etwas zu bewegen. Dass die Frauen mit netten "ach du, lass uns reden, können wir mal bitte irgendwie auch die gleichen Rechte haben wie ihr?" nicht weiterkommen, war ihnen mittlerweile klar.

Sie gründeten eigene Frauenbünde und Weiberräte, in denen viel diskutiert wurde. Oftmals auch übers Ziel hinausgeschossen wurde z.B. mit männerfeindlichen "Schwanz ab"- Parolen. Aber in diesen Räten, Gruppen und Verbänden bildete sich ein neues Bewusstsein der Frauen. Und das war wohl die schwierigste Hürde, die sie überwinden mussten. Dass sich nach Jahrhunderten endlich mal was in den Köpfen der Menschen veränderte. Aber wie rüttelt man das überwiegend spießige Deutschland der 70er Jahre wach?

"Mein Bauch gehört mir!" war so eine Kampagne. Aus Frankreich hatte die damalige Stern Reporterin Alice Schwarzer abgeguckt, dass prominente Frauen zugeben "ja, ich habe abgetrieben!" Ein Riesenskandal war das damals, als auch 300 deutsche Frauen zugegeben haben, dass sie eine bis dahin in Deutschland illegale Schwangerschaftsunterbrechung durchgeführt haben.

Der berühmte Paragraph 218 war ein zentrales Thema der Frauenbewegung. Zufrieden sind die Frauenrechtlerinnen mit der Lösung bis heute nicht, aber immerhin macht es die Frauen nicht mehr automatisch zu Kriminellen, die sich aus welchen Gründen auch immer für einen Abtreibung entscheiden .

Trotz Emanzipation keine Gleichberechtigung im Job

Was ist übrig geblieben von der Frauenbewegung? Bewegt haben die Frauen damals einiges. Die Frauenhäuser, die aus Schutz gegen männliche Gewalt gegründet wurden, sind heute ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft. Genauso wie die zahlreichen Beratungsstellen für Frauen. Die Politik musste reagieren. Mit Gleichstellungsbeauftragten. Die CDU versuchte guten Willen mit der der ersten Frauenministerin Rita Süssmuth zu zeigen. Bei den Beamten wurde die Frauenquote eingeführt.

Auch die freie Namenswahl bei der Eheschließung verdanken wir der Frauenbewegung. Genauso wie den sogenannten Girl’s day, bei dem Firmen Mädchen einladen, damit sie auch mal in die klassischen Männerberufe reinschnuppern können.

Schwierigere Themen brauchten noch Jahrzehnte, ehe sich entscheidendes bewegte. Vergewaltigung in der Ehe wird erst seit 1998 strafrechtlich verfolgt, und es dauerte sogar bis 2004, dass es als Offizialdelikt von Amts wegen verfolgt wird.

Die Frage ist: reicht uns das? Nein, auf keinen Fall! Denn dass Frauen immer noch so konsequent aus den Führungsetagen rausgehalten werden, ist ein Skandal! Genau wie die Tatsache, dass sie immer noch bis zu 20 Prozent weniger verdienen als Männer in gleichen Positionen. Auch von Niedriglöhnen, und damit von Altersarmut sind Frauen mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Familienplanung, und damit die Kind- oder Karriere-Frage liegt weiterhin fast ausschließlich bei den Frauen. In den 40 Jahren ist schon einiges passiert. Aber es gibt noch viel zu bewegen!

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