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Elternzeit-Ende: Hilfe, ab morgen bin ich eine Rabenmutter!

von
Rückkehr aus der Elternzeit in den Job
Plötzlich realisierst Du, dass die Elternzeit vorbei und Dein Baby ein Kita-Kind ist. © Privat

Jetzt gehen wir getrennte Wege

Morgen ist er, der Tag X. DER Tag, vor dem ich seit einem Jahr Angst habe. Der Tag, an dem alles anders wird. Der erste Tag in der Kita. Meine kleine Maus und ich werden jetzt getrennte Wege gehen. Vorbei sind die verschmusten Vormittage auf dem Bett, die tagfüllenden Ausflüge zu DM und die gemeinsamen Mittagessen - zumindest von montags bis freitags. Ab morgen werde ich ihr nicht mehr die Ärmelchen umkrempeln, weil ich weiß, dass sie mit ihren kleinen Patsche-Händen auf dem Teller rummatschen wird. Das macht jetzt die Kita-Frau. Und da ist wieder dieser Kloß. Diese Angst, dass meine Tochter ihr in die Arme läuft, wenn sie ihre ersten Schritte macht. Nicht in meine. Die Vorstellung, wie sie sich nach dem Mittagsschlaf in ihre Arme kuschelt. Nicht in meine. Diese Gedanken zerreißen mich förmlich.  

"Wie kannst du nur?"

Haben sie etwa doch recht, die allwissenden Profi-Mütter, die meinen, nur weil sie mal irgendwann ein Kind großgezogen haben oder jemanden kennen, der das getan hat, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben? "Wie kannst du nur dein Kind mit einem Jahr in die Kita geben?" "Dann hätte ich es gar nicht erst in die Welt gesetzt!" "Kinder brauchen ihre Mutter – besonders in den ersten drei Jahren." Als hätte man sich nicht selbst hunderte Male die Frage gestellt, ob das alles so richtig ist.

Fakt ist: Ich bin Mama mit Leib und Seele. Im Grunde meines Herzens bin ich schon als Mama zur Welt gekommen. Aber ich zahle auch Miete und bin eine selbständige Frau, die ein Leben nach Beckenbodengymnastik, Babymassage und Still-BH lebt - und liebt. Die sich nicht abhängig von ihrem Mann macht. Und die sich ganz nebenbei auch noch über anderes Gedanken macht als darüber, wie sie den Möhrenfleck aus der neuen 'Petit Bateau'-Bluse der Tochter herausbekommt. 

Da muss der Mann jetzt durch

Und deshalb ist der Tag X auch MEIN erster Tag. Der erste Tag zurück in der Redaktion. Ich freue mich wie verrückt auf die Leute, die sich ebenfalls über meine Rückkehr freuen. Aber kann ich das alles überhaupt noch? Einen Großteil meiner Gehirnzellen habe ich damals im Kreißsaal nämlich versehentlich mit rausgepresst.

Und eigentlich hatte ich ja meine Rückkehr in Konfektionsgröße 36 geplant. Ich muss dazu sagen: Ich plane in der Zukunft liegende Ereignisse grundsätzlich in Konfektionsgröße 36. Klappt meistens nur leider nicht. In der Elternzeit hätte ich Zeit, alle zwei Tage ins Fitness-Studio zu gehen, dachte ich damals. ABER ich musste mir ja Gedanken darüber machen, wie ich den Möhrenfleck aus der neuen 'Petit-Bateau'-Bluse meiner Tochter rauskriege!  

Naja, auf jeden Fall habe ich einen Schlachtplan erstellt: Der Mann macht die Eingewöhnung in der Kita. Ich habe nämlich einen tollen Mann! Denn obwohl er weder Rucksack noch Sandalen trägt, wird er sich einen Monat lang tapfer auf den Miniatur-Stuhl in der Zwergen-Gruppe setzen, in der einem immer ein Düftchen aus dem Wickelraum in die Nase zieht, wenn man sie betritt. Er wird Stuhlkreise mit "Kacka"-rufenden Kindern durchstehen, während ich in Ruhe meiner Arbeit nachgehen kann. Außerdem auf dem Plan: Putzfrau statt wochenendlichem Schrubben, Keratin-Glättung statt stundenlangem Frisieren, klare Strukturen. Wenn ich schon Zeit mit meiner Kleinen habe, dann will ich sie auch sinnvoll nutzen. Und trotzdem würde ich lieber mit meinem Mann und meiner kleinen Schnubbeline weiter unter unserer kleinen heilen Elternzeit-Glocke leben. Aber morgen ist es soweit. Ich brauche jetzt erstmal einen Schnaps.​

Geschafft!

Heute, drei Monate später, bin ich endlich angekommen. Die Eingewöhnung haben meine Tochter und mein Mann mit Bravour gemeistert. Ich habe etwas länger gebraucht und mich das ein oder andere Mal auf der Toilette eingeschlossen und ein paar Tränchen verdrückt, wenn die Sehnsucht und das schlechte Gewissen wieder Überhand nahmen. Die Kleine hat viele "Kacka"-rufende Zwergenfreunde gefunden, die ihr das Wort zu unserer Freude beigebracht haben.

Und nachdem es das eine oder andere Mal gekracht hat, weil ich schlechtgelaunt und gestresst von der Arbeit nach Hause kam, habe ich gelernt, dass Perfektion nicht alles ist! Man muss auch einfach mal das Geschirr Geschirr sein lassen, wenn das Baby sich ans Bein schmust, weil es mit einem kuscheln möchte. Oder wenn etwas ganz Besonderes passiert: Vor drei Wochen hat meine Tochter ihre ersten Schritte gemacht – und ist dabei in MEINE Arme gelaufen. 

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Der harte Kampf von Charlies Eltern Drama um Baby Charlie: Die Eltern geben jetzt auf! 00:01:42
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