'Eltern haften für ihre Kinder': Ab wann gilt das wirklich?

Wann Eltern für ihre Kinder haften müssen
Wann Eltern für ihre Kinder haften müssen Einen Moment nicht aufgepasst? 00:02:15
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Dann haften Eltern für ihre Kinder - und dann nicht

In Hannover wurde eine junge Mutter zu einer Geldstrafe von insgesamt 273,50 Euro verdonnert, da ihr sieben Monate alter Sohn in einem Drogeriemarkt heimlich eine Haarkur im Wert von 65 Cent in den Kinderwagen geschmuggelt hatte. Die Mutter hatte den Diebstahl nicht bemerkt und zahlte ihre Einkäufe wie üblich, als sie plötzlich ein Ladendetektiv auf die Haarkur im Kinderwagen ansprach. Zu der saftigen Strafe hat die 21-Jährige jetzt sogar noch deutschlandweit Hausverbot in allen Filialen der Drogeriekette erhalten. Aber wann können Eltern eigentlich für ihre Kinder haftbar gemacht werden? Wir klären auf! 

Keine grundsätzliche Haftung für Kinder

Laut Annika Krempel vom Verbraucherportal für Finanzen für Deutschland haften Eltern grundsätzlich eigentlich erstmal nicht für ihre Kinder – gerade, wenn die noch so klein sind. "Wenn Kinder jünger sind als sieben Jahre, sind sie deliktunfähig. Das heißt niemand haftet dafür, wenn sie etwas anstellen", so die Expertin. Im Straßenverkehr gilt das sogar bis zu einem Alter von zehn Jahren.

Eltern haften bei verletzter Aufsichtspflicht

Anders sieht es allerdings aus, wenn Eltern ihre sogenannte Aufsichtspflicht verletzt haben, und das Kind deshalb eine Dummheit angestellt hat. "Wenn sie diese verletzen, haften Eltern dafür, wenn das Kind etwas anstellt", so Krepel. Die Faustregel: Babys und Kleinkinder müssen von ihren Eltern jederzeit beaufsichtigt werden. Ab vier Jahren sollten Eltern alle 15 Minuten, ab sechs Jahren alle 30 Minuten nach ihrem Kind schauen, wenn es zum Beispiel alleine auf dem Spielplatz oder einer verkehrsarmen Straße spielt.  

Zwischen sieben und acht Jahren ist eine regelmäßige Kontrolle nicht mehr erforderlich, sofern die Kinder ausreichend über das, was sie zu tun oder zu lassen haben, aufgeklärt wurden. Ist diese Pflicht erfüllt, können Eltern nicht für die Schäden ihrer Kinder haftbar gemacht werden und der Geschädigte muss selbe für den Schaden aufkommen. Im Einzelfall können Eltern aber auch andere Aufsichtspflichten vorgeschrieben werden.

Ab sieben Jahren haften Kinder für sich selbst

Je älter Kinder werden, desto eher haften sie selbst – so das Gesetz. Im Schadensfall spielt bei der Beurteilung der Haftbarkeit aber auch die Einsichtsfähigkeit des Kindes eine Rolle: Konnte das Kind einschätzen, dass es mit seiner Tat einen Schaden anrichtet, etwas Verbotenes tut?

Bei älteren Kindern bietet es sich deshalb immer an, eine Familienhaftpflichtversicherung abzuschließen, in der auch das Kind abgedeckt ist. Manche Versicherungen kommen sogar für die Schäden von Kleinkindern auf, die gar nicht haftbar gemacht werden können. Haben die Eltern für ihr Kind keine derartige Versicherung abgeschlossen, haftet das Kind selbst, sofern das Gericht es schuldig spricht. Diese Zahlungspflicht bleibt dann sogar bis zu 30 Jahre lang bestehen, bis die Kinder selbst Einkommen haben. Die Eltern haften aber nicht.

Regeln für den Internetgebrauch festhalten

Surft Ihr Kinder gerne im Internet, sollten Sie vorher genau mit ihm besprechen, was dort erlaubt ist und was nicht, um sich zum Beispiel vor unfreiwilligen Einkäufen zu schützen. "Die Regeln sollte man einmal niederschreiben, um zu beweisen, dass es Regeln gab. Dann haften die Eltern nicht", so die Expertin. Für das Internet können festgelegte Regeln also Schlimmeres verhindern.

Alle Haftungsregeln finden Sie nochmals zusammengefasst in unserem Video!

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