Eltern gaben ihr Rohkost statt Insulin: Mädchen (4) tot

Sighild musste qualvoll sterben

Musste ein zuckerkrankes Mädchen sterben, weil seine Eltern ihm das lebenserhaltende Insulin vorenthielten und ihm stattdessen Rohkost gaben? Genau das wirft die Staatsanwaltschaft Hannover den Eltern vor. Schwere Körperverletzung mit Todesfolge lautet die Anklage. Die Eltern müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Rohkost statt Insulin - Vierjährige stirbt
Die Mutter des verstorbenen vierjährigen Mädchens steht mit ihrem Ehemann vor Gericht.

Als die Eltern den Gerichtssaal betreten, wirken sie noch gefasst. Doch dann verliest der Staatsanwalt die Anklage, spricht von unterlassener Hilfeleistung. Ihre vierjährige Tochter sei nur deshalb tot, weil sie ihr das überlebenswichtige Insulin verwehrt hätten.

2007 bekamen Antje und Baldur B. für das damals zweijährige Mädchen die Diagnose Diabetes. Anfangs spritzen sie dem Kind noch das Insulin, doch dann setzten sie es nach und nach ab, sollen der Kleinen stattdessen Rohkost zu essen gegeben haben. Die Eltern sollen Anhänger der sogenannte "Neuen Germanischen Medizin" gewesen sein. Tomaten und Gurken statt Spritzen-Therapie. Angeblich haben sie sich bei einer Ärztin danach erkundigt. Zwei Jahre später, an Weihnachten 2009, stirbt die vierjährige Sighild qualvoll. Die Mutter betonte im Gerichtssaal mehrfach, dass ihr nicht bewusst war, dass ihre Tochter sich in Lebensgefahr befand.

Aber was genau war passiert? Gutachter Professor Thomas Danne beschreibt das Szenario: "Dann kommt es zu einer vertieften Atmung, zu häufigem Erbrechen. Wir haben davon gehört, dass das Kind am Ende Blut erbrochen hat. Dann zu einem Eintrüben und Bewusstlosigkeit. Das sind alles Zeichen. Wenn die Eltern uns gerufen hätten, hätten wir das Kind noch retten können, aber das ist nicht erfolgt."

Der Prozess geht weiter. Die schlimmste Strafe für die Eltern ist bereits erfolgt. Sie haben ihr Kind verloren, gestorben im Alter von vier Jahren.

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