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'Eltern': Ein Film über den ganz normalen Familien-Wahnsinn

4 von 5 Punkten

Zwei Kinder, ein Elternpaar und der ganz alltägliche Wahnsinn einer zeitgenössischen Familie. Das sind die Zutaten für Robert Thalheims (‚Am Ende kommen Touristen‘) vierten Kinofilm ‚Eltern‘ - fernab von Schönwetter-Szenarien und immer ganz nah dran an der Wahrheit über das heutige Familienleben.

'Eltern': Ein Film über den ganz normalen Familien-Wahnsinn
© dpa, DCM Filmverleih

Sie sind eine moderne Familie wie sie im Buche steht: Mutter Christine (gespielt von Christiane Paul, ‚Die Welle‘) geht ihrer Karriere als erfolgreiche Anästhesistin nach, während Vater Konrad (dargestellt von Charly Hübner, ‚Krabat‘) ein augenscheinlich zufriedenes Leben als Hausmann führt. Doch als dieser plötzlich das Angebot bekommt wieder in seinen alten Beruf als Theaterregisseur einzusteigen, steht die Familie vor einem Problem: Wer kümmert sich nun um den Haushalt und die beiden Kinder Emma und Käthe? Die angestrebte Lösung in Form des argentinischen Au-Pair-Mädchens bereitet der Familie jedoch nur noch weitere Schwierigkeiten.

Regisseur Robert Thalheim beschreibt mit ‚Eltern‘ sehr präzise die Problematik vieler moderner Großstadtfamilien. Gleichzeitig wirft er dabei genau die politisch unkorrekten Fragen auf, die sich jede Mutter und jeder Vater schon einmal gestellt haben dürften: Wessen Job ist wichtiger, wer hat zurück zu stecken und woran macht man das überhaupt fest? Am Geld? Am Karriere-Status? Oder gar am Geschlecht? Wie in den meisten Familien geht es auch hier nicht nur um Geld, sondern vielmehr um das Recht auf Selbstverwirklichung – neben der Familie.

'Eltern' ist ein unfassbar authentischer Film

Auch wenn es der Film schafft, die teils traurige und schwierige Realität moderner Eltern widerzuspiegeln, so ist die Situation mit dem Au-Pair-Mädchen Isabell natürlich übergespitzt dargestellt und passiert so sicherlich nicht jeden Tag in deutschen Gastfamilien: Kurz nach ihrer Ankunft stellt sich nämlich heraus, dass die Argentinierin schwanger ist. Anstatt eine Entlastung für die Familie darzustellen, fühlt es sich für Christine und Konrad eher so an, als hätten sie plötzlich ein drittes Kind.

Zwar handelt es sich bei ‚Eltern‘ um ein Drama, doch hat der Film auch durchaus seine komischen Momente. Was nicht zuletzt dem heimlichen Star des Films zu verdanken ist - der Darstellerin der fünfjährigen Emma. Sie bezaubert den Zuschauer und kann in ihrer Rolle als rotziges kleines Nesthäkchen so sehr überzeugen, wie viele erwachsene Schauspieler es sich nur wünschen würden.

‚Eltern‘ bleibt ein Film, der „beschreibt“, sich nicht anmaßt, dem Zuschauer universelle Lösungsansätze zu präsentieren und wahrscheinlich genau deswegen über fast die gesamte Strecke so authentisch bleibt. Wer also Lust auf einen Film hat, indem er sich sowohl mit einem Schmunzeln als auch mit einem Schlucken wiedererkennen kann, für den ist ‚Eltern‘ hervorragend geeignet.

Von Alina Krein

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