Elke Holst: "Nicht die Männer kopieren"

Interview: DIW-Expertin Elke Holst zu Frauenquote und Chancengleichheit.
DIW-Expertin Elke Holst im Interview zu Frauenquote und Chancengleichheit. © dpa, Patrick Pleul

"Frauen haben Männer eingeholt"

Frauen haben in den vergangenen zehn Jahren häufiger den Sprung in die Chefetage geschafft, verdienen aber immer noch 21 Prozent weniger als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW). Warum das so ist, was man dagegen tun soll und wie ihre persönliche Einschätzung zur Frauenquote aussieht, hat uns Studienleiterin Elke Holst im exklusiven Interview verraten.

Von Maike Nagelschmitz

FZ: Warum verdienen Frauen in Führungsetagen weniger als Männer?

Elke Holst: Frauen sind meist weniger häufig als Männer in hohen, gut bezahlten Positionen beschäftigt. Zudem arbeiten sie öfter in Branchen, in denen der Verdienst geringer ist als etwa im Produktionssektor, in dem Männer dominieren. In großen Unternehmen sind Frauen auch weniger häufig in Führungspositionen beschäftigt als in kleinen, die im Schnitt weniger bezahlen (können). Weiterhin werden typische Frauenberufe geringer bezahlt als typische Männerberufe. Derartige Aspekte wirken sich negativ aus Gehalt aus.

FZ: Wie bewerten Sie die berufliche Situation von Frauen heute im Vergleich zu vor zehn Jahren?

Elke Holst: 2001 hat die Bundesregierung mit den Verbänden der Wirtschaft die Vereinbarung zur Chancengleichheit getroffen. Schließlich war das Problem, dass Frauen ungleiche Chancen haben, auch damals schon lange bekannt. Doch passierte daraufhin noch recht wenig. Erst nachdem die Deutsche Telekom sich 2010 eine Frauenquote öffentlichkeitswirksam setzte, nahm das Thema Tempo auf. Insofern ist heute zumindest eine größere Sensibilisierung für die berufliche Situation von Frauen vorhanden als früher. Hinzu kommt, dass vor dem Hintergrund des demografischen Wandels den Unternehmen die Tatsache, dass sie sich im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte befinden, präsenter geworden ist. Sie möchten junge Talente für sich gewinnen und da Frauen die Männer in den letzten zehn Jahren in Bezug auf wichtige Studienabschlüsse eingeholt und teilweise sogar überholt haben, sind das eben immer mehr Frauen.

"Anreizmechanismen müssen geschaffen werden"

FZ: Wie wichtig ist eine Frauen- bzw. Flexiquote?

Elke Holst: Die Diskussion um die Einführung von Frauenquoten hat zu größerer Aufmerksamkeit und Aktivität geführt. Kaum jemand mag eine Quote, aber niemand kann bezweifeln, dass allein die Drohung ihrer Einführung bereits etwas bewegt hat. Ich bin der Meinung, dass klare Anreizmechanismen geschaffen werden sollten, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen die Zahlen: Durchschnittlich werden Führungspositionen - einschließlich hochqualifizierter Tätigkeiten - nur zu rund 30 Prozent von Frauen besetzt. Sie sind also zu 70 Prozent immer noch in der Hand von Männern. In Top-Positionen großer Unternehmen sind sie nahezu unter sich.

FZ: Haben Sie Ratschläge oder Strategien für Frauen?

Elke Holst: Frauen sollten sich überlegen, in welchem Unternehmen eine Kultur vorherrscht, die ihre Aufstiegschancen begünstigt, also etwa ein Unternehmen, das bereits Frauen auf höheren Führungsebenen beschäftigt und/oder sich ambitionierte Ziel bezüglich des Anteils von Frauen in Führungspositionen gesetzt hat. Weiterhin ist es wichtig identisch zu bleiben, schnell die "Spielregeln" innerhalb des Unternehmens kennen- und damit umgehen zu lernen. Einfach das Verhalten der Männer zu kopieren kann zum Problem werden, weil es nicht dem typisch weiblichen Rollenverhalten entspricht und als unglaubwürdig empfunden wird. Es ist ein Spagat, der sicher nicht einfach ist.

Vielen Dank für das Interview!

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