BABY BABY

Eizellen aus Stammzellen: Sind wir bald ewig fruchtbar?

Schwangerschaft: Fruchtbar bis ins hohe Alter
Schwangerschaft: Fruchtbar bis ins hohe Alter © picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Können wir ewig Eizellen produzieren?

Heißt es in Zukunft statt "Kind oder Karriere" bald "Kind statt Rente"? US-Wissenschaftler züchteten jetzt aus Stammzellen Eizellen und Spermien. Können wir bald alle bis ins hohe Alter schwanger werden und unsere biologische Uhr einfach abstellen?

Von Dagmar Baumgarten

Wer kennt es nicht: Dieses böse Ticken, vor dem viele Männer die Flucht ergreifen, und das den Frauen jedes Jahr lauter in den Ohren klingelt. Tickte die biologische Uhr auch bei Uma Thurman? Die Schauspielerin ist zum dritten Mal schwanger. Mit 41 Jahren. Also gerade noch rechtzeitig, ehe die Fruchtbarkeit bei Frauen dramatisch nachlässt und die Uhr nach einem letzten heftigen Klingeln für immer stehenbleibt. So war es bis jetzt. Dank neuer Stammzellenforschung soll alles anders werden. Es ist für viele unfruchtbare Paare eine Riesenhoffnung, doch noch Kinder zu bekommen. Für die US-Forscher des Massachusetts General Hospital in Boston denen diese Sensation scheinbar gelungen ist, ist es mehr Gewissheit als Hoffnung auf ein Milliardengeschäft.

Bis jetzt schien klar: Frauen kommen mit einer bestimmten Anzahl von Eizellen auf die Welt. Bei jedem Zyklus werden sie weniger, bis sie irgendwann weg sind. Weil Eizellen nicht neu gebildet werden können, wird die Frau unfruchtbar. Bereits mit Anfang 40 ist fast die Hälfte der Frauen auf natürlichem Wege nicht mehr fruchtbar. Da unsere Gene ja immer noch der Entwicklung hinterher hinken, hatte die Natur diese biologische irgendwann versiegende Eier-Uhr ursprünglich so eingerichtet, weil Frauen früher körperlich schon viel verbrauchter waren, als sie es heute sind. In dem Alter, in dem eine Frau heute über ihr erstes Kind nachdenkt, hätte sie früher schon das dritte Enkelkind auf dem Schoß sitzen gehabt.

Stammzellen könnten zum Baby verhelfen

Ohne Eizellen gibt es kein Baby. Das stimmt immer noch. Aber die Forscher arbeiten jetzt daran, aus Stammzellen fortpflanzungsfähige Eizellen zu züchten. Und anscheinend ist dem US Wissenschaftler-Team unter der Führung von Jonathan Tilly genau das auch gelungen. In der Fachzeitschrift "Nature Medicine" beschreiben sie, dass sie aus Eierstöcken von Frauen im gebärfähigen Alter Stammzellen isoliert haben, die es dort nur in sehr geringer Anzahl gibt. Aus diesen konnten sie dann Eizellen züchten. Sie sahen so aus und verhielten sich auch so wie die natürlichen Eizellen in den Körpern gebärfähiger Frauen. Im Reagenzglas schien das also zu funktionieren.

Aber wie ist das im lebenden Organismus? Dafür wurden die Eizellen in menschliches Eierstock-Gewebe gesetzt und dieses dann in Labormäuse eingepflanzt. Die Eierstöcke stammten aus Japan von jungen Frauen, die sich zu einer Geschlechtsumwandlung entschlossen hatten. Die Forscher gehen davon aus, dass sie bald jeder Frau Stammzellen entnehmen könnten, aus der sie dann, wann immer die Frau es möchte, befruchtungs- und überlebensfähige Eizellen züchten könnten. In der Realität würde es wohl bedeuten: Jeder Frau, die es sich leisten kann...

Als ob das nicht revolutionär genug wäre, gibt es Pläne, aus Hautpartikeln Stammzellen zu züchten, die sich sowohl zu Eizellen als auch zu Spermien entwickeln könnten. Sozusagen Hightech- Zwitterzellen. Das soll dann mal homosexuellen Paaren zu eigenem Nachwuchs verhelfen. Ob das wirklich in naher Zukunft soweit gelingt, dass die Zellen auch außerhalb des Reagenzglases überleben können ist noch nicht klar. Ein bisschen gruselig ist es aber schon, dass irgendwann Kinder rumlaufen könnten, die sagen "Meine Eltern sind eine Hautzelle!"

Anzeige