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Einschulung: Jetzt geht der Ernst des Lebens los - auch für die Eltern

Einschulung: Jetzt geht der Ernst des Lebens los - auch für die Eltern
© dpa bildfunk

Nicht nur das Kind geht den nächsten Schritt

Die Einschulung ist ein freudiges Ereignis, ganz klar. Das Kind wird langsam groß, wird mit jedem Tag ein Stückchen selbständiger, es ist wissbegierig und langweilt sich daher im Kindergarten mit den 'Kleinen'. Es freut sich auf die Schule, auf das Neue, aufs Lernen. Das ist alles gut und richtig. Das Kind geht den nächsten Schritt. Und was bedeutet das für die Eltern?

Von Oliver Scheel

Der Schritt, der auf die Eltern wartet, ist nicht so schön. Es ist auch mehr ein Spagat als ein Schritt. Denn die Vorzüge des Kindergartens in der Organisation des Tages liegen auf der Hand. Der Kindergarten öffnet um 7 Uhr morgens und schließt um 17 Uhr. Die Schule meines Sohnes hat von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr am Nachmittag geöffnet. 16 Uhr ist das Maximum des offenen Ganztags. Von 8 bis 16 Uhr – das sind acht Stunden. Wie soll ein voll berufstätiges Elternpaar das schaffen?

Meine Lebensgefährtin ist Lehrerin. Da denkt man, kein Problem, die haben ja früh Feierabend. Von wegen. Denn auch ihre Schule ist eine Ganztagsschule. Bei einer Anfahrt von 45 Minuten zur ihrer Schule kann sie unseren Sohn morgens nicht in seine Schule bringen. Auch das Abholen wird sich schwierig gestalten und hängt zudem vom Verkehr auf den Straßen ab. Ich selbst werde in meinem Job zunächst keine Frühdienste mehr übernehmen können.

Keine Frühdienste mehr, kein Fußballtraining

Das hat Konsequenzen. Ich arbeite ehrenamtlich als Fußballtrainer, betreue eine D-Jugend. Keine Frühdienste, kein früher Feierabend, kein Training mehr. So einfach ist die Rechnung. Apropos Rechnung: Für die Betreuung des Kindes bis 16 Uhr sind satte 300 Euro pro Monat zu zahlen. Schulbildung ist kostenlos? Weit gefehlt.

Unter dem Strich bleibt die Hoffnung, dass unser Sohn in der Schule schnell neue Freunde findet. Neue Freunde, deren Eltern nicht einen so stramm durchgetimten Tag haben wie wir und einfach etwas mehr Zeit haben. Natürlich wollen wir als Eltern auch Zeit haben für unser Kind. Auch wenn in den Schulen in den vergangenen Jahren schon Vieles besser geworden ist, sind Beruf und Familie in Deutschland nicht immer so einfach unter einen Hut zu bringen. Denn von der arbeitenden Bevölkerung wird immer mehr Flexibilität verlangt. Die geht aber am Ende zu Lasten des Kindes.

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