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Einkaufen mit Kindern: Überlebenskampf im Supermarkt

Stressfrei einkaufen mit Kindern
Stressfrei einkaufen mit Kindern Mit Tipps von der Pädagogin 00:02:46
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"Du bist die gemeinste Mama der Welt!"

Ein Supermarktbesuch mit Kind ist in der Regel echt nicht schön. Die typische Horrorszene, in der sich der Zwerg kreischend und schreiend auf dem Boden wälzt, weil er das Überraschungs-Ei nicht bekommt, haben wir ja alle irgendwie schon mal erlebt. Und dann tendieren wir Eltern dazu, die anderen Menschen dafür verantwortlich zu machen, dass es uns damit so schlecht geht. Tja, das ist zwar eine ziemlich bequeme Herangehensweise, aber leider totaler Quatsch. Wir allein sind nämlich schuld daran.

Einkaufen mit Kindern: Überlebenskampf im Supermarkt

Von Britta Dorn

Es gab Zeiten, da bin ich ausschließlich ohne meinen Sohn einkaufen gegangen. Besonders vor Weihnachten und Ostern, wenn der Weg zur Kasse mit überdimensional großen Aufstellern voller Süßigkeiten versperrt ist, durch die ich mich mit meinem 1,20 Meter kleinen Dreijährigen kämpfen musste - die buntesten und interessantesten Kariesmacher natürlich schön auf Augenhöhe. "Nein, die Schoko-Küken bringt der Osterhase. Die kauft die Mama jetzt nicht." Diesen Satz habe ich so oft wiederholt, dass ich mich selbst nicht mehr hören konnte.

Eltern sprechen ja auch gerne besonders laut und betont mit ihrem Nachwuchs. So als sei dieser taub oder doof. Leider mache ich das auch und könnte manchmal vor Scham im Erdboden versinken, wenn es mir auffällt. Und leider bringt es auch gar nichts. Denn die Kleinen hören während eines Wutanfalls, was sie hören wollen. Da kann man schreien, flüstern oder die Ansage vortanzen - interessiert die einfach nicht. Also am besten fiese Situationen vermeiden. Denn man fühlt sich permanent im Fokus der anderen Kunden. Ständig habe ich das Gefühl, alle Welt schaut missbilligend darauf, wie ich mit meinem Kind rede. Ist natürlich totaler Quatsch. Denn alle Welt ist in der Regel mit dem eigenen Einkaufszettel beschäftigt.

Die Vermeidungstaktik ist temporär sicher okay, bringt aber langfristig nichts. Wenn ich meinen Sohn vom Supermarkt fernhalte, dann wirft er sich als Achtjähriger noch schreiend auf den Boden, weil er ja irgendwie nie gelernt hat, welche Regeln dort gelten. Deshalb habe ich auf Ablenkung gesetzt. Wollte mein Sohn den fiesen bunten zuckergeschwängerten Minions-Joghurt, weil sein kleiner Kindergarten-Kumpel den immer dabei hat, hab ich ihm den Bio-Fruchtjoghurt schmackhaft gemacht - "Guck mal, da ist eine Kuh drauf! Du liebst doch Kühe! Und Erdbeeren - suuper! Die kaufen wir doch im Winter nicht. Und jetzt kannst du den Geschmack trotzdem haben". Hat geklappt! Genauso bei den fiesen Zucker-Frühstücksflocken - er hat sich auf das Bären-Müsli eingelassen.

Konsequenz zeigen und Durchhalten lautet die Devise

Hört sich total militant und öko an, ich weiß. Und ich weiß auch, dass mein Sohn natürlich auch mal den fiesen Minions-Joghurt essen muss, schon allein damit er im Kindergarten mitreden kann. Aber auch dafür gibt’s die ultimative Lösung: Oma und Opa! Die kaufen einfach ALLES für ihren kleinen Liebling. Und der - mittlerweile sechs Jahre alt - checkt die Regeln. Was dazu führte, dass er kürzlich altklug vor dem Kühlregal stand und meinte: "Ich nehme den Naturjoghurt und mach mir Honig rein. Die Zuckerbombe hab ich am Wochenende bei Oma gegessen. Jetzt müssen sich meine Zähne erholen."

Konsequenz zeigen und Durchhalten lautet die Devise. Immer wieder den eigenen Standpunkt klar machen und wirklich nie einknicken. Das ist ganz hart und bringt ganz viele "Du bist die gemeinste Mama auf der Welt!" mit sich. Aber es zahlt sich aus, denn nach dem zehnten NEIN! am Kassen-Quengel-Regal sagte mein Sohn beim elften Mal - fast belehrend - zu sich selbst: "Diesen Mist kaufen wir nicht". Und manchmal greife ich auch einfach zu kleinen Tricks. Und drücke ihm ein Brötchen vor dem Einkauf in die Hand.

Trotzdem hat er meistens keine Lust, mit mir einkaufen zu gehen. Als wir neulich noch schnell ein paar Sachen fürs Abendessen besorgen mussten, habe ich seine und meine Geduld dann definitiv überstrapaziert und er fing an, total gelangweilt in der zehn Meter langen Kassenschlange mit lautem Gemotze seinen Unmut kundzutun. Um mich herum nur gestresste Schlipsträger, die genervt auf ihr Smartphone glotzten. Und mein Sohn wurde immer lauter, mein Puls immer schneller. "Jetzt hör endlich auf, die Leute gucken schon!", platzte es aus mir heraus. Da drehte sich eine ältere Dame vor mir um und sagte ganz bestimmt: "Anpassen muss er sich noch früh genug. Er ist noch ein Kind, und sein Verhalten ist gar nicht so schlimm, wie Sie es empfinden. Die Schlange ist lang, es ist spät, er hat wahrscheinlich Hunger und ist müde. Dafür sollte jeder Erwachsene hier Verständnis haben."

Bäng. Ich war baff, um mich herum schauten alle von ihren Smartphones auf. Betretenes Schweigen, und dann blickte ich auf einmal in freundliche und aufmunternde Gesichter. Der Schlipsträger neben uns klopfte meinem Kleinen aufmunternd auf die Schulter. Und ich schämte mich ein bisschen. Als wir rausgingen, sagte mein Sohn auf einmal: "Komm Mama, ich trag auch eine Tasche." Und ich guckte meinen großen Jungen an und musste mir vor Rührung fast ein Tränchen verdrücken. An diesem Tag sind wir beide ein bisschen gewachsen.

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