LIEBE LIEBE

Einen Korb geben: So erteilen Sie einem Mann eine Abfuhr

Birgit Ehrenberg kennt sich in puncto Liebe aus
Birgit Ehrenberg

Persönlich einen Mann abwimmeln?

Es gibt diverse Methoden, unliebsame und lästige Verehrer loszuwerden, saubere Methoden und unsaubere Methoden, mutige Methoden und feige Methoden. Besonders vorbildlich ist es, wenn man einem Mann, der für einen schwärmt, persönlich mitteilt, dasss er als Partner wirklich nicht in Frage kommt. Das kostet natürlich Überwindung, man hat den Herrn vielleicht zwei oder drei Male gedatet und geküsst, vielleicht noch mehr als das - und nun ist man sicher: Er ist es nicht. Aus der Bekanntschaft wird keine Liebesbeziehung.

Den armen Mann dann anzurufen, ein Treffen zu vereinbaren, und ihm bei diesem Treffen zu sagen, dass man sich nicht mehr wiedersieht oder „nur“ eine Freundschaft mit ihm sucht, das ist kein leichter Gang. Da kann ja auch Einiges auf einen zukommen von Seiten des Mannes: Tränen, Wut, Aggression, Vorwürfe. Schlimmer ist die Angelegenheit, wenn man sogar einige Zeit mit ihm zusammen war und Schluss machen möchte - er allerdings gar nicht, weil er sich pudelwohl fühlt und gar nicht einsieht, warum er „loslassen“ soll, wie es so schön heißt.

Um diesen Stress zu vermeiden, lösen sich einige Frauen schreibend aus der Affäre, setzen per Mail oder per SMS einen Punkt unter eine Geschichte mit einem Mann. Verstehen kann ich das, doch ich ermuntere jede Frau, tapfer zu sein und dem armen Hund ins Gesicht zu sagen, was die Stunde geschlagen hat.

Frauen wissen häufig aus eigener Erfahrung, wie weh es tut, wenn sie schriftlich abserviert werden (Schlussmachen per SMS), weil das nämlich eigentlich eine traurige Spezialität von Männern ist. Eine noch „größere“ männliche Spezialität ist es, sich gänzlich wortlos zurückzuziehen. „Sich tot stellen“ nennt man die plötzliche Funkstille. Diese Art des schweigenden Abschieds ist für die Verlassenenen eine echte Folter.

Nun ist mir zu Ohren gekommen, dass es auch schon Frauen gegeben hat in jüngster Zeit, die exakt zu dieser sadistischen Methode gegriffen haben. Sie stellten sich nicht nur tot, sondern ließen - beispielsweise mit der Unterstützung einer Freundin - dem Mann schreiben oder per Anruf mitteilen, dass sie offiziell das Zeitliche gesegnet haben.

Das muss man sich einmal plastisch vorstellen: Ein Mann, nennen wir ihn Lars, ruft wiederholt die Handynummer einer Frau an, die er gut findet. Sie geht nicht ran. Irgendwann geht endlich jemand ran, er freut sich schon und merkt aber schnell, dass das leider nicht die vertraute Stimme ist.

Die fremde Stimme sagt: „Lieber Lars, ich wusste, dass Du anrufen wirst. Ich bin Sabine. Du bist hier in der Kontaktliste meiner Freundin Clara. Clara ist verschieden. Es tut mir leid. Mach's gut.“

Lars ist völlig fertig, er will noch fragen, was geschehen ist, ob Clara einen Unfall hatte oder von einem Tag auf den anderen schwer erkrankt ist. Er wählt die Nummer immer wieder, er kriegt keinen Anschluss, er resigniert und wählt die Nummer nicht mehr. Er will nicht pietätlos sein, er leidet und trauert still.

Nun frage ich mich, ob ein solches Verhalten irgendwie gerechtfertigt sein kann, zum Beispiel in dem Fall, wenn Lars Clara vorher tierisch auf die Nerven ging, wenn Clara vorher etliche Male versucht hat, ihn abzuwimmeln und Lars es einfach nicht verstehen wollte.

Ich denke, dass nichts und rein gar nichts dieses fast schon zynische Schlussmach-Verfahren entschuldigt. Sogar, wenn Clara sich regelrecht verfolgt von Lars gefühlt hat, sollte sie nicht mit Dingen wie ihrem persönlichen Ableben „spielen“, es ist einfach geschmacklos - und feige sowieso. Abgesehen von der Moral und vom Stil, macht man sich auch nichts leichter mit dieser Vorgehensweise, man hat im Nachhinein jede Menge Scherereien.

Man braucht auf jeden Fall eine neue Handynummer, man muss sich unter Umständen eine Weile verstecken, damit der Mann einen nicht zufällig auf der Straße sieht und denkt, dass man ein Geist ist und darüber unheilbar verrückt wird. Mit der Schuld müsste man dann leben.

Ich plädiere entschieden dafür, den lebendigen und persönlichen Weg der Abschiednahme zu wählen. Und sich damit ganz klar zu positionieren als ein Mensch, der der Liebe Wert ist, weil er schlicht und ergreifend einem anderen Menschen seine Würde lässt. Es fällt nämlich auf einen zurück, wenn man jemanden schlecht behandelt, sich mit Lügen aus einer Bekanntschaft, einer Affäre oder aus einer Beziehung schleicht.

In der Liebe gilt der Spruch besonders: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füge auch keinem anderen zu.“

So sieht das aus, liebe Liebende. Immer hübsch bei der Wahrheit und mutig und liebevoll bleiben - selbst, wenn man jemanden in die Wüste schickt.

Eure Birgit

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