Eine Prostituierte rechnet mit ihren Freiern ab: "Ich ekelte mich vor Euren Fantasien"

Prostituierte schreibt Brief an Freier
Die Dänin Tanja Rahm veröffentlichte den Brief an ihre Freier in ihrem Blog.

Ein bewegender Brief

"Falls Du glaubst, ich hatte jemals Lust auf Dich, liegst du schrecklich falsch" – harte und deutliche Worte einer Prostituierten an ihre Freier. In einem sehr emotionalen und schockierenden Brief richtet sich die Dänin Tanja Rahm in ihrem Blog tanjarahm.dk an all ihre ehemaligen Kunden. Knallhart schildert sie, was der Job, den sie von 1997 bis 2000 ausgeübt hat, mit ihr angerichtet hat. Der Text geht mir als Frau unter die Haut. Und er wird auch all die Männer, die sich Sex wie Ware erkaufen, nicht kalt lassen.

"Nicht einmal bin ich mit Lust zur Arbeit gegangen, das Einzige, was mich beschäftigt hat, war schnelles Geld zu verdienen", so heißt es in der Übersetzung ihres Briefes bei 'welt.de'. "Ich ekelte mich vor Euch und vor Euren teilweise kranken Fantasien." Rahm räumt knallhart mit dem Männertraum auf, dass Prostituierte etwas bei ihrer Arbeit empfinden oder sogar Spaß daran haben: "Nein, auch während des Sex empfand ich keine Lust. Ich war nur gut darin, Dir das vorzuspielen."

"Wenn Du geglaubt hast, Du wärst ein Heiliger, weil du mich fragtest, was so ein niedliches Mädchen wie ich denn da mache, dann hast Du Deinen Heiligenschein verloren, als Du mich kurz darauf gebeten hast, mich auf den Rücken zu legen – um dann durch Deine Berührungen meinen Körper mit blauen Flecken zu markieren, als sei es Dein Revier" – besonders beim Lesen dieser Passage läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ist es nicht das Schlimmste für eine Frau, wenn Sie merkt, dass sie nur austauschbares Spielzeug, Mittel zum Zweck ist?

Sex ist keine Ware!

Mittlerweile arbeitet Tanja Rahm als Therapeutin. Doch ihre Zeit als Prostituierte hat sie geprägt. Es sei ihr lieber, sie hätte diese Erfahrungen nicht gemacht, schreibt sie. Selbst wenn sich Männer bemüht hätten, freundlich und nett zu sein – es gebe keine lieben Kunden. Sondern nur welche, die das negative Selbstbild von Frauen verstärken.

Rahm will mit ihrem Text klarstellen, dass es keine Rechtfertigung gibt, Sex für Geld zu kaufen. Prostituierte seien nur da, weil es Freier mit frauenverachtendem Weltbild gibt. Sie appelliert an die Gesellschaft, diesen Missstand gerade zu rücken. Laut zu ausrufen, dass Sex keine Ware ist. Eine starke Frau, die mit einer unglaublichen Glaubwürdigkeit einen Schlachtruf prägt. Und mich dazu bewegt, mit zu rufen.

Von Britta Meier

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