Ein Leben für den IS: Was junge Frauen aus Deutschland in den Dschihad treibt

Frauen und der IS
IS-Propaganda: Immer mehr junge Frauen ziehen in den Dschihad. © dpa, Syriadeeply.org

Der Dschihad zieht immer mehr junge Frauen an

Immer mehr Mädchen - auch aus Deutschland – schließen sich dem IS an. Sie verlassen ihre Heimat, ihre Familie, ihre Freundinnen, ihr Leben und folgen einem Lockruf ins Ungewisse. Sie lassen sich verleiten von Kleinmädchen-Träumen, von der Ehe mit einem 'Helden' oder sehnen sich nach klar strukturieren, definierten Rollenmodellen. Etwa hundert junge Frauen und Mädchen sind laut Bundesamt für Verfassungsschutz nach Syrien oder in den Irak ausgewandert, um dort als Dschihadistinnen zu leben. Um Kämpfer zu unterstützen oder selbst zu kämpfen. Ihre Eltern und ihr Umfeld trifft dieser radikale Cut oft völlig unvorbereitet – oder sie stehen den Veränderungen machtlos gegenüber.

„Eltern, Angehörige, Freundinnen und Lehrer sind oft die ersten, denen eine Radikalisierung eines jungen Menschen auffällt. Gleichzeitig sind sie auch die letzten, zu denen dieser - trotz zunehmender Isolierung- Kontakt hält. Oft ziehen sich die Betroffenen stark aus ihrem bisherigen Umfeld zurück und lassen keinerlei ´Einmischung´ mehr zu“, so umschreibt es die neu gegründete „Beratungsstelle Radikalisierung“. Das Team aus Nürnberg will erster Ansprechpartner sein für den Fall, dass Menschen befürchten: Mein Kind, mein Freund, meine Schülerin wendet sich einer radikal islamistischen Gruppe zu.

Aber nicht immer hat das Umfeld die Chance, diese Radikalisierung zu bemerken. Man weiß von Fällen, in denen Mädchen einfach verschwanden. Noch ein netter Gruß über Whatsapp – und die nächste Nachrichten stammte bereits aus einer Unterkunft in Syrien oder dem Irak. Bei einem der betroffenen Mädchen fanden die Eltern im Kinderzimmer ein Zweithandy mit einem geheim gehaltenen zweiten Account für soziale Netzwerke.

Vieles deutet darauf hin, dass die radikalisierten Kämpfer sich in Blogs und Foren auf die Suche nach jungen Frauen begeben, die sie für ihre Sache gewinnen wollen. Das Netz der Verführungen ist aus verschiedenen Fäden gesponnen. Kämpfer werden zu Helden hochstilisiert. Junge Frauen werden gezielt angesprochen – und erhalten sogar Tipps für die beste Anreise. Immer mehr vor allem junge Frauen unter 25 fühlen sich angesprochen werden. Teilweise sind sie noch minderjährig.

Was zieht westliche Frauen zum islamischen Staat?

Das Leben für den Dschihad übt auf sie offenbar eine ungeheure Anziehungskraft aus. Aus völlig unterschiedlichen Gründen:

Manche werden mit romantischer Verklärung geködert. „Mittlerweile existieren sogar Tagebücher in sozialen Netzwerken mit romantischen Schilderungen von dem Leben dort. Es wird ihnen ein idyllisches Leben vorgegaukelt, letztlich wissen sie aber gar nicht, was sie in Wirklichkeit dort erwartet", sagt Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Zwangsehen (oft als Zweit- oder Drittfrau), die die Frauen völlig der Willkür ihrer Männer aussetzen. Entrechtung und Isolierung. Die alltägliche Konfrontation mit grausamen Hinrichtungen – darauf werden die Mädchen vermutlich nicht vorbereitet. Und die Rückkehr ist nahezu ausgeschlossen. Laut Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz ist in Deutschland etwa ein Dutzend Anwerberinnen aktiv, die Rolle an der Seite eines „Märtyrers“ würde, so die Zeitschrift 'Focus' als zweitbester Weg nach dem Märtyrertum angepriesen.

Oder es gibt den nahezu klassischen Weg der Anmache: In sozialen Netzwerken näherten sich Islamisten Mädchen an, die zu verstehen gegeben hatten, dass sie mit radikaleren Auslegungen des Glaubens sympathisieren. „Diese Männer täuschen Liebe und Begehren vor“, erklärt eine Expertin. Die Mädchen glaubten, dass ihr Dschihadist sie liebt. Und für die jungen Männer sei die Aussicht auf Mädchen ein weiterer Anreiz, sich dem IS anzuschließen.

„Oft sind das junge Frauen, die in unserer Gesellschaft überfordert sind und in einer persönlichen Schieflage stecken", erläutert ein Islamwissenschaftler, der für das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz arbeitet, in einem Interview. „Sie geraten dann in die Fänge von Menschen, die ihnen einfache Antworten liefern." – die Terrormiliz gibt ganz klare Geschlechterrollen vor. Die Frauen führen den Haushalt, halten den Männern/Kämpfern den Rücken frei und bekommen Kinder. Die nächste Generation von Kämpfern. Dafür tauschen einige bereitwillig die westliche Freiheit gegen die Burka ein.

Sie stellen ihr Leben in den Dienst des Dschihads. Als Ehefrau - in manchen Fällen aber auch als aktive Kämpferin. Ein Teil der Frauen begnügt sich aber nicht damit, den Männern den Rücken zu stärken. Sie ziehen selbst in den Kampf. Ein Propaganda-Video der IS-Miliz zeigt voll verschleierte mit Gewehren in der Hand. Laut dpa gehören sie einer reinen Frauen-Brigade an - offenbar werben die radikalen Islamisten auch für diesen Bereich mit Erfolg Frauen an.

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